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Wird der See immer kleiner für die Segler?

Der Hafenbetreiber muss den Antrag für die Wassersport-Nutzung auf dem See stellen. Noch gibt es offene Fragen.

Von Anja Beutler und Sebastian Beutler

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Wer Arne Myckert in diesen Tagen nach der Genehmigung fürs Segeln auf dem Berzdorfer See ab dem Frühjahr fragt, erhält eine hinhaltende Antwort. Nach eigener Auskunft ist der Geschäftsführer des Görlitzer Großvermieters Kommwohnen erstmals für die Beantragung dieser Genehmigung zuständig. Schließlich übertrug die Stadt Görlitz den Hafen und die Halbinsel der Kommwohnen-Servicetochtergesellschaft, gibt es ab diesem Jahr mit Frank Lissy auch einen Hafenbetreiber. Doch noch liegen die Unterlagen nicht bei der Unteren Wasserbehörde des Landkreises, die schließlich sagen muss, wo die Segler oder Kite-Surfer ihrem Freizeitvergnügen nachgehen können. Dafür braucht sie auch ihre Zeit, manche sagen vier bis sechs Wochen, andere sprechen gar von drei Monaten. Die Segler um Manfred Dahms von den Lausitzer Wassersportfreunden sorgen sich daher schon um ihren Saisonstart Anfang April.

Auf der dunkelblau umrahmten Seefläche konnten die Wassersportler sich im Vorjahr tummeln, die rote ist aus Naturschutzgründen tabu. Vorlage: Planungsverband

Arne Myckert jedenfalls wartet noch auf den Planungsverband. Der muss sich überlegen, was er von den Vogelbeobachtungen und deren Konsequenzen hält, die der Ornithologe Markus Ritz Anfang Dezember in Schönau-Berzdorf vorgestellt hatte. Ritz war zu dem Schluss gekommen, dass in diesem Jahr der Nordteil des Sees für Segler und Kite-Surfer tabu sein sollte, auch plädierte Ritz für einen späteren Start des Segelns, etwa erst ab Ende April. Den Surfern könnten noch weitere Einschränkungen drohen, kollidierten sie im Herbst doch mehrfach mit den Überland-Stromleitungen. Daraufhin verbot der Kreis diesen modernen Sport erst einmal ganz.

Nach Angaben des Görlitzer Rathauses haben sich nun Vertreter des Planungsverbandes im Januar getroffen, um einen gemeinsamen Standpunkt über die künftige Segelfläche festzulegen. Wie Sprecherin Sylvia Otto erklärt, werde nun eine Stellungnahme an die Untere Wasserbehörde erarbeitet, die in den nächsten Tagen an den Kreis gehen soll. Ob der Verband dem Vorschlag von Ritz folgt oder dagegen vorgeht, lässt die Stadt aber offen.

Immerhin kann nun auch Kommwohnen seinen Antrag fürs Segeln und Kite-Surfen stellen. Mehr wird es auch dieses Jahr nicht werden. Zwar würde die Attraktivität des Hafens aus Sicht Myckerts stark gewinnen, wenn endlich auch Motorboote zugelassen werden. Im vergangenen Jahr lagen selbst an Spitzentagen kaum mehr als 30 Boote im Hafen, der aber Platz für das Zehnfache bietet. Schon beginnt die Diskussion, ob der Hafen für den See nicht viel zu groß ist. Schließlich droht die Segelfläche wegen des Naturschutzes von Jahr zu Jahr kleiner zu werden.

Aber die touristische Leitidee von Johann-Friedrich Engels sieht einen stillen See vor. Und das Görlitzer Rathaus hält sich im Moment daran. So würde lediglich ein Antrag „zum Befahren mit verbrennungsmotorfreien Wasserfahrzeugen“ gestellt. Zugleich wird bei der Stadt auch der Antrag fürs Baden momentan vorbereitet, wie Frau Otto bestätigt.

Dass dies alles möglichst rasch vorangeht, hofft vor allem Schönau-Berzdorfs Bürgermeister Christian Hänel: „Wir wollen zum 1. April die Genehmigung für die Wassersportler haben, da muss der Antrag fristgerecht raus“, betont er. Vor allem bei den Schönauer Seglern seien die Bedenken groß, dass wertvolle Zeit vertan werde. Für die Vorsaison seien die Unterlagen auch im Januar abgegeben worden.

Zudem sei die Frage nach möglicherweise größeren Schutzzonen für Vögel ein wichtiges Thema, bestätigt Matthias Fiebig, der Vorsitzende der Wassersportabteilung beim Sportverein Schönau. „Wir haben uns selbst mit der Naturschutzbehörde in Verbindung gesetzt, damit alle Fragen schnellstmöglich geklärt werden können“, sagt er. Zwar war das eigentlich gar nicht die Aufgabe des Vereines – sondern des Antragstellers Kommwohnen – aber da die Segler bereits Kontakt zu den Vogelschützern hatten, haben sie sich dieser Sache angenommen. „Ob am Ende mehr Fläche für uns tabu sein wird, ist noch nicht klar“, sagt Fiebig. Auf alle Fälle werde man gemeinsam versuchen, die größtmögliche Fläche für den Wassersport zu bekommen. „Aber das muss die Behörde nach Antragseingang entscheiden“, sagt Segler Fiebig.

Für die nächsten Jahre will sich der Planungsverband aber des umständlichen Genehmigungsverfahrens sowieso entledigen. Das wäre möglich, wenn eine generelle Schiffbarerklärung für den See vorliegt. Die kann aber nur die Landesdirektion in Dresden ausstellen. Das Verfahren ist aufwendig. Und aus Vorsicht droht dabei sogar eine noch kleinere Segelfläche. So müssten die Segler möglicherweise noch mehr Abstand zum Westufer des Sees halten, würde sich die rote Fläche in der Grafik also verbreitern. Diese Option hatte Markus Ritz schon im Dezember für möglich gehalten. Schließlich wisse niemand, wie sich die Vögel über einen längeren Zeitraum verhalten. Ehe Tiere verstört werden, müsste die Schutzzone vorsorglich größer gestaltet werden. Trotz dieser Unsicherheit aber erwägt der Planungsverband, die Schiffbarerklärung anzustreben. Möglich ist es: Der Berzdorfer See ist vom Freistaat in eine Liste von schiffbaren Seen aufgenommen worden.

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