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Zittau

Wird Salzhaus-Betreiber mit Problem allein gelassen?

Alle wissen vom Ärger mit den jungen Krawallmachern in Zittau, doch mit Hilfe tun sich einige schwer. Die SZ sprach mit Peter Hesse.

Peter Hesse will mit der Stadt Zittau und dem Landkreis das Gespräch suchen, um Lösungen für das Problem mit dem Salzhaus-Krawallmachern zu finden.
Peter Hesse will mit der Stadt Zittau und dem Landkreis das Gespräch suchen, um Lösungen für das Problem mit dem Salzhaus-Krawallmachern zu finden. ©  Archivfoto: Matthias Weber

Wenn Peter Hesse, Chef der Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft (Kuweit), derzeit mit Leuten spricht, wird er oft auf die Probleme im Zittauer Salzhaus angesprochen. Den Ärger mit Jugendlichen, die Schäden anrichten und Krawall machen, hatten er und seine Mitarbeiter jüngst öffentlich gemacht. Die Suche nach Lösungen ist nicht einfach, wie die vergangenen Tage gezeigt haben. Die SZ sprach darüber mit Peter Hesse.

Herr Hesse, wenn man mit der Stadt Zittau oder dem Landkreis über die jugendlichen Krawallmacher vom Salzhaus spricht, heißt es immer wieder, das Problem sei bekannt, aber man könne nichts machen, da die Kuweit zuständig sei. Wird Ihre Gesellschaft mit dem Ärger allein gelassen?

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Bisher gab es keine direkte Ansprache von beiden Seiten. Dabei müsste durchaus Interesse bestehen, das Problem zu lösen. Die Kuweit ist ja eine kreiseigene Gesellschaft. Und das Salzhaus gehört wiederum der Stadt, wir sind hier nur Erbbaupächter. Ich sehe natürlich auch uns in der Pflicht, auf beide zuzugehen.

Wie könnte Ihrer Meinung nach die Hilfe aussehen?

Gemeinsam mit dem Träger unserer Gesellschaft und der Jugendhilfe müsste ein Projekt entwickelt werden, bei dem sich jemand um die Jugendlichen kümmert. Es soll kein spezielles Projekt fürs Salzhaus sein, sondern für die Innenstadt. Denn wir wissen, dass auch andere wie beispielsweise die Sparkasse und die Volksbank ähnliche Probleme haben. Unser Hausmeister hat kürzlich beobachtet, wie Jugendliche in der Volksbank-Filiale Fußball gespielt haben. Wir können einem Jugendsozialarbeiter Büro und Telefon zur Verfügung stellen, aber wir können es nicht selber machen, da die Kuweit kein Träger der Jugendhilfe ist. Dafür braucht es Partner. Ob es der Landkreis, die Stadt Zittau oder ein freier Träger ist, ist dabei zweitrangig.

Nun könnte man sagen, die Kuweit muss doch nur den Winter abwarten, danach treffen sich die Jugendlichen wieder im Freien.

... und im Oktober geht es erneut los. Nur abzuwarten, ist keine Lösung. Damit geht man dem eigentlichen Problem nicht auf den Grund. Es stecken Probleme dahinter, die nicht einfach sind. Manche der Jugendlichen kommen aus nicht intakten Familien. Sie fangen jetzt mit kleinen Straftaten an und werden irgendwann zu richtigen Kriminellen. Jetzt können wir noch frühzeitig eingreifen, können präventiv arbeiten und den Anfängen wehren. Wenn wir das jetzt nicht tun, verschenken wir auch viel Potenzial. Die schlechteste Variante wäre, wenn alle das Problem von sich wegschieben.

Im Gegenzug erwarten ja auch alle, dass wir bei den Festen mitmachen, dass unsere sanitären Anlagen genutzt werden können, dass zu Weihnachten der Adventskalender angebracht wird, dass wir Werbeflächen zur Verfügung stellen und dass das Salzhaus offen ist. Wir wollen auch das Haus offen halten. Es soll genutzt werden. Wir sind froh, wenn die Stollen- oder Brotverkostungen hier stattfinden, wenn Gärtnereien ihre Produkte präsentieren oder Modenschauen gemacht werden. Dahinter steckt unsererseits kein kommerzielles Interesse, sondern der Wunsch, die Zittauer Innenstadt zu beleben. Aber das funktioniert nur, wenn wir die Probleme in Griff bekommen.

Es gibt auch die Forderung nach einem runden Tisch, wo die verschiedenen Seiten gemeinsam nach Lösungen suchen. Würden Sie dazu die Initiative ergreifen?

Ja, wir müssen auch zeitnah die Gespräche suchen. Aus unserer Sicht wäre es gut, wenn die Stadt Zittau die Federführung übernimmt, da es, wie schon gesagt, kein alleiniges Problem vom Salzhaus ist. Die Stadt kann damit auch zeigen, dass sie unser Engagement für Zittau wertschätzt. Die Kuweit betreibt ja nicht nur das Salzhaus, sondern auch den Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek an der Lisa-Tetzner-Straße und das Wohnheim für Berufsschüler an der Komturstraße. In keiner anderen Stadt ist die Kuweit so massiv mit Personal und Gebäuden vertreten.

Sie haben bereits die Überwachungstechnik erweitert und die Kontrollen durch den Sicherheitsdienst verstärkt. Aber Sie haben auch erklärt, dass diese Maßnahmen ausgeschöpft sind.

Ja. Es ist auch nicht der richtige Weg, weil dadurch das Problem mit den Jugendlichen nicht gelöst, sondern nur verlagert wird. Dann gehen sie an Orte, wo sie nicht durch Kameras oder Sicherheitsleute beobachtet werden. Außerdem würden mehr Technik und mehr Kontrollen nur mehr Kosten erzeugen, welche die Kuweit dann nicht mehr allein tragen kann. Wenn wir die Kosten auf die Mieter umlegen, birgt das aber nur die Gefahr, dass vielleicht jemand seinen Vertrag kündigt. Wir haben Zeiten erlebt, wo das Gebäude halbleer stand. Jetzt sind wir glücklicherweise voll vermietet.

Wir wollen auch keine Zugangsbeschränkungen. Das ist für uns wie für die öffentlichen Einrichtungen wie die Bibliothek oder die Volkshochschule nicht gut. Wenn beispielsweise die Öffnungszeiten gekürzt werden, kommt das keinem zugute.

Haben Sie nach dem Gang an die Öffentlichkeit auch positive Reaktionen bekommen?

Ja, von der Polizei zum Beispiel. Sie hat versprochen, in unregelmäßigen Abständen in und ums Gebäude zu kontrollieren. Auch der Kinderschutzbund hatte sofort das Gespräch mit uns gesucht

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