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Wird die Hafencity eingemauert?

Das Dresdner Umweltamt schlägt eine Flutschutzwand vor. Damit könnte das Viertel sein besonderes Flair verlieren.

© Visualisierung: USD/ Wörner, Traxler Richter

Von Bettina Klemm

Mal schnell direkt ans Wasser gehen, das könnte bald am Neustädter Hafen nicht mehr möglich sein. Umweltamtsleiter Christian Korndörfer schlägt vor, eine Hochwasserschutzmauer für die Leipziger Vorstadt und Pieschen zwischen Marienbrücke und Pieschener Eck zu planen. Am Montag präsentiert er diese Vorstellungen den Stadträten im Umweltausschuss. In dieser Woche hat er bereits den Ortsbeirat Neustadt informiert.

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Das Gesamtgebiet habe sich gut entwickelt, damit wären bei einem erneuten Hochwasser die möglichen Schäden deutlich höher als 2002, so die Einschätzung der Hochwasserexperten. Zudem sei aufgrund neuer Untersuchungen und dem Vergleich des Hochwasserverlaufs 2002 und 2013 mit mindestens 30 Zentimetern höheren Wasserständen zu rechnen. Basis des Gebietsschutzes sollen Spundwände sein, die tief in den Boden reichen und so das Wasser zurückhalten. Die eigentliche Mauer, für deren Verlauf es bisher nur erste Skizzen gibt, würde 80 bis 110 Zentimeter über den Radweg ragen. Der optische Eindruck wäre mit dem Hochwasserschutz am Landtag vergleichbar. Der Amtsleiter bittet die Stadträte um Zustimmung für vorbereitende Planungen der Schutzwand.

Diese werden mindestens fünf Jahre dauern. Die Kosten würden neun Millionen Euro betragen. Für den Hochwasserschutz ist der Freistaat zuständig. Der schafft es bisher aber kaum, bereits genehmigte Schutzmaßnahmen zu sichern. Von ihm gibt es auch noch keine Zusage für die Leipziger Vorstadt und Pieschen. „Nur wenn wir konkrete Vorstellungen haben, können wir beim Land um eine Finanzierung bitten“, sagt Korndörfer.

Wird mit dem Flutschutz die geplante Hafencity eingemauert oder gar ganz unmöglich? Die Stadt hat sich für die Entwicklung des Areals zu einem hochwertigen Wohngebiet ausgesprochen, derzeit wird ein Bebauungsplan erarbeitet. Doch seit dem Hochwasser 2013 mehren sich die kritischen Stimmen. Auf dem vorderen Teil plant die Firma USD Immobilien. „Für uns haben die neuen Pläne der Stadt so gut wie keine Folgen, da wir den Hochwasserschutz für die Hafencity schon immer berücksichtigt haben“, versichert USD-Sprecher Ulf Mehner. Die jetzt vorliegende Hochwasserschutzlinie könne in die Planungen übernommen werden. Die USD sieht bisher vor, dass die Tiefgaragen-
geschosse der künftigen Wohnhäuser im Hochwasserfall überflutet werden. Das wäre mit der Schutzmauer nicht mehr erforderlich. „Nicht akzeptabel wäre für uns, wenn die reine Planung noch weitere fünf Jahre dauern würde und wir erst 2019 anfangen dürfen zu bauen“, sagt Mehner. Aus Sicht der USD sei der Bau des Hochwasserschutzes in Abschnitten vorstellbar.

Kritischer sieht offenbar die Firma Dresden-Bau mit ihrem Projekt Marina City die Schutzwand, die einen beträchtlichen Teil ihres Grundstücks abtrennen würde. Dresden-Bau plant im Bereich Leipziger Straße, Alexander-Puschkin-Platz den Bau von 240 Wohnungen. In einem Schreiben an Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) teilt Geschäftsführerin Regine Töberich mit, dass sie auf eigene Kosten einen privaten Objektschutz plant. Dabei beruft sie sich auf die Einschätzungen von Jürgen Stamm. Er ist Professor für Wasserbau an der TU Dresden und ein ausgewiesener Fachmann. Zudem beruft sie sich auf Verhandlungen mit der Stadtplanung und der Zusicherung, das Gebiet ohne B-Plan verwirklichen zu können.

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