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Wird der Eintritt fürs Museum teurer?

Sebnitz strukturiert die Fremdenverkehrsbetriebe um. Das nährt die Gerüchteküche und löst Kritik aus.

Von Thomas Möckel

Es waren gleich mehrere Gerüchte, die in den vergangenen Wochen in Sebnitz die Runde machten. Möglicherweise könnten die Eintrittspreise für die Museen und andere Ausflugsziele steigen, munkelten die einen. Andere mutmaßten über verkürzte Öffnungszeiten, manche sahen gar schon einen Kahlschlag beim Personal vor ihren geistigen Augen.

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Worüber die Menschen da spekulierten, war ein im Vorfeld eher als unspektakulär geltender Plan der Stadt. Sebnitz krempelt die Struktur der Fremdenverkehrsbetriebe Sebnitz-Hinterhermsdorf (FVB) um. Die Aktion ist größtenteils behördenintern ausgerichtet und entfaltet kaum Außenwirkung. Doch offensichtlich gab die nun vom Stadtrat beschlossene neue Struktur genügend Diskussionsstoff ab. Dabei war der Akt eher formell. Bisher fungierten die FVB als sogenannter Eigenbetrieb, der sich beispielsweise um die Museen, die Tourist-Infos, das Bad, die Bibliothek und andere touristische Einrichtungen kümmerte. Die FVB hatten einen eigenen Haushalt, allerdings kein eigenes Personal. Das stellte die Tourismus-und Dienstleistungsgesellschaft Sebnitz (TDS). Das Geld, um sowohl Personal und Einrichtungen zu finanzieren, gab die Stadt.

Nun wird aus dem einstigen Eigenbetrieb ein sogenannter Regiebetrieb. Das Personal kommt weiter von der TDS, das Geld weiter von der Stadt, es ändert sich gravierend nur eines: Der Regiebetrieb hat keinen eigenen Haushalt mehr, sämtliche finanziellen Positionen gehen fortan im städtischen Etat auf – und die Einrichtungen des FVB werden nun wieder städtische Einrichtungen. Auf die Ausflugsziele und die anderen touristischen Anlaufpunkte wirkt sich diese geänderte Rechtsform nach Aussage der Stadt allerdings nicht aus. Alles bleibt erhalten, an den Öffnungszeiten ändert sich ebenfalls nichts. „Hinter der Strukturreform“, sagt Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU), „verbirgt sich auch keine versteckte Preiserhöhung.“ Primär ging es um ganz andere Dinge.

Nach Auskunft des Rathauses könnte gemäß mehrerer Gutachten und gerichtlichen Urteilen bald folgendes Problem auftauchen: Solche finanziellen Zuschüsse, wie sie bislang von der Stadt für die FVB an die TDS flossen, werden möglicherweise künftig besteuert. Die Mehrausgaben will die Stadt gern umgehen, indem sie die finanziellen Posten für den Fremdenverkehr wieder als die eigenen im städtischen Etat ausweist. Zudem galt es aus Sicht der Stadt, die aufgrund der Fusion mit Kirnitzschtal unterschiedliche touristische Struktur anzupassen und zu vereinheitlichen. Laut Ruckh sollen künftig alle Ortsteile der Groß-Kommune touristisch gleichwertig betrachtet werden. Insofern bleibe auch der vorhandene Personalstamm erhalten oder werde gar noch aufgestockt. „Mit der neuen Struktur und neuer personeller Ausrichtung bim Tourismus und Stadtmarketing wollen wir weiter vorwärtskommen und Sebnitz und die Ortsteile noch stärker als Top-Anlaufgebiet etablieren“, sagt Ruckh.

Die geänderte Struktur findet aber nicht bei allen Anklang. Kritik im Stadtrat gab es vor allem aus den Reihen von FDP und SPD. Der SPD-Stadtrat Stefan Müller hält das neue Konzept für zu schwerfällig und die Entscheidungswege zu lang, sodass die Einrichtungen nicht agil genug am Markt agieren könnten. Und FDP-Rat Maik Richter sieht mit wachsender Sorge, dass von der Stadt bezuschusste FVB-Einrichtungen ähnlichen Unternehmen am freien Markt zunehmend Konkurrenz machen.