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Wirtschaftsförderung ist Chefsache

Ob Rückkehrertag, Stammtisch oder neue Gewerbegebiete – die Kommunen helfen ihren Firmen in der Region Löbau-Zittau auf vielfältige Weise.

© Luftbildpilot/Harald Anders

Von Jan Lange

Die Zeiten, in denen Gewerbegebiete wie „Pilze aus dem Boden schossen“ und sich eine Firma nach der anderen in der Region Löbau-Zittau ansiedelte, sind lange vorbei. So liegt die letzte Neuansiedlung im Zittauer Gewerbegebiet in der Weinau schon ein paar Jahre zurück. Wachstum gibt es dennoch, vor allem durch Erweiterungen ansässiger Unternehmen. Die fit GmbH in Hirschfelde ist zum Beispiel seit den 1990er Jahren immer wieder ausgebaut worden. Auch von anderen Firmen sind positive Nachrichten zu hören. So eröffnete die Kittlitzer ULT AG erst im Frühjahr einen neuen Bürokomplex. Im Gewerbegebiet Kamerun in Neugersdorf baut die Firma HKM an das vorhandene Werk kräftig an. Und bei Digades in Zittau entsteht aktuell ein neues Fertigungszentrum. Diese Liste lässt sich unendlich fortsetzen.

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Von den Städten und Gemeinden kann diese positive Entwicklung unterstützt werden. Sie tun das in ganz unterschiedlicher Form.

Die SZ zeigt einige Beispiel auf

Zittau: Wirtschaftsförderin ist auch Lotse und Netzwerker

Das Werben um Investoren ist nur eine von vielen Aufgaben der Zittauer Wirtschaftsförderin Gloria Heymann. Sie hilft Unternehmen ebenso bei der Suche nach Flächen für Erweiterungen oder berät über Fördermittel. Bei Genehmigungsverfahren fungiert sie, wenn notwendig, auch als Lotse. Oder sie tritt als Netzwerker auf, vermittelt für Firmen Kontakte zu anderen Institutionen. Zu einer wichtigen Aufgabe hat sich das Fachkräftemarketing entwickelt. So bietet die Stadt mit diversen Veranstaltungen Plattformen für die Suche nach neuen Mitarbeitern. Dazu gehört der Rückkehrertag, der 2017 erstmals im Zittauer Theater stattfand. Unternehmen konnten dort Jobsuchende auf sich aufmerksam machen. Mit Erfolg. So ist auch Sandra Kuhne, nachdem sie beim Rückkehrertag einen neuen Job fand, mit ihrer Familie von Garmisch-Partenkirchen nach Zittau gezogen.

Zu den Veranstaltungen zählt auch die „Spätschicht“, eine Art Tag der offenen Tür. Verschiedene Betriebe in Zittau haben sich im Oktober daran beteiligt und einen Blick hinter die Kulissen gewährt.

Für das ehemalige Kraftwerksgelände in Hirschfelde arbeitet die Stadt seit Längerem an einem Bebauungsplan. Den dort ansässigen Firmen fit und Hirschfelder Greifer- und Stahlbau soll so Planungssicherheit für weitere Investitionen gegeben werden. Der aktuelle Entwurf wurde im Herbst 2017 ausgelegt. „Wir haben eine Reihe von Stellungnahmen erhalten“, erklärt Frau Heymann und fügt hinzu: „Diese machen eine Überarbeitung des Entwurfs und dessen nochmalige Auslegung und Beteiligung notwendig.“ Nach jetziger Einschätzung rechnet sie mit dem Satzungsbeschluss durch den Stadtrat im Januar 2019.

Ostritz: Studie für Industriegebiet wird erst abgelehnt, später doch beauftragt

So weit wie die Stadt Zittau ist Ostritz noch nicht. Das ist auch der eigenen Unentschlossenheit geschuldet. Im Februar 2017 hat der Stadtrat die Erarbeitung einer Studie zum Gewerbe- und Industriegebiet Ostritz-Leuba auf dem früheren Kraftwerksgelände Hagenwerder noch abgelehnt, im April 2018 wurde sie dann doch beauftragt. Zuvor hatte sich die Firma Polyvlies, die in dem Gewerbegebiet ansässig ist, bei der Stadt für die Erarbeitung der Studie eingesetzt. Bisher kann das Unternehmen nur mit Ausnahmegenehmigungen bauen. Die Studie kann die Basis für einen Bebauungsplan für dieses Gebiet sein.

Löbau: Wirtschaftsförderung ist Chefsache

Die Suche nach Investoren und Neuansiedlungen sowie die Begleitung von Vorhaben und die Unterstützung von Unternehmen in der Stadt Löbau sind zur Chefsache des Oberbürgermeisters erklärt worden, wie Pressesprecherin Eva Mentele mitteilt. Die Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Unternehmen ist nach Einschätzung der Stadt gut. So unterstützte die Stadt unter anderem die Firma Palfinger bei der Grundstückssuche für deren Erweiterung. Der Tischlerei Pötschke half die Stadt mit der Änderung der Verkehrsanbindung. Eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs wünscht sich auch Christian Jakschik von der ULT AG im Gewerbegebiet Kittlitz. Die sei derzeit nämlich schlecht.

Aktuell soll ein neues Gewerbegebiet mit einer Fläche von gut 90 Hektar geschaffen werden, wie Löbaus OB Dietmar Buchholz (parteilos) jüngst verkündete. Die Stadt wolle damit auch einen Beitrag leisten, so der Rathauschef, dass junge Leute eine gut bezahlte berufliche Perspektive in der Region haben. Wo genau das Gewerbegebