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Wird das Steinzeugwerk wieder verkauft?

Das Areal in Hähnichen liegt brach. Der Besitzer soll aufräumen, fordert die Gemeinde. Doch der sieht den Fall anders.

Von Katja Schlenker

Der Anblick ärgert. Lediglich ein Schuttberg und zwei hohe Schornsteine erinnern noch an das ehemalige Steinzeugwerk in Hähnichen. Der Betrieb, der einst der Familie Engelhardt gehört und für zahlreiche Arbeitsplätze im Ort gesorgt hat, ist vor ziemlich genau sechs Jahren abgerissen worden. „Den Schuttberg haben die damals liegenlassen, nachdem sie den ganzen Schrott weggeholt haben“, sagt Gemeinderat Hans-Christian Doehring in der Februar-Sitzung des Gemeinderats. Ob das Ordnungsamt das nicht klären kann, fragt er. „Wir können die Schuttberge nicht dulden“, erklärt er. „Und sollten Druck machen, denn so geht das nicht.“

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Zwei Schornsteine und ein Schuttberg –mehr ist vom ehemaligen Steinzeugwerk in Hähnichen (kleines Foto oben) nicht geblieben. 2008 ist es abgerissen worden (kleines Foto unten). Fotos: jt; Archiv (2)
Zwei Schornsteine und ein Schuttberg –mehr ist vom ehemaligen Steinzeugwerk in Hähnichen (kleines Foto oben) nicht geblieben. 2008 ist es abgerissen worden (kleines Foto unten). Fotos: jt; Archiv (2)

Zumal der Kindergarten nicht weit entfernt ist und eine Familie direkt nebenan wohnt. Sorge bereiten vor allem die beiden Schornsteine. Am Erdboden ist das Mauerwerk noch fest. Jedoch: „An einem der Schornsteine liegen die Steine gefährlich auf der Kippe“, sagt Gemeinderat Michael Kauschmann. „Die Steine sehen aus, als könnten bei jedem Sturm welche herunterfallen.“ Die Gemeinderäte fordern, dass sich etwas ändert.

Doch das ist schwierig, denn das Areal ist Privatgelände. Die Gemeinde kann nur Druck auf den Besitzer ausüben, wenn Gefahr besteht. Und die besteht offenbar momentan nicht. „Die Schornsteine sind nicht einsturzgefährdet“, sagt Hans-Jürgen Brabandt. Der Dachdecker aus Aachen hat das Grundstück in Hähnichen einst ersteigert. Als Wertanlage, anstelle von Aktien. Gerne würde er das Grundstück in Ordnung bringen, damit dort ein oder zwei Häuser gebaut werden können. Jedoch gibt es dabei Probleme. „Wir wollten den Ziegelschutt zerkleinern und als festen Untergrund auf dem Grundstück verteilen“, erklärt Hans-Jürgen Brabandt. „Aber das durften wir nicht.“ Stattdessen sollten die übrig gebliebenen Ziegel abtransportiert werden. Doch auch das geht laut Hans-Jürgen Brabandt nicht, weil der Lkw nicht die Straße zum ehemaligen Steinzeugwerk hinterfahren darf. „Und mit dem Helikopter abtransportieren lassen können wir den Ziegelschutt auch nur schlecht“, sagt er frustriert.

Dabei wäre das gar nicht notwendig, sagt Bürgermeister Werner Queiser (CDU): „Es gibt eine zweite Einfahrt, ein Stück weiter oben an der Straße.“ Dort könnte der Lkw für den Abtransport des Schutts reinfahren. Zumal er auch kein Problem sieht, dass die Lkws direkt zum Steinzeugwerk fahren. „Der Bauhof fährt mit den Fahrzeugen auch auf der Straße“, sagt Werner Queiser. „Und die Container stehen auch dort und werden in einen Lkw geleert.“

Doch damit noch nicht genug mit den Problemen. Der Schutt, der auf dem ehemaligen Betriebsgelände lagert, soll laut dem Umweltamt des Landkreises Görlitz umweltgefährdend sein, sagt Hans-Jürgen Brabandt. Folglich wäre die Entsorgung aufwendig und kostenintensiv. Das Amt schildert die Situation allerdings ein wenig anders: „Davon, dass es sich bei dem lagernden Bauschuttmaterial um ,Sondermüll‘ handelt, hat das Umweltamt keine Kenntnis“, erklärt Sprecherin Marina Michel vom Landratsamt im Auftrag der Unteren Abfallbehörde. „Grundsätzlich gilt aber, dass Abfälle entsprechend der gesetzlichen Regelungen zu entsorgen sind.“ Zudem weist das Umweltamt darauf hin, dass möglicherweise belastete Gebäudeteile, wie die Schornsteine und Rauchgaskanäle, nicht abgerissen worden sind. Die untere Abfall- und Bodenschutzbehörde hat bereits Kontakt mit dem Grundstückseigentümer aufgenommen, sagt Marina Michel.

Hans-Jürgen Brabandt ist schon eine Weile nicht mehr in Hähnichen gewesen. Das letzte Mal, als eine Schachtabdeckung offen war. Allerdings hat er bald in der Nähe von Dresden zu tun und will am ehemaligen Steinzeugwerk nachschauen, ob alles in Ordnung ist. Zudem überlegt er momentan, das Grundstück wieder zu verkaufen. Doch das geht erst, wenn alles aufgeräumt ist. Es scheint verzwickt, denn die Schornsteine können erst verschwinden, wenn der Schuttberg abtransportiert oder zermahlen und auf dem Areal verteilt ist.

Für die Hähnichener geht es aber um mehr als nur einen Schandfleck. Nachdem die Familie Engelhardt enteignet und der Betrieb verstaatlicht worden waren, hat das Steinzeugwerk als Betriebsteil zur Ziegelei Kodersdorf gehört. Bis zur politischen Wende haben hier 15 Mitarbeiter vor allem Steinzeugrohre produziert – bis 1990. Danach gibt es noch mal einen kurzen Hoffnungsschimmer, als die Firma Huber aus München das Werk 1993 von der Treuhand kauft und auf dem Gelände eine Bodenrecyclinganlage errichten will. Bis zu fünfzig Arbeitsplätze werden damals in Aussicht gestellt. 1997 zerschlagen sich auch diese Pläne. Danach findet die Gemeinde einen neuen Käufer. Geblieben ist in Hähnichen nur der Schuttberg. „Die haben ausgeschlachtet und abgerissen, was ging“, resümiert Gemeinderat Harald Schwarz.