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Wirt will Barthmühle wieder für Gäste öffnen

Jörg Hantzschmann will schnell loslegen. Doch noch fehlt die Baugenehmigung.

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© Frank Baldauf

Von Regine Schlesinger

Wer gerne im Dorfhainer Gasthof Bunter Mann einkehrt, weiß, was Jörg Hantzschmann für die Barthmühle in Höckendorf plant. Denn in den vergangenen fünf Jahren hat der 49-jährige Wirt zusammen mit seiner Frau Kerstin die beliebte Dorfhainer Lokalität geführt. Doch Ende Juni ist Schluss. Der Vierseithof, zum dem auch der Bunte Mann gehört, hat seinen Besitzer gewechselt. Der Pachtvertrag für Hantzschmanns wurde nicht verlängert.

Sie haben das sehr bedauert. Doch es muss ja weitergehen. Deshalb haben sie sich nach einem anderen Objekt umgesehen. Es sollte möglichst in der Nähe liegen. Nur wenige Kilometer weiter, an der Wilden Weißeritz, sind sie fündig geworden. Mitten im Grünen, neben einem viel begangenen Wanderweg liegt hier seit knapp 500 Jahren die Barthmühle, einst eine Mahl-, Öl- und Brettmühle.

Viel Lob für die gastliche Stätte

Bis zum Hochwasser 2002 gingen in dem Ausflugslokal Gäste ein und aus. Wanderer machten Rast, Familien feierten hier Feste. Betreiber war nach der Wende der Verein für Arbeitsförderung und Selbsthilfe aus Freital. Er nutzte die Mühle auch als Bildungszentrum. Azubis erhielten hier ihre gastronomische und hauswirtschaftliche Ausbildung. Zu den jährlichen Mühlenfesten kamen bis zu 2000 Besucher. Als die SZ ein Jahr vor der Flut die Barthmühle zum Gegenstand eines Heimaträtsels machte, gingen viele lobende Zuschriften ein. Die Einkehr sei sehr zu empfehlen, man werde freundlich und preiswert bewirtet und für jeden Geschmack sei was dabei, hieß es da unter anderem. Genau so soll es wieder werden. Lieber heute als morgen würden Jörg Hantzschmann und seine Frau Kerstin, die inzwischen schon in der Barthmühle wohnen, loslegen. Doch noch fehlt die Baugenehmigung. Hantzschmanns hoffen, dass alle bürokratischen Hürden so schnell wie möglich genommen werden können, damit die einstige Mühle wieder zur Einkehrstätte werden kann. Schließlich ist das auch die Existenzgrundlage der Familie.

Auch Gisela Vogel, die Eigentümerin der Barthmühle, unterstützt das Vorhaben ihrer neuen Mieter. Ihre Familie habe immer sehr für die Mühle gekämpft, betont sie. Sonst wären die Gebäude sicher nicht mehr in so gutem Zustand, sondern es hätte auch sie längst das Schicksal ereilt, das andere Mühlen entlang der Weißeritz traf, die heute verschwunden sind.

Gisela Vogel kennt viele interessante Details der Mühlengeschichte, für die es schon seit dem 19. Jahrhundert das Schankrecht gibt. Eine Zeit lang war die Mühle Stuhlfabrik, geleitet vom Urgroßvater der heutigen Eigentümerin. Sogar ein extra breiter Stuhl für die füllig gewordene Queen Victoria soll aus der Barthmühle gekommen sein, die dank eines riesigen Wasserrades sogar Strom produzierte. Auch für medizinische Zwecke benötigte Lichtkästen wurden hier produziert. Gisela Vogel besitzt noch Prospekte aus jener Zeit.

Kräuter frisch aus dem Garten

Dieses Wissen wollen die neuen Wirtsleute gern an interessierte Besucher weitergeben. In der Gaststube sollen bis zu 24 Gäste Platz nehmen können, im Biergarten bis zu 40. Platz zum Spielen für Kinder gibt es im Freien reichlich. Ebenso für einen Duft- und Kräutergarten, in dem der gelernte Koch Jörg Hantzschmann die für die Küche benötigten Kräuter frisch ernten will.

Ihn juckt es schon sehr in den Fingern. Vor den nötigen Renovierungsarbeiten scheut er sich nicht. Die hat er auch schon beim Bunten Mann gepackt. Dank des guten Einvernehmens mit der Bartmühlen-Eigentümerin hoffen er und seine Frau, die neue Gaststätte länger als nur fünf Jahre führen zu können. An ihnen soll es jedenfalls nicht liegen. „Das wird schon gut, das kann nur gut werden“, zeigt sich Jörg Hantzschmann zuversichtlich.