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Wird das Theater Kreis und Städten zu teuer?

Die Mitarbeiter erhalten künftig Tariflohn. Zeit, über eine neue Struktur zu sprechen, findet Landrat Bernd Lange.

Nur von Liebe kann Graf Almaviva (Tembi Nkosi) in der Neuinszenierung von Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“ nicht leben – und die Mitarbeiter des Gerhart-Hauptmann-Theaters auch nicht.
Nur von Liebe kann Graf Almaviva (Tembi Nkosi) in der Neuinszenierung von Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“ nicht leben – und die Mitarbeiter des Gerhart-Hauptmann-Theaters auch nicht. © Marlies Kross

Nur von Liebe kann Graf Almaviva (Tembi Nkosi) in der Neuinszenierung von Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“ nicht leben – und die Mitarbeiter des Gerhart-Hauptmann-Theaters auch nicht.

Sonnabendabend: Das Görlitzer Theater ist knackevoll bei der ersten Opernpremiere dieser Spielzeit. Rossinis „Barbier von Sevilla“ stand nach 26 Jahren wieder auf dem Theaterzettel. Die Oper des Italieners ist ein Garant für Erfolg. So war es auch an diesem Abend in Görlitz. Lang anhaltender Applaus, stürmischer Jubel für eine gelungene Inszenierung.

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Doch hinter den Kulissen brodelt es. Dabei sieht es auf den ersten Blick ganz gut aus für die Mitarbeiter des Gerhart-Hauptmann-Theaters an seinen beiden Spiel- und Produktionsorten Görlitz und Zittau. Derzeit werden sie nach einem Haustarifvertrag entlohnt. Der liegt bei etwa 85 Prozent des Flächentarifes. Das soll sich ändern. Der Freistaat hat ein entsprechendes Förderprogramm aufgelegt, die Theaterleute werden dementsprechend entlohnt. Das gilt zumindest für den Kreis Görlitz so. Bei den Nachbarn in Bautzen greift das nicht, hier ist das Theater ein Eigenbetrieb.

Was bedeutet der Flächentarif für den Kreis Görlitz? Der Freistaat fördert den Lohnzuschuss in den kommenden vier Jahren mit 70 Prozent. Dennoch, Thomas Gampe, Erster Beigeordneter des Landrates und für die Finanzen zuständig, spricht von einem „erheblichen Sprung“ bei den finanziellen Zuschüssen, die vom Kreis und den Städten Görlitz und Zittau abverlangt werden. Im Ergebnis der Tarifverhandlungen für den Öffentlichen Dienst hat sich der Lohn für die Mitarbeiter des Theaters seit März um 2,85Prozent erhöht. Das bedeutet für 2018 eine Kostensteigerung von 330000 Euro. Die war im Wirtschaftsplan 2018 des Gerhart-Hauptmann-Theaters nicht enthalten. Die Gesellschafter haben sich deshalb darauf verständigt, den Mehrbetrag entsprechend ihrer Gesellschafteranteile zu decken: Der Kreis zahlt 198000 Euro, die Stadt Görlitz 99000 Euro und die Stadt Zittau 33000 Euro. Die Stadträte im Görlitzer Verwaltungsausschuss stimmten am vergangenen Mittwoch dem städtischen Anteil einstimmig zu. Die Zuwendung der Stadt Görlitz an das Theater erhöht sich damit von knapp 2,3 auf knapp 2,4 Millionen Euro im Jahr. Die Stadt nimmt das zusätzliche Geld aus den höheren Erträgen aus der allgemeinen Schlüsselzuweisung 2018, das heißt, sie erhält vom Freistaat mehr Geld als im Haushalt geplant.

Wie es ab nächstem Jahr weitergeht, ist trotz der höheren Zuschüsse vom Freistaat unsicher. Im Landratsamt sieht man das Ganze skeptisch. Ein Grund: Laufende Tariferhöhungen werden von den Zuschüssen des Freistaates keineswegs gedeckt. Laut Landkreis handelt es sich dabei um 300000 Euro. „Wir brauchen eine Entscheidung im Kreistag und in den betroffenen Städten“, sagt Landrat Bernd Lange. Der Kreis allein werde sich den Zuschuss nicht leisten können. Damit bringt der Landrat eine Diskussion wieder ans Licht, die es bereits vor mehreren Jahren gab. „Es wird im Kulturraum notwendig sein über den tatsächlichen Bedarf in Sachen Theater nachzudenken“, sagt Bernd Lange.

Ein Thema, das mindestens vor sechs Jahren schon im Raum stand: die große Theaterdiskussion. Damals drängte der Landkreis Bautzen auf eine einheitliche Lösung für die Oberlausitzer Theater. Die Häuser in Zittau und Görlitz waren damals nur mit Lohnabsenkungen zu halten und auch in Bautzen wurde die Luft finanziell knapp. Nun rollt Landrat Bernd Lange das Thema rund um die Theater wieder auf. „Wir müssen die Diskussion im Kulturraum weiterführen, in den Kreisen Bautzen und Görlitz“, sagt er. Sein Ziel: Theater muss effizienter werden. „Wir müssen beispielsweise überlegen, ob ein Musiktheater in dieser Größenordnung so zu erhalten ist“, so der Landrat. Traditionell steht ebenso die Frage an, ob es in einem Kulturraum zwei Sprechtheaterbühnen geben muss.

Lange sagt, es gehe ihm darum, die Kulturvielfalt zu erhalten, aber eben effizienter. Er sehe, so Bernd Lange, mit dem jetzigen Tarifabschluss eine Chance, sauber, sozusagen auf Augenhöhe miteinander zu reden. Und: Er betont explizit, das die Gespräche in beiden Kreisen der Oberlausitz, in Bautzen und Görlitz, geführt werden müssten.