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Wird Trinkwasser wegen Corona teurer?

Der Wasserverbrauch in der Region Riesa-Großenhain ist in den letzten Wochen trotz verstärkter Hygieneregeln gesunken. Hat das Folgen auf den Wasserpreis?

Ein Mädchen wäscht sich die Hände mit Wasser und Seife.
Ein Mädchen wäscht sich die Hände mit Wasser und Seife. © dpa-Zentralbild

Riesa. Nach dem Spielen, vor dem Essen - Hände waschen nicht vergessen! Diese einfache Regel, die Eltern ihren Kindern schon seit Generationen beibringen, ist in diesen Tagen wichtiger denn je. Die Corona-Pandemie macht es notwendig, dass jeder verstärkt auf seine Körperhygiene achten soll. Das beginnt beim gründlichen Händewaschen, für das man sich etwa 30 Sekunden Zeit lassen soll, und endet beim täglichen Duschen. Aber welche Auswirkung hat das auf den Wasserverbrauch in der Region?

Die Wasserwirtschaft Riesa-Großenhain (WRG) hat im Monat März 2020 tatsächlich eine  Steigerung bei der Trinkwasserabgabe (ab Werk) im Versorgungsgebiet verzeichnet. Gegenüber März 2019 stieg sie leicht und liegt im mittleren einstelligen Prozentbereich. Das bestätigt WRG-Geschäftsführer Heiko Bollmann auf Nachfrage der SZ. Dagegen sei der Wasserverbrauch im Vergleich zum Februar 2020 deutlicher, um mehr als zehn Prozent, angestiegen. "Wobei ein Corona-Effekt nicht eindeutig auszumachen ist, da die Ursachen vielfältig sein können",  so Bollmann. 

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"Für 2020 erwarten wir sicherlich einen steigenden Mehrverbrauch von Trinkwasser in privaten Haushalten, da durch vielfach kommunizierte Hygieneregeln, Home-Office, Schließung von Kindertageseinrichtungen und Schulen im privaten Bereich ein Mehrbedarf besteht", sagt der Chef des hiesigen Wasserversorgers. Dem würden erwartbare Minderabnahmen an anderer Stelle, z. B. beim Kleingewerbe, gegenüberstehen. Belastbare Aussagen zu einzelnen Abnehmergruppen könnten jedoch erst nach erfolgter Jahresverbrauchsabrechnung 2020 erfolgen.

Ähnlicher Trend in anderen Regionen

Diesen Trend bestätigen auch Zahlen aus anderen Regionen in Deutschland. Beispiel Hamburg: Hier ist der Wasserverbrauch nur leicht erhöht. So lag der Wasserbedarf der Bevölkerung dieses Jahr 1,3 Prozent über dem Durchschnitt der Vorjahre seit 2016. Auch die Hamburger Wasserversorger halten sich zurück mit Aussagen, ob das an der Coronakrise liegt. Einerseits sei die Bevölkerung seit 2016 gewachsen, andererseits fehlen zurzeit Verbräuche, die unter normalen Umständen durch Touristen und Berufspendler entstehen. 

In Stuttgart liegt der Wasserbedarf bei rund 90 bis 95 Prozent des sonst üblichen Verbrauchs, erklärte ein Sprecher der dortigen Versorgers. Er vermutet, dass der gesunkene Wasserverbrauch auf die geringere Zahl von einpendelnden Berufstätigen und Schülern zurückzuführen sei. Viele der Pendler arbeiten nun von zuhause aus. Große Betriebe haben ihre Produktionen gestoppt und Schüler und Studenten bleiben in ihren Heimatstädten.

Wasserverbrauch in Deutschland 2017, aufgeteilt nach Bundesländern
Wasserverbrauch in Deutschland 2017, aufgeteilt nach Bundesländern © Grafik: Bundesverband der Energi

Laut Bundesverband der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) benötigt jeder Deutsche am Tag durchschnittlich rund 123 Liter Wasser, 2018 waren es sogar 127 Liter. Wichtigster Grund für diesen Anstieg war die außergewöhnlich trockene Witterung. Zahlen von 2019 liegen nicht vor. Doch auch im vergangenen Jahr gab es kaum Regen. 

Mit 36 Prozent (rund 46 Litern) entfällt der größte Anteil des täglichen Wassergebrauchs auf Baden, Duschen und Körperpflege. An zweiter Stelle folgt mit 27 Prozent, entsprechend rund 34 Litern, die Toilettenspülung. An dritter Stelle und mit einigem Abstand steht Wäschewaschen (zwölf Prozent/rund 15 Liter). Jeweils sechs Prozent (rund acht Liter) täglich entfallen aufs Geschirrspülen sowie die Raumreinigung, Auto- und Gartenpflege. Der Wassergebrauch für Essen und Trinken bildet mit vier Prozent bzw. rund fünf Litern den kleinsten Posten. Darüber hinaus ist im täglichen Wassergebrauch ein Kleingewerbeanteil von neun Prozent (rund elf Liter) enthalten.

Ein ähnlich deutlicher Anstieg des Wassergebrauchs war zuletzt für das Jahr 2003 zu beobachten – auch hier war der Sommer außergewöhnlich warm. Damals stieg der Wassergebrauch von 128 auf 131 Liter Leitungswasser pro Kopf und Tag. Sachsen gehört zu den Bundesländern mit dem niedrigsten Wasserverbrauch. 2017 sind die Sachsen im bundesdeutschen Vergleich mit dem wichtigen Gut am sparsamsten umgegangen.  

Wasserpreis bis 2023 stabil

Für die gesamtdeutsche Wasserwirtschaft rechnet WRG-Geschäftsführer Bollmann für die Dauer der Corona-Einschränkungen mit einem deutlichen Rückgang des Wasserverbrauchs. Vor allem dort, wo große Betriebe ihre Produktion gedrosselt oder sogar eingestellt haben. Im Raum Riesa-Großenhain sei das aber bisher nicht der Fall. Bollmann bestätigt: "Für die Industriekunden, die durch die WRG monatlich abgerechnet werden, können wir keinen signifikanten Rückgang der Wasserabgabe bestätigen, im Gegenteil, einzelne Kunden haben im Monat März ihre Abnahme erhöht." 

Ein signifikanter Rückgang des Wasserverbrauchs kann eine Erhöhung des Trinkwasserpreises nach sich ziehen. Doch danach sieht es momentan nicht aus. Bollmann beruhigt: "Die WRG hat eine Preiskalkulation für den Zeitraum 2019 bis 2023 vorliegen. Auf deren Grundlage besteht aktuell kein Anlass, Preisanpassungen vorzunehmen."

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!

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