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Was die Wirecard-Insolvenz für Anleger bedeutet

Aufgrund des Bilanzskandals muss Wirecard Insolvenz anmelden. Für Anleger ist das bitter. Sie könnten ihr investiertes Geld komplett verlieren.

Wie geht es bei Wirecard nach der Insolvenz weiter? Das ist für Anleger entscheidend.
Wie geht es bei Wirecard nach der Insolvenz weiter? Das ist für Anleger entscheidend. © dpa/Sven Hoppe

Von Carla Neuhaus 

Die Wirecard-Aktionäre haben in den vergangenen Wochen viel mitgemacht. Erst der Bilanzskandal, dann wird der langjährige Chef verhaftet. Und jetzt auch noch das: Aufgrund der Turbulenzen muss der Finanzdienstleister aus der Nähe von München einen Insolvenzantrag stellen. Für diejenigen, die Wirecard treu geblieben und ihre Aktien in der vergangenen Woche nicht verkauft haben, ist das bitter.

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Der Kurs der Aktien ist nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags am Donnerstag erneut um mehr als 70 Prozent eingebrochen. Gerade einmal drei Euro ist das Papier damit wert - noch vor einem Jahr hat es um die 150 Euro gekostet.

Und das ist längst nicht alles: „Den Aktionären droht jetzt im schlimmsten Fall der Totalverlust“, sagt Uta-Bettina von Altenbockum, Sprecherin des Aktieninstituts. Alles hinge davon ab, ob dem Unternehmen die Sanierung gelänge und man neue Kapitalgeber findet. Letzteres aber dürfte im Fall von Wirecard schwer werden.

Zwar glaubt man in der Branche weiterhin an das Geschäftsmodell. Wirecard wickelt Kartenzahlungen im Netz und im stationären Handel ab: ein Service, für den der Bedarf weiter steigt, je mehr Menschen online einkaufen.

Wer traut sich jetzt noch, bei Wirecard einzusteigen?

Gleichzeitig aber wäre der Einstieg bei Wirecard für jeden Kapitalgeber ein enormes Risiko. Noch immer ist völlig unklar, wer die Schuld an dem aktuellen Bilanzskandal trägt. Das Unternehmen selbst sieht sich als Opfer. In Asien hat es 1,9 Milliarden Euro auf dem Konto verbucht. Nun stellt sich raus: Mit großer Wahrscheinlichkeit gibt es das Geld gar nicht. Auf den Konzern können deshalb nun auch immense Schadenersatzforderungen zukommen.

Ob Wirecard nun einen Investor findet, wird deshalb vor allem davon abhängen, wie schnell der Bilanzskandal aufgeklärt wird. Doch selbst wenn das gelingen sollte, müssen Anleger sich auf Abstriche einstellen.

Steigen neue Kapitalgeber ein, geht das in der Regel mit der Ausgabe neuer Aktien einher. „Wenn die Altaktionäre nicht an der Kapitalerhöhung beteiligt werden, verwässert dies die Anteile der bisherigen Aktionäre“, sagt Altenbockum. Da dann mehr Aktien im Umlauf sind, verteilen sich die Erträge entsprechend auch auf mehr Aktien. Mit Blick auf die Insolvenz wäre das für die Anleger aber immer noch das deutlich kleinere Übel.

Erst werden die Gläubiger bedient, dann die Aktionäre

Denn bei einer Insolvenz haben Aktionäre das Nachsehen. Sie zählen als Gesellschafter nicht zu den Gläubigern. Anders als etwa Banken, die dem Unternehmen einen Kredit gegeben haben, nehmen sie also nicht am Insolvenzverfahren teil. Erst wenn die Gläubiger ausbezahlt sind, wird der Rest an die Aktionäre verteilt. Das setzt aber voraus, dass dann überhaupt noch Geld da ist, das verteilt werden kann.

Für Anleger ist das bitter. Denn sie haben geglaubt, mit Wirecard in einen aufstrebenden Dax-Konzern zu investieren. Grünen-Politikerin Lisa Paus sieht deshalb einen „immensen Imageschaden für den Finanzstandort Deutschland“. Nach ihrer Meinung hat auch die Aufsicht im Fall Wirecard versagt. „Es ist unverständlich, warum die Bafin nicht schon viel früher aktiv geworden ist und längst eine Sonderprüfung veranlasst hat, statt kritische Stimmen zu ignorieren.“ Bafin-Chef Felix Hufeld soll deshalb am Mittwoch im Finanzausschuss des Bundestags Rede und Antwort stehen. 

Markus Braun war bis letzte Woche noch Wirecard-Chef.
Markus Braun war bis letzte Woche noch Wirecard-Chef. © Lino Mirgeler/dpa

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Ebenfalls pikant: Markus Braun, der bis zum vergangenen Freitag noch Chef des Unternehmens war, hat sich von einem nicht unerheblichen Teil seiner eigenen Wirecard-Aktien bereits vergangene Woche getrennt. Berichten zufolge hat er allein am Donnerstag und Freitag Papiere im Wert von 155 Millionen Euro verkauft. Das musste er tun, weil sie als Sicherheit für einen Kredit hinterlegt waren. Gleichzeitig bedeutet es aber auch: Anders als viele Kleinaktionäre hat er noch so gerade rechtzeitig verkauft.

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