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Wird Waldheimer Kirche rechtzeitig fertig?

In St. Nikolai hat sich in 25 Jahren viel verändert. Aber die jetzige Sanierung ist die bisher umfangreichste.

Reinald Richber, Pfarrer der Waldheimer Kirche St. Nikolai, zeigt einen Schacht im Altarraum, in dem eine neue Heizung eingebaut wurde. Er wird später mit einem dichten Gitter abgedeckt, sodass auch Stühle darauf stehen könnten.
Reinald Richber, Pfarrer der Waldheimer Kirche St. Nikolai, zeigt einen Schacht im Altarraum, in dem eine neue Heizung eingebaut wurde. Er wird später mit einem dichten Gitter abgedeckt, sodass auch Stühle darauf stehen könnten. © Norbert Millauer

Waldheim. Wer die Waldheimer Kirche St. Nikolai lange nicht betreten hat, erinnert sich kaum noch. Früher war der Altarraum mit Teppichboden ausgelegt. Der wurde im Zuge der Sanierung des Kirchenschiffs entfernt.

Zum Vorschein kamen hellrosa Platten aus Hilbersdorfer Porphyr. „Der wird nicht mehr abgebaut“, so Pfarrer Reinald Richber. Der Porphyr ist also ein besonderer, deshalb wurde er gereinigt und verschwindet nicht wieder unter anderem Belag.

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Entlang der Wand ist jetzt ein Heizungskanal in den Boden eingelassen, der zurzeit mit Sperrholzplatten und später mit einem stabilen Metallgitter abgedeckt wird. So könne die warme Luft nach oben steigen, aber auch Stühle darauf stehen. 

Ein ganz anderer räumlicher Eindruck

„Es ist ein ganz anderer räumlicher Eindruck entstanden“, meint Richber und zeigt auf die Kassetten, an denen bisher Heizkörper hingen.Es sei schwierig gewesen, für die neue Heizung die richtige Lösung zu finden.

Die Wärme sollte nahe am Boden sein, die Heizung aber keinen Lärm verursachen. „Lüftergeräusche stören bei Konzerten“, verdeutlicht der Pfarrer.

Die Teppichfrage hat sich nicht nur im Altarraum gestellt, sondern auch im Mittelgang. Dort ist ein großes Stück zurückgeschlagen. Die Unterseite des Läufers ist dunkel gefärbt.

Das und der Zustand der Platten darunter macht deutlich, dass sich immer wieder Feuchtigkeit unter dem Belag staut. An einigen Stellen hat sich auf den Porphyrplatten Schimmel gebildet. Ideal wäre, auch aus dem Gang den Teppich zu entfernen und die Platten zu reinigen. „Aber darüber muss noch entschieden werden“, so Reinald Richber.

Kirchenbänke sind abgenutzt

Auch ein zweiter Bereich, der bisher nicht in den Sanierungsplänen vorgesehen ist, liegt ihm am Herzen: die Kirchenbänke. Sie sind abgenutzt „und haben deutlich Patina angesetzt“, so der Pfarrer. Aber, es gäbe schon ein besseres Bild, wenn sie abgeschliffen würden, neue Farbe bekämen.

Das ist für die Kassetten um den Altarraum und auf den drei Emporen geplant. Dabei soll auch das dominierende Grau verschwinden. Der Kirchenvorstand hat sich für die ursprüngliche Farbgebung von 1842 entschieden. 

Die Orgelpfeifen wurden bereits im Herbst 2019 ausgebaut. Ihre Sanierung dauert noch bis 2021.
Die Orgelpfeifen wurden bereits im Herbst 2019 ausgebaut. Ihre Sanierung dauert noch bis 2021. © Norbert Millauer
Im Mittelgang zeigt ein zusammengerollter Läufer, dass es darunter feucht ist.
Im Mittelgang zeigt ein zusammengerollter Läufer, dass es darunter feucht ist. © Norbert Millauer
Die Kirchenbänke haben teilweise schon Patina angesetzt. Ob sie ebenfalls abgeschliffen und gestrichen werden, steht noch nicht fest.
Die Kirchenbänke haben teilweise schon Patina angesetzt. Ob sie ebenfalls abgeschliffen und gestrichen werden, steht noch nicht fest. © Norbert Millauer
Außen ist die Waldheimer Stadtkirche St. Nikolai schon seit längerem schmuck.
Außen ist die Waldheimer Stadtkirche St. Nikolai schon seit längerem schmuck. © Norbert Millauer

Eine Probe zeigt, dass sie eierschalfarben war. „Die Goldlinien sollen aufgearbeitet werden“, so Richber. Die Malerarbeiten sind ausgeschrieben. Eine passende Firma zu finden, sei schwer. Die meisten hätten gut gefüllt Auftragsbücher.

