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Warum Borussia Dortmund Geld über Sachsen abrechnet

Das Zahlungsinstitut Secupay arbeitet in Pulsnitz. Inhaber Hans-Peter Weber sagt, was ihn von Wirecard unterscheidet.

Secupay-Chef Hans-Peter Weber hat seine alten Bezahlterminals in Pulsnitz aufbewahrt – auch wenn ihn das Zahlungsverhalten der Zukunft beschäftigt.
Secupay-Chef Hans-Peter Weber hat seine alten Bezahlterminals in Pulsnitz aufbewahrt – auch wenn ihn das Zahlungsverhalten der Zukunft beschäftigt. © SZ/ Georg Moeritz

Wer in der Halbzeitpause im Stadion von Borussia Dortmund ein Bier bezahlen möchte, kann das mit sächsischer Hilfe bargeldlos erledigen. Eine Bezahlkarte namens Stadiondeckel oder das Smartphone des Fußballfans helfen den Teilzeitkräften am Tresen, das Geschäft schneller abzuwickeln als mit Münzen. Von solchen bargeldlosen Zahlungen leben Hans-Peter Weber und seine 75 Mitarbeiter der Secupay AG in Pulsnitz. Im Altbau einer ehemaligen Bandweberei hat der gelernte Schlosser und langjährige Computerverkäufer Weber vor gut 20 Jahren zuerst ein Call-Center gegründet. Es folgte ein Vertrieb für EC-Karten-Terminals, von denen Weber heute noch eine Sammlung in beleuchteten Regalen vorzeigt. Heute ist Secupay ein Zahlungsinstitut, das Transaktionen im Wert von 1,47 Milliarden Euro innerhalb eines Geschäftsjahres verbucht.

Der Bier-Verkauf im Dortmunder Stadion hat dem Pulsnitzer Unternehmen allerdings wegen der Corona-Sperren in den vergangenen Monaten nichts eingebracht. Auch Einzelhändler aus der Secupay-Kundschaft mussten Pause machen. Dennoch ist laut Weber „die Anzahl der Transaktionen gleich geblieben“. Bei Bäckern und Fleischern bezahlten mehr Kunden bargeldlos als zuvor, und Internetplattformen wie Startnext aus Dresden hatten viel mit Corona-Hilfsprojekten zu tun. Startnext ist eine Crowdfunding-Plattform, sie sammelt via Internet Geld für Gründer und Kreative. Solche Plattformen mit vielen Projekten gehören ebenso zu Webers Kunden wie Bäckereiketten, die Deutsche Bahn, Viba Sweets und Engel & Völkers.

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Etwa 175.000 Finanztransaktionen pro Tag finden mithilfe des Pulsnitzer Unternehmens statt, sagt der Gründer und alleinige Inhaber Weber. Ein so großes inhabergeführtes Zahlungsinstitut gebe es in Deutschland nicht noch einmal. Allerdings sei seine Branche stark in Bewegung: Mehrere Konkurrenten fusionierten. Weber bekommt nach eigenen Angaben häufig Übernahmeangebote. „Aber Geld ist nicht alles“, sagt der 53-jährige Zahlungsdienstleister, der auch Klavier spielt und gerne mal mit dem Rad von Dresden zur Arbeit nach Pulsnitz fährt. Sein Unternehmen sei „super aufgestellt und ertragreich“.

Die Pulsnitzer haben das Dax-Unternehmen Wirecard, über das wegen eines mutmaßlichen Milliardenbetruges viel berichtet wird, kaum als Konkurrenten wahrgenommen. Nach Webers Erfahrung hat Wirecard im Zahlungsverkehr in Deutschland keine große Rolle gespielt. „Wir haben uns immer gefragt, wo die wirklich ihr Geld verdienen“, sagt der Secupay-Chef.

Seinem Unternehmen gehe es zwar auch darum, Geschäftsmodelle um das bargeldlose Zahlen zu vergrößern, aber „nicht nur in den Büchern, sondern in der realen Wirtschaft“. Secupay wickle garantierte Zahlungen über Treuhandkonten ab und sorge damit dafür, „dass es gerade keine Veruntreuung gibt“. Webers Unternehmen vermietet die Kartenlesegeräte, schließt Kreditkartenverträge ab und hat auch die Handy-App für das Dortmunder Stadion-Bezahlsystem programmiert. Anderen Fußballvereinen hat Secupay diese Technologie auch angeboten, aber dieser Vertrieb laufe „gerade ein bisschen schwierig“.

Viele von Webers Mitarbeitern sind seit März im Homeoffice, obwohl ihnen in Pulsnitz renovierte Großraumbüros mit denkmalgerecht vorgehängtem Sonnenschutz zur Verfügung stehen. Beim Pressetermin am Donnerstag sagte Weber, jeder dürfe aus dem Homeoffice ins Büro zurückkommen – doch dort waren nur einzelne Mitarbeiter zu sehen. Der Chef erledigt allerdings derzeit auch viel von zu Hause.

Von den 75 Secupay-Mitarbeitern sind laut Weber rund 25 Software-Entwickler. Zusätzliche Programmierer aus Polen und der Ukraine werden gelegentlich zum Videochat dazugeholt, auch wenn solche Besprechungen auf Englisch anstrengen. Doch Weber braucht Spezialisten, die neue Ideen schnell umsetzen und mit der vorhandenen Technik verbinden können. Bezahlkarten bieten häufig auch Rabatte, die Kunden an einen Händler binden sollen. Eine Bäckereikette aus Bayern wies Secupay telefonisch an, wegen der Mehrwertsteuersenkung ab Juli die Rabatte per Kundenkarte von vier auf sechs Prozent zu erhöhen – das ließ sich in Pulsnitz machen.

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Weber möchte sein Unternehmen weiterhin „organisch“ wachsen sehen, rechnet aber nicht mit starkem Mitarbeiterzuwachs. Nach der Pleite eines Auftraggebers 2002 strich er die Hälfte von damals 60 Arbeitsplätzen, doch insgesamt hat er in Pulsnitz nach eigenen Angaben in 20 Jahren mehr als 400 Jobs geschaffen. Die meisten entstanden in Call-Center-Betrieben, die heute seine Mieter und Nachbarn sind.

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