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Wie die Wirtschaft mit Corona klarkommt

In Freital und Umgebung gibt es einige große Industriebetriebe. Wie gehen Bombastus, die Glashütte und andere mit der Situation um?

Bombastus produziert weiterhin seine Gesundheitstees und Arzneimittelprodukte.
Bombastus produziert weiterhin seine Gesundheitstees und Arzneimittelprodukte. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Corona-Pandemie selbst ist bisher gar nicht das Problem. Aber die politischen Entscheidungen, um die Verbreitung der Krankheit zu bremsen, treffen die Wirtschaft hart. Kitas und Grundschulen dürfen nur noch Kinder betreuen von Eltern, die beide in der sogenannten kritischen Infrastruktur arbeiten. Ein Industriearbeiter beispielsweise, dessen Frau Krankenschwester ist, hat da ein Problem. Denn er muss eigentlich arbeiten, aber er muss auch seine Kinder betreuen. Wie kommen die Firmen damit klar?

In der Wilsdruffer Spedition Wackler läuft der Betrieb weiter. "Der Krankenstand ist nur etwas höher als zu anderen Zeiten", sagt der Leiter Markus Hecker. Bisher sei niemand an Corona erkrankt, es gab auch noch keinen Verdachtsfall. Genauso beschreibt es Hans-Bernhard Führ von der Glashütte in Freital. "Wir arbeiten zwar etwas eingeschränkt, aber die Nachfrage ist ungebrochen." Auch Rohstoffe für die Glasflaschen kommen nach wie vor in Freital an. "Wir halten die Produktion aufrecht." Homeoffice ist  für Industriearbeiter nun mal nicht möglich.

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Spedition: Homeoffice und Arbeitszeitverlegung

Auch für eine Spedition ist Homeoffice schwierig. Aber zumindest für Mitarbeiter mit Büro-Arbeitsplätzen ist das eine Option. "Wir basteln an Homeoffice-Lösungen", sagt Markus Hecker. Die Stimmung bei Wackler sei allerdings anders geworden. "Man spürt, dass etwas in der Luft liegt, die Leute sind bedrückter."  Allerdings wissen sie, dass sie einen wichtigen Beitrag leisten, um große Teile der Bevölkerung mit Waren zu versorgen. Wackler beschäftigt am Standort knapp 240 Mitarbeiter. Dazu kommen noch mal rund 140 Lkw-Fahrer.

Da Wackler als systemrelevantes Unternehmen eingestuft ist, haben knapp 30 Mitarbeiter einen Anspruch auf eine Notfallbetreuung ihrer Kinder in Kitas. Gut 20 davon erhalten diese auch. Für die Restlichen versucht Wackler durch Arbeitszeitverlegung das Weiterarbeiten zu ermöglichen.

Bombastus schließt den Werksverkauf

Ähnlich ist die Lage bei Bombastus in Freital. Der Hersteller von Naturheilmitteln wie beispielsweise Gesundheitstees spürt nach Aussage von Vorstand Joachim Günther die Auswirkungen noch nicht so stark. "Wir merken natürlich, dass der Markt unverhältnismäßig belastet ist", sagt Günther. "Aber Produktion und Versand laufen bisher weiter."

Als Hersteller von Arzneimittelprodukten habe Bombastus auch die Möglichkeit, Bescheinigungen für Mitarbeiter auszustellen, damit diese eine Kinderbetreuung bekommen. "Wir haben eine sowohl altersmäßig als auch mit Männern und Frauen sehr gemischte Belegschaft", sagt Günther. Die älteren Kollegen seien da nicht so betroffen. Mit den Jüngeren finde man Lösungen. Wer nicht in der Produktion tätig sei, könne unter Umständen auch im Homeoffice arbeiten.

