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Wirtschafts-Sonne soll leuchten

Ronny Böhme hat eine Vision: Das Rödertal könnte zur Solar-Region werden. Solar-Unternehmen könnten hier Anlagen produzieren, auf den Häuserdächern diese Anlagen dann Strom und Wärme erzeugen. Am Sonntag flog Ronny Böhme nach Israel, um dort Solar-Unternehmen für eine Ansiedlung im Rödertal zu begeistern. SZ sprach zuvor mit ihm.

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Sie fliegen zwei Wochen lang nach Israel und knapsen sich von ihrer Urlaubszeit einige Tage ab, um sich mit Solar-Firmen zu treffen, um sie ins Rödertal zu locken. Warum tun Sie das?

Weil ich denke, dass wir mit der herkömmlichen Energienutzung nicht mehr länger so weitermachen sollten wie bisher. Ändern wir nichts, schaufeln wir unser eigenes Grab. Da ist einfach auch private Initiative gefragt, finde ich.

Und warum ausgerechnet israelische Firmen?

Was viele nicht wissen: Israel ist der weltweit größte Nutzer von Solarwärme. Israel ist ein an Rohstoffen armes Land. Und es gibt dort zahlreiche Firmen, die sich mit der Produktion solcher Anlagen befassen.

Wie viele Firmen besuchen Sie?

Etwa fünf.

Was wollen Sie mit diesen Unternehmen besprechen?

Ich will fragen, ob sie sich überhaupt vorstellen könnten, auch im Ausland Produktionsstätten für Solar-Anlagen aufzubauen. Wenn ja, würde ich anschließend versuchen, Kontakte zu den Wirtschaftsförderern im Rödertal zu knüpfen.

Wie sind Sie auf die doch recht ungewöhnliche Idee gekommen, das Rödertal zur „Solar-Region“ werden zu lassen?

Vor einigen Jahren wollte ich in meiner Heimatgemeinde Schönteichen Bürgermeister werden, war dort mit dem Wunsch angetreten, Schönteichen zur Solarkommune zu machen. Jetzt ist wieder Bürgermeisterwahl, und ich trete erneut mit der Idee der Solarkommune an.

Solarkommune?

Das ist ein Titel für Kommunen, die auf einem der Gemeinde gehörenden Dach eine Solaranlage aufbauen, um dort mit Hilfe von Sonnenenergie Strom zu produzieren.

Und was bringt der Titel?

Zunächst mal nichts. Aber die Solar-Technologie ist eine Technologie der Zukunft. Es wird auch in Deutschland zunehmend interessanter, Sonnenenergie zu nutzen. Und Firmen, die sich mit der Produktion von Solaranlagen befassen, siedeln sich vorrangig dort an, wo man offen für solche Energien ist.

Das heißt, solche Ansiedlungen sind auch mit neuen Arbeitsplätzen verbunden?

Ja. Und niemand sollte das unterschätzen. Wir sprechen da von mittelfristig 100 Jobs pro Firma!

Schönteichen liegt nördlich von Kamenz, wie haben Sie da Ihr Herz fürs Rödertal entdeckt?

Es gibt in Radeberg eine Gruppe von Enthusiasten, die sich mit erneuerbaren Energien befasst: der Verein zur Förderung alternativer Energien und Technologien. Diese Leute treffen sich regelmäßig, und ich gehöre mittlerweile dazu.

Zurück zu Ihrer Reise: Die aktuelle Lage in Israel ist nicht gerade dazu angetan, Israel als ein empfehlenswertes Urlaubsland zu bezeichnen. Bombenterror regiert. Haben Sie keine Angst?

Nein. Die Reise wird von einem Lehrer des Dresdner Dreikönigs-Gymnasiums organisiert, der kennt sich aus, macht das schon seit zehn Jahren. Ich habe volles Vertrauen.

Welche Orte steuern Sie an?

Tel Aviv zum Beispiel, Jerusalem, Ashdod und Jericho. Auch die Golan-Höhen und das Tote Meer.

Die Firmen, die Sie besuchen, liegen an der Reiseroute?

Ich habe die Firmen danach ausgewählt. Ich hatte von der israelischen Botschaft in Deutschland rund 40 Firmen-Adressen bekommen, da konnte ich entsprechend unserer Reiseroute die für mich günstigsten Firmen aussuchen.

Gespräch: Jens Fritzsche