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Corona: Wird Mallorca jetzt zum Risikogebiet erklärt?

Auf der Lieblingsinsel der Deutschen steigen die Fallzahlen. Eigentlich müsste das Auswärtige Amt eine Warnung aussprechen. Doch man scheut die Folgen.

Urlauber suchen auf der Insel Mallorca am Strand Schatten unter Sonnenschirmen.
Urlauber suchen auf der Insel Mallorca am Strand Schatten unter Sonnenschirmen. © Clara Margais/dpa

Von Georg Ismar und Hans Monath 

Update 17.07 Uhr: Das Corona-Krisenmanagement in Deutschland stift Mallorca als Rsikogebiet ein. Mehr dazu in unserem Newsblog. 

Für die Beamten im Auswärtigen Amt ist der Fall heikel. Mit Milliardenkrediten wurde die deutsche Tourismusindustrie gestützt und nun entwickelt sich eines der wichtigsten Reiseziele in diesem Sommer zum neuen Krisengebiet.

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Gemäß der ansonsten angelegten Maßstäbe müssten die Balearen zum Risikogebiet erklärt werden, was aber zu massenhaft Stornierungen führen könnte. So ist es eine Abwägungssache, denn schon jetzt droht eine Insolvenzwelle bei Veranstaltern und Reisebüros.

Nach Angaben der lokalen Gesundheitsbehörde gibt es aktuell 1.245 aktive Fälle auf den Balearen, davon knapp 12.00 auf Mallorca; insgesamt gab es nach Angaben der „Mallorca Zeitung“ 66,81 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen Tagen.

Nach den Maßstäben des Robert-Koch-Instituts gilt aber ein Grenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Explizit verweist das RKI darauf, dass auch Regionen, die den Grenzwert nominell unterschreiten, zum Risikogebiet erklärt werden können, wenn „die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos vorliegt“.

Balearen-Präsidentin Francina Armengol forderte von Spaniens Premier Pedro Sánchez strengere Kontrollen an Flughäfen und Häfen; die Gefahr liege vor allem bei Einreisen vom spanischen Festland. Allerdings gilt auch auf Mallorca, dass Infektionsketten besser verfolgt werden können.

Im Auswärtigen Amt von Minister Heiko Maas (SPD) setzt man auf das Prinzip Hoffnung, dass die Infektionszahlen rasch wieder fallen. „Maßgeblich für die Entscheidungsfindung sind tatsächliche Trends des Infektionsgeschehens, nicht Momentaufnahmen“, heißt es etwas verklausuliert.

Die Entscheidung über die Bewertung treffen das Auswärtige Amt, Bundesinnen- und Bundesgesundheitsministerium gemeinsam. Die Risikobewertung umfasse die Infektionszahlen, die generelle Ausstattung des Gesundheitssystems, die bestehenden Testmöglichkeiten vor Ort und die ergriffenen Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie, betont das Auswärtige Amt.

Auswärtiges Amt warnt bereits vor Reisen in Teile Spaniens

Kerstin Heinen will selbst in einigen Tagen nach Mallorca in den Urlaub fliegen. Angesprochen auf eine drohende Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, sagt die Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes (DRV): „Sollte Mallorca aufgrund der Entwicklung zu den Risikogebieten gezählt werden müssen, wäre das für die Reiseveranstalter wirtschaftlich ein herber Rückschlag“. In diesem Sommer liege der Anteil der Buchungen für Reisen ans Mittelmeer bei mehr als 60 Prozent.

Die Balearen zählen dabei zu den meistgebuchten Zielen im westlichen Mittelmeerraum. Tuifly zum Beispiel brachte nach dem Corona-Neustart bereits mehr als 50.000 Passagiere nach Mallorca.

Es gibt die beiden Instrumente Einstufung als Risikogebiet, was vor allem eine Test- und Quarantänepflicht bei der Rückkehr nach sich zieht, und die Reisewarnung. Dann müssen Veranstalter bereits gebuchte Trips absagen.

Kunden können zwischen Gutscheinen oder Rückerstattung wählen und Urlauber, die zum Zeitpunkt der Warnung in der Region sind, können die Reise abbrechen. Der Veranstalter müsste sie dann zurückbringen.

Das Auswärtige Amt hatte bereits am Dienstag die Reisewarnung für Teile Spaniens um Madrid und das Baskenland wegen der „erneut hohen Infektionszahlen“ erweitert.

Schon seit Ende Juli gilt eine Warnung vor Reisen in drei andere spanische Regionen, darunter Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava. Hinzu kommen innerhalb der EU Corona-Risikowarnungen für Luxemburg und die Regionen Belgien, Bulgarien und Rumänien.

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DRV-Sprecherin Heinen betont, bei allen Reisen habe Gesundheit natürlich grundsätzlich oberste Priorität. „Dementsprechend ist es richtig, dass das Auswärtige Amt zusammen mit dem Robert Koch-Institut die Entwicklungen in den einzelnen Ländern genau im Auge hat und im Fall der Fälle auch entsprechend reagiert.“ Intern fallen in der Branche mit Blick auf die mögliche Reisewarnung aber deutlichere Worte: „Das wäre eine Katastrophe“.

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