Eine Auswirkung spürt aber auch Bombastus. "Wir machen bis auf weiteres keine Vorträge und Führungen mehr in unserem Haus und den Werksverkauf haben wir auch geschlossen." Das sei notwendig, damit nicht von außen eine Infektion hereingetragen werde. "Unsere Produkte wie Mundspülungen mit antiviralen Eigenschaften gibt es zum selben Preis auch in Apotheken", so Günther. Gerade jetzt sei das wichtig.

Pflegedienst bietet eigene Kinderbetreuung an

Mit kreativen Lösungen versucht Nicole Tobias ihren Pflegedienst durch diese Zeit zu bringen. Tobias ist weit über Freital hinaus aktiv mit Standorten in Dresden, Berlin und anderen Städten. "Wir bieten für unsere Mitarbeiter, die das unbedingt brauchen, jetzt eigene Kinderbetreuungsmöglichkeiten an", sagt Nicole Tobias. Das sei dezentral möglich und natürlich getrennt von Patienten. "Wir haben extra Malfarben, Bastelzeug und solche Dinge eingekauft, damit die Kinder was zum Spielen haben."

Zudem funktioniere die Notfallbetreuung der regulären Kitas nach ihrer Einschätzung sehr gut. Und: "Ich kann meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nur loben. Sie ziehen alle super mit, gerade jetzt."

Lkw-Schlangen an der Grenze werden zum Problem

Panik, da sind sich alle einig, sei fehl am Platz. Doch die Auswirkungen werden zunehmen. Auch das sagen alle einhellig. "Wir bekommen zum Teil Rohstoffe aus dem Ausland, das müssen wir mal abwarten, wie sich da die Lieferungen entwickeln", sagt beispielsweise Joachim Günther für Bombastus.

Markus Hecker von der Spedition Wackler sagt: "Grenzkontrollen sind notwendig." Allerdings gebe es bei der Abfertigung erhebliche Probleme, die sich auch bei Wackler zeigen. Die Staus in Richtung Polen werden von Tag zu Tag länger, so Hecker. Sollte sich an der Abfertigung nichts ändern, stehen die Lkws am Freitag bis nach Dresden.

Damit das nicht passiert, müsse die Politik reagieren. Nicht ganz so kompliziert sei die Lage an der für Wackler wichtigen Grenze zur Schweiz. Allerdings gebe es auch da Warteschlangen. Der Inlandsverkehr laufe dagegen ohne Probleme. Ähnlich sei die Lage bei anderen Speditionen, mit denen Wackler in einem Netzwerk zusammenarbeitet.

Zu neuen Problemen könnte es kommen, wenn weitere Geschäfte schließen, so Hecker. Wenn diese Informationen nicht rechtzeitig an die Spediteure weitergegeben würden, bekämen die Lkws vor Ort ihre Waren nicht mehr los.

Gestiegener Kommunikationsbedarf

Beim Wilsdruffer Flugzeugteile-Hersteller PMG läuft der Betrieb fast wie vor der Krise. „Es gibt keine Krankmeldungen außer der Reihe“, sagt Geschäftsführer David Riedrich. Auch die Einstellung des Schul- und Kita-Betriebs konnte man bisher gut abfedern. Von den 75 Mitarbeiter des Unternehmens haben etwa acht Kleinkinder oder jüngere Schulkinder. 

Damit diese Kollegen die Kinder betreuen und trotzdem weiterarbeiten können, biete sein Unternehmen flexible Arbeitszeiten an, so der Geschäftsführer. Das sei der Vorteil einer Firma, die im Drei-Schicht-System arbeitet. 

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Davon profitiere auch er. So am Mittwoch. Bis zum Nachmittag habe er sich um die Kinder gekümmert, danach habe seine Frau diese übernommen. „Dafür werde ich bis 22 Uhr in der Firma sein“, so David Riedrich. Da es keine Lieferengpässe gibt, läuft die Produktion normal. Allerdings ist der Informationsbedarf von Lieferanten und Abnehmern gestiegen. Derzeit müsse mehr kommuniziert werden.

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