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Wird die Bahnstrecke Dresden-Oberland-Zittau elektrifiziert?

Bei der Eisenbahn bewegt sich was. Mehrere Strecken sollen beschleunigt werden. Baustart könnte schon dieses Jahr sein.

Fährt die Bahn in einigen Jahren elektrisch von Zittau über das Oberland nach Dresden? Die Chancen stehen derzeit nicht schlecht.
Fährt die Bahn in einigen Jahren elektrisch von Zittau über das Oberland nach Dresden? Die Chancen stehen derzeit nicht schlecht. © Archivbild: SZ/Uwe Soeder

Allein der Vorstoß der Liberecer für den Ausbau einer Schnellzug-Verbindung von Prag über Zittau und Görlitz nach Berlin ist schon ein Paukenschlag. Würde das Dreiländereck doch an den internationalen Fernverkehr angebunden. Bekannt gegeben worden ist die Initiative bei einer Verkehrskonferenz vor einigen Tagen in Zittau. Dort wurden aber noch mehr zukunftsweisende Bahnprojekte angedeutet. Die SZ hat bei der Bahn, dem sächsischen Verkehrsministerium und dem Verkehrsverband Zvon nachgefragt:

Erste Untersuchungen für Elektrifizierung Dresden-Oberland-Zittau

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Der Bundesfond für den Strukturwandel in der Lausitz könnte es möglich machen: In dem derzeit diskutierten Maßnahmepaket ist neben der Elektrifizierung der Strecke Dresden-Löbau-Görlitz auch die der Verbindung Dresden-Oberland-Zittau enthalten. "Durch DB Netz erfolgt derzeit eine erste Bewertung des Vorschlags hinsichtlich des Maßnahmenumfangs", teilte die Pressestelle der Bahn in Leipzig auf SZ-Anfrage mit.  "Aussagen zu Planungsbeginnen, Realisierungszeiten sowie Kostenschätzungen sind deshalb nicht möglich." In einer Pressemitteilung des Verkehrsverbundes VVO ist für die Strecke nach dem Ausbau sogar Tempo 160 ausgewiesen. Das heißt, dass Dresden von Zittau aus für Regionalexpresse dann in einer Stunde zu erreichen sein dürfte. Abgesehen von dieser Verbesserung für die Reisenden ist die Elektrifizierung auch für die Bahn - derzeit die Länderbahn mit ihrem Trilex - von Vorteil. "Es gäbe betriebliche Vorteile, sobald Dresden–Görlitz elektrifiziert ist", teilte Christoph Mehnert, stellvertretender Geschäftsführer des für den Großteil von Ostsachsen zuständigen Verkehrsverbundes Zvon, mit. "Die Strecken Dresden–Görlitz und Dresden–Zittau sind betrieblich im Zusammenhang zu sehen." Im Klartext: Es ist für das Bahnunternehmen logistisch einfacher, beide Strecken mit elektrisch angetriebenen Zügen zu befahren als mit Diesel- und Elektro-Zügen. 

Damit diese Vision auch Wirklichkeit wird, darf das Maßnahmepaket des Bundes für den Strukturwandel in der Lausitz in seiner jetzigen Form nicht nur ein Vorschlag bleiben, sondern muss beschlossen werden. Dafür, dass das passiert, will das Land kämpfen: "Der Freistaat Sachsen wird sich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die sich im ostsächsischen Raum befindlichen Eisenbahnverbindungen nach Möglichkeit Gegenstand des Maßnahme- und Finanzierungsgesetzes des Bundes werden", teilte das Verkehrsministerium in Dresden mit. 

Deutsche und Polen bereiten Ausbau der Neißetalbahn vor

Unabhängig von der Vision einer Schnellbahn von Prag  nach Berlin  - die vermutlich zwischen Zittau und Görlitz auf der bestehenden, aber noch auszubauenden Strecke durchs Neißetal rauschen würde - soll die Strecke Zittau–Görlitz schon in absehbarer Zeit ertüchtigt werden. Die Züge werden dann mit Tempo 80 anstatt mit 50 Kilometer pro Stunde fahren. Die Reisezeit könnte sich laut Deutscher Bahn, der die Schienen gehören und die für den Ausbau zuständig ist, um bis zu drei Minuten verkürzen. "Die Geschwindigkeitserhöhung ist aktuell in Planung, der Umsetzungstermin wird derzeit zwischen DB Netz und Zvon abgestimmt", teilte die Pressestelle der Bahn in Leipzig mit. Das bestätigt der Verkehrsverbund: "DB Netz hat damit begonnen, die Planung für den Ausbau der Abschnitte Hagenwerder–Staatsgrenze und Staatsgrenze–Hirschfelde–Zittau vorzunehmen", so Christoph Mehnert, stellvertretender Zvon-Chef. "Abschluss dieser Arbeiten ist Anfang 2020." Wann die Bagger anrollen, könne er aber noch nicht sagen. 

Auch der polnische Teil der Strecke soll ertüchtigt werden. Derzeit laufen laut Verkehrsministerium Verhandlungen mit dem zuständigen polnischen Infrastrukturbetreiber, der polnischen Bahn-Tochter PKP PLK. Auch sie soll die Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 80 Kilometer pro Stunde anheben - und ist offenbar mit den Vorbereitungen schon weiter als ihre deutschen Kollegen. "Die PKP PLK will den Abschnitt Staatsgrenze–Ostritz–Staatsgrenze sanieren, vermutlich 2019/20", so Mehnert. "Diese Sanierung würde mit Unterstützung des Freistaates Sachsen möglich sein."

Neben der höheren Reisegeschwindigkeit gibt es weitere Ziele für den Umbau: Generell die Verbesserung der Zugverbindung zwischen Görlitz und Zittau, zudem die bessere Erreichbarkeit von Anschlussverbindungen in Zittau, der Einsatz von weniger Fahrzeugen, mehr Fahrgäste "aufgrund kürzerer Reisezeiten und eine damit verbundene erhöhte Wirtschaftlichkeit", so das Verkehrsministerium in Dresden. Nach Angaben des Verkehrsverbundes Zvon soll die Strecke aber eingleisig bleiben und nicht elektrifiziert werden.

Theoretische Chance zur Wiederbelebung der Strecke Zittau-Löbau

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Der Verkehrsverbund Zvon sagt zwar ganz klar "Nein". Trotzdem gibt es für die stillgelegte Strecke von Oderwitz über Herrnhut in Richtung Löbau, für die schon der Umbau in einen Radweg angedacht ist, vor dem Hintergrund der Elektrifizierung der Verbindung Dresden–Oberland–Zittau zumindest die theoretische Chance einer Reaktivierung: Auf der elektrifizierten Strecke sollen mehr Züge fahren als bisher. Da es aber wenige Stellen auf der eingleisigen Trasse gibt, an denen sich zwei Züge begegnen und ausweichen können, müssten unter Umständen neue Ausweichstellen gebaut werden. Stattdessen könnte aber auch die zweigleisige Strecke Dresden–Löbau–Görlitz als Ausweichroute benutzt werden. Das könnte über die stillgelegten Verbindungen  Bautzen–Wilthen, Ebersbach–Löbau oder eben über Oderwitz–Löbau passieren. Die Deutsche Bahn jedenfalls schließt diese theoretische Möglichkeit nicht kategorisch aus. "Die mögliche Taktverdichtung zwischen Dresden und Zittau und der dafür notwendige zusätzliche Infrastrukturbedarf wird ermittelt", teilte die Pressestelle in Leipzig mit. 

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www.sächsische.de/zittau

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