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Wirtschaft: Bautzen schlägt Görlitz

Die Wirtschaft brummt – zumindest in Bautzen. Das belegen jetzt veröffentlichte Angaben des Statistischen Landesamts. Demnach machten umsatzsteuerpflichtige Unternehmen in Bautzen 2008 einen Umsatz von rund 1,4Milliarden Euro.

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Von Christoph Scharf

Die Wirtschaft brummt – zumindest in Bautzen. Das belegen jetzt veröffentlichte Angaben des Statistischen Landesamts. Demnach machten umsatzsteuerpflichtige Unternehmen in Bautzen 2008 einen Umsatz von rund 1,4Milliarden Euro. Das ist glatt doppelt so viel, wie in Görlitz – obwohl die Stadt an der Neiße etwas mehr Betriebe und deutlich mehr Einwohner zählt. Hoyerswerda erreicht nicht einmal einen Drittel des Bautzener Werts (siehe Grafik).

Das sind die Fakten

In fast allen Branchen liegt Bautzen bei der Wirtschaftsleistung seiner Unternehmen weit vorn. Extrem ist das beim Baugewerbe: Hier setzten Bautzener Firmen vier mal so viel um, wie ihre Görlitzer Konkurrenz. Auch bei Wohnungswesen, Verkehr oder Handel landen die östlichen Nachbarn weit abgeschlagen. Nur im Gastgewerbe ist es umgekehrt: Beim Tourismus hat Görlitz die Nase deutlich vorn. Allerdings macht das Gastgewerbe nur einen kleinen Bruchteil des Bautzener Wirtschaftslebens aus.

Das sagt Bautzen dazu

Bautzens Finanzbürgermeister Michael Böhmer (CDU) ist mit der Statistik mehr als zufrieden. „Immerhin haben wir sogar stärker als Dresden zugelegt.“ Vier Gründe sieht er für Bautzens starke Wirtschaft: Die Stadt liegt gut zu erreichen und zentral in Ostsachsen, das Arbeitsplatzangebot sorgt für Tausende Einpendler, die Kaufkraft der Leute ist relativ hoch, der Einzelhandel konzentriert sich in der Oberlausitz vor allem auf Bautzen.

„Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Umsätze im Kredit- und Versicherungsgewerbe“, sagt Böhmer. Sind hier die Zahlen besser, floriert meist auch das Wirtschaftsleben insgesamt. Die Statistik ist eindeutig: Knapp 13Millionen Euro Umsatz in Bautzen stehen nicht einmal drei Millionen in Görlitz gegenüber. Allerdings gilt, dass die Wirtschaftskraft an der Spree auf weniger Betrieben ruht, aber dafür einigen besonders großen.

Das entgegnet Görlitz

Für den Görlitzer OB Joachim Paulick (Wählervereinigung Zur Sache) ist das bescheidene Abschneiden seiner Stadt keine Überraschung. So verfüge Bautzen über eine stärkere Unternehmensstruktur – woran die Görlitzer Kommunalpolitik ihren Anteil habe. „Der Schwerpunkt nach der Wende lag hier neben der Stadtsanierung stärker auf Kultur als auf Wirtschaftsentwicklung“, sagt Paulick. So sei über Jahrzehnte die Bestandspflege und Schaffung von entsprechenden Ansiedlungsbedingungen vernachlässigt worden. „Ich arbeite daran, dies zu verändern.“ Deshalb wurde die Wirtschaftsförderung umstrukturiert. Jetzt ist nicht mehr die Verwaltung, sondern die Europastadt-Gesellschaft dafür verantwortlich, Firmen an die Neiße zu locken. „Allerdings unterliegt Görlitz seit dem EU-Beitritt Polens zunehmend der Konkurrenz polnischer Sonderwirtschaftszonen.“

So sieht die Zukunft aus

Auf den vergleichsweise guten Wirtschaftszahlen darf sich Bautzen nicht ausruhen, sagt Finanzbürgermeister Böhmer. „Die Stadt muss um ihre zentrale Stellung kämpfen.“ Zudem beruht der Vergleich auf den Zahlen von 2008 – danach kam die Finanzkrise. „Die hat bei uns nicht so stark eingeschlagen wie anderswo.“ Doch dem Wachstum dürfte sie einen deutlichen Dämpfer verliehen haben.

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