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Meißen

Wird es den Fischen zu heiß?

Durch Hitze sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser. Dann müssen Teichwirte sich mitunter etwas einfallen lassen.

Fische, die nach Luft schnappen, sieht man meist nur beim Abfischen. Doch auch im Wasser kann den Tieren die Puste ausgehen: wenn es über längere Zeit sehr heiß ist.
Fische, die nach Luft schnappen, sieht man meist nur beim Abfischen. Doch auch im Wasser kann den Tieren die Puste ausgehen: wenn es über längere Zeit sehr heiß ist. © Symbolbild: Patrick Pleul/dpa

Landkreis. Um die 22, 23 Grad ist das Wasser zurzeit in den Teichen von Henry Lindner von der Teichwirtschaft Moritzburg warm. Perfekte Badetemperatur – zumindest für uns Menschen. 

Aber ertragen auch die vielen Karpfen, die Schleien und Welse, die dort immer leben müssen, die Wärme? Immerhin lässt anhaltende Hitze den Sauerstoffgehalt im Wasser sinken, ganz zu schweigen vom Wasserspiegel, den Tieren kann so irgendwann nicht nur der Lebensraum, sondern wortwörtlich die Puste ausgehen.

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Danach sah es zum Beispiel vor knapp vier Jahren aus. Nach mehreren Tagen mit Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke ließ Teichwirt Henry Lindner regelmäßig vorsorglich den Sauerstoffgehalt in seinen Teichen messen. Mitte August lag er bei fünf bis sechs Milligramm pro Liter. „Für einen Karpfen wird es um die zwei Milligramm und darunter kritisch“, erklärte Lindner damals. 

Auch über einen Fütterungsstopp dachte er bereits nach. Das wäre immer die erste Maßnahme, würde der Sauerstoffgehalt auf das kritische Niveau fallen. Denn für das Verdauen der Nahrung braucht ein Fisch mehr Sauerstoff.

Dank Walzen gerettet

2015 ging es für die Fische in Moritzburg noch glimpflich aus, kritischer war die Situation im Jahr 2008. Damals musste Lindner auf den Teichen sogar Walzen einsetzen, die das Wasser mit Sauerstoff aus der Luft anreicherten. Sonst hätte es zu einem Fischsterben kommen können. „Mit der Walze haben wir es geschafft, alle Fische am Leben zu halten“, sagt Lindner.

Im sehr heißen und extrem trockenen vergangenen Jahr beklagte der Sächsische Landesfischereiverband massive Verluste. Chef Andreas Stummer sagte damals gegenüber der Morgenpost: „Das große Fischsterben von 2003 hat sich diesen Sommer wiederholt. Ich schätze den Schaden auf etwa 500.000 Euro.“ In den abgeflachten Teichen hatten auch Raubvögel wie Reiher und Kormorane leichtes Spiel. Vor allem der Karpfen war betroffen.

Dabei gilt dieser Fisch eigentlich als besonders robust. Wie empfindlich die wechselwarmen Tiere auf Schwankungen der Wassertemperatur reagieren, hänge von der Art ab, aber auch von ihrer Herkunft und ihrem Alter, erklärt Falk Hofer vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. 

Auch Anpassung an eine bestimmte Haltungstemperatur und Trainingseffekte bei konstanten oder häufig wechselnden Wassertemperaturen spielten eine Rolle. Temperaturschwankungen bedeuten außerdem nicht immer sofort den Tod der Tiere. „So können Fische bestimmte Temperaturgrenzen beziehungsweise -änderungen durchaus überleben, ohne sich jedoch noch fortpflanzen zu können“, erklärt Hofer. Ähnlich verhält es sich beim Sauerstoffgehalt des Wassers.

Was diesen in den Gewässern des Landkreises momentan angeht, kann das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Entwarnung geben: Das Gas ist noch ausreichend vorhanden, Meldungen zu Fischsterben lägen noch nicht vor.

Henry Lindner von der Teichwirtschaft Moritzburg kann das bestätigen: „Im Moment ist alles noch relativ entspannt.“ Die teilweise sehr heißen Tage wurden bisher immer wieder durch einzelne Gewitterschauer ausgeglichen, weshalb die Wasserstände momentan relativ stabil seien. „Aber wir sind ja auch erst am Anfang des Sommers.“ Wenn im August die Tage wieder kürzer werden und auch Grünpflanzen wie Algen nicht mehr so viel Sauerstoff produzieren, sei die Gefahr eines Mangels größer.

Optimal sind 25 Grad

Bis zu einem gewissen Maß hat die Wärme sogar positive Folgen für die Fische beziehungsweise auch die Teichwirte: Denn umso wärmer es ist, umso besser fressen und wachsen die Fische, wie Lindner erklärt. „Optimum ist um die 25 Grad, da ist noch genügend Sauerstoff im Wasser, die Fische fressen vernünftig und können ihr Futter auch besser verwerten.“ Gefischt wird trotzdem erst im Herbst, wenn es etwas kühler ist. „Dann sind die Fische eben etwas größer.“

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