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Wird die Feuerwehr zentralisiert?

Die Räte werden im Mai entscheiden, wie es mit der Gemeindewehr weitergeht. Es gibt vier Lösungsansätze.

Von Sylvia Mende

Die Gemüter haben sich noch nicht beruhigt. Die Meinung der Feuerwehrleute zum Thema Standort der Wehren ist gespalten (DA berichtete). Zur Sitzung im Mai werden die Gemeinderäte entscheiden, wie es mit der Gemeindewehr weitergeht. Dafür gibt es vier Varianten. Diese und den neuen Brandschutzbedarfsplan, der die Grundlage für den Antrag auf Fördergeld ist, stellte Bürgermeister Gunter Weber (CDU) den Gemeinderäten vor. In den nächsten Tagen will der Bürgermeister den Plan allen Ortswehren vorstellen. Die Feuerwehrmänner können dann Hinweise geben und Veränderungen einreichen.

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Die Varianten für die künftige Gemeindefeuerwehr

Die Gemeinde hat, nachdem sich die Theeschützer und Lüttewitzer Kameraden Anfang des Jahres zusammenschlossen, bisher vier Stützpunkte. Keiner verfügt über ein Feuerwehrgerätehaus, das den technischen Anforderungen und Normen entspricht. Die Gemeinde müsste, wenn alle vier Standorte erhalten bleiben, in den nächsten Jahren etwa 1,2 Millionen Euro inklusive Fördergeld investieren. Die Kommune müsste 300 000 Euro aus dem eigenen Haushalt aufbringen. Die zweite Möglichkeit ist, dass gar nichts gebaut wird. Die Beichaer Kameraden bekommen als Ersatzfahrzeug für ihren alten LO Robur ein Kleinstlöschfahrzeug. Das hat etwa die Größe eines Sprinters und verfügt über entsprechende Technik. Sechs Feuerwehrleute könnten in diesem Auto mitfahren. „Würde sich der Gemeinderat für diese Variante entscheiden, fallen nur die Kosten für den Kauf des Fahrzeuges an“, so der Bürgermeister.

Die Erhaltung der drei Standorte in Beicha, Mochau und Choren ist eine weitere Variante. „Bei dieser Lösung können wir laut neu aufgestelltem Brandschutzbedarfsplan alle Orte in der Gemeinde in der geforderten Zeit von 13 Minuten erreichen“, sagte Weber. Das Problem ist, dass der Mochauer Wehr nur sieben Kameraden angehören, für sie die Besetzung eines Fahrzeuges also meist nicht möglich ist. „Ob ein Zusammenschluss mit der Lüttewitzer Wehr, die sich gerade mit der Theeschützer zusammengetan hat, möglich ist, wage ich zu bezweifeln“, so der Bürgermeister.

Als vierte Variante steht der Bau eines zentralen Stützpunktes in Lüttewitz an der ehemaligen Schule zur Diskussion. „Um für alle Feuerwehrleute der Gemeindewehr gute Bedingungen zu schaffen, ist das die günstigste Variante“, so Gunter Weber. Von diesem Stützpunkt aus könnten fast alle Orte der Gemeinde entsprechend abgedeckt werden. Das heißt, die Feuerwehrleute können innerhalb von 13 Minuten vor Ort sein. Die Fahrzeiten sind bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 Kilometern in der Stunde außer nach Simselwitz, Beicha, Nelkanitz und Schallhausen zu schaffen. Damit erreiche die Gemeinde den gesetzlich geforderten Deckungsgrad von 80 Prozent des Gemeindegebietes.

Probleme, die bei bei einem zentralen Standort gemeistert werden müssen

Sollte sich der Gemeinderat für den zentralen Standort in Lüttewitz entscheiden, ist die größte Frage, ob die Feuerwehrleute dorthin mitziehen. Die Beichaer Kameraden wollen bisher an ihrem Standort festhalten und diesen Schritt nicht mittragen. „Wir gehen einer Zeit entgegen, in der es immer weniger Einwohner und auch weniger Feuerwehrleute gibt“, sagte Gunter Weber. Er verweist auf eine Studie über die demografische Entwicklung im Klosterbezirk Altzella. Ein moderner und gut ausgebauter Standort biete den Feuerwehrleuten mehr Komfort und könne bei der Werbung für neue Kameraden oder für die Jugendwehr eine große Rolle spielen, so der Bürgermeister. Selbst wenn die Feuerwehrleute nicht mehr ihren Dienst im Ortsteil abhalten, so müsse das Dorfgemeinschaftsleben, nicht leiden, so Weber.

Mit einer Zentralisierung sind die Feuerwehrmänner von Beicha und auch mehrere Kameraden der anderen Ortswehen nicht einverstanden. Sie plädieren für den Erhalt der drei Standorte in Mochau, Choren und Beicha. Die Beichaer Feuerwehrleute nennen einige Gründe für den Erhalt der Ortswehr: Dabei geht es um die Sicherheit der Anwohner der umliegenden Dörfer und den schnellen Einsatz bei Naturkatastrophen. Nicht nur bei einem Einsatz müssten die Beichaer nach Lüttewitz fahren, sondern auch zu den Diensten. Das bedeutet für die Kameraden, neben einem höheren Zeitaufwand mehr Geld für Benzin auszugeben. Wird die Gemeindewehr zentralisiert, wollen die meisten der 22 Beichaer Kameraden aus der Wehr austreten.

Warum das Thema jetzt diskutiert werden muss

Die Beichaer Kameraden brauchen ein neues Fahrzeug. Ihr LO Robur ist 45 Jahre alt und verschlissen. „Ich lasse aus Sicherheitsgründen immer nur den Fahrer und den Beifahrer fahren. Auf der Pritsche ist die Sicherheit der Kameraden nicht gewährleistet. Sie können sich nicht anschnallen“, sagte der Beichaer Ortswehrleiter Jörg Merzdorf. Bei einer Vorführung wurde festgestellt, dass das mögliche neue Löschfahrzeug nicht in die vorhandene Garage passt. Deshalb und wegen der bisher schlechten Bedingungen für die Kameraden – es gibt in der Garage keine Toilette und keine Dusche – , sollte ein neues Feuerwehrgerätehaus gebaut werden. Der Fördermittelsantrag wurde im vergangenen Jahr gestellt. Im Zuge der Haushaltsdiskussion wurde der Bürgermeister beauftragt, die Kosten für die Wehr zu minimieren.

Der Bürgermeister setzt sich für den Ausbau eines Standortes ein

Ein Stadtort für die zentrale Wehr ist mit der alten Schule in Lüttewitz auch schon gefunden. Das alte Schulgebäude bleibt stehen. Laut Schätzung fallen für den neuen Feuerwehrstandort Kosten in Höhe von etwa 475 000 Euro an. Der Anteil der Gemeinde würde 120 000 Euro betragen. Dem gegenüber stehen Kosten für die Modernisierung von vier Standorten in Höhe von 1,24 Millionen Euro.