Der Blick des Pfarrers geht nach oben zur Gloriole über der Kanzel. Die Mitte des Strahlenkranzes ist leer. Alte Bilder zeigen, dass sich darin einmal die jüdischen Gottesnamen befunden haben.

 „Sie wurden in den 1930er-Jahren gelöscht“, so Richber. Er hofft, dass der Kirchenvorstand doch noch beschließt, dass die Namen ersetzt werden. Auch das war zunächst nicht vorgesehen.

Landeskirche und Förderverein helfen

Seit in den 1990er-Jahren die Außensanierung der evangelischen Kirche erfolgt ist, geht es Stück für Stück innen weiter. Zuerst wurde die Decke instand gesetzt, danach alle Emporen. „Aber das, was wir jetzt in Angriff genommen haben, ist vom Umfang her so viel, wie alles andere zusammen“, meint Richber. 

Die bisher schon feststehenden Arbeiten im Kirchenschiff kosten rund 265.000 Euro. Bei der Finanzierung wird die Kirchgemeinde von der Landeskirche mit 94.300 Euro und dem Freistaat Sachsen aus dem Sonderprogramm Denkmalpflege mit 120.000 unterstützt. Der Förderverein zur Sanierung der Stadtkirche Waldheim gibt 35.000 Euro dazu.

Orgel wird generalüberholt

Parallel läuft aber noch ein zweites umfangreiches Projekt. Die Urban-Kreutzbach-Orgel ist mit großen Tüchern und Plastikplanen abgedeckt. 

Seit Herbst vergangenen Jahres erfolgt die Generalinstandsetzung des Instruments. Die 1.900 Orgelpfeifen wurden ausgebaut. Wiederverwendbare befinden sich in der Werkstatt des Orgelbauers Christoph Rühle in Moritzburg zur Sanierung.

 Andere wurden bei Veranstaltungen verkauft und mit dem Geld die Sanierungskasse etwas aufgefüllt.Insgesamt sollen fehlende Register rekonstruiert, die ursprüngliche Windversorgung und damit der Klang von 1891, dem Baujahr der Orgel, wiederhergestellt sowie der Orgelprospekt und die Prospektpfeifen rekonstruiert werden. 

Advent mit Corona-Reglungen?

All das schlägt noch einmal mit 255.000 Euro zu Buche. Jeweils 72.500 Euro steuern Bund und Land bei.Die Kreutzbach-Orgel wird erst im kommenden Jahr fertig, sodass die Weihnachtszeit mit einer transportablen Orgel überbrückt wird, die die Kirchgemeinde vor einigen Jahren angeschafft hat.

Vorgesehen war, dass alle anderen Arbeiten im Kirchenschiff bis zum Advent abgeschlossen sein sollen. Ob das auch mit den zusätzlichen Vorhaben machbar ist, steht derzeit nicht fest. Pfarrer Reinald Richber hofft zumindest auf Weihnachten.

Das wird nicht die letzte Baustelle sein

Aber auch dann gibt es im Moment noch ein Fragezeichen. Eigentlich haben etwa 1.200 Personen in der Kirche Platz. Wegen Corona dürften es zurzeit nur etwa 270 sein. 

Da das Wetter schön und die Kirche im Moment ohnehin nicht nutzbar ist, feiern die Gläubigen den sonntäglichen Gottesdienst im Garten. Als Ausweich steht auch der Gemeindesaal zur Verfügung.

Die jetzige Sanierung ist umfangreich, aber nicht die letzte, die notwendig ist. Auf der Wunschliste der Kirchgemeinde stehen noch die Instandsetzung der Treppe und des Turmes. Aber dafür gibt es noch keine konkreten Pläne.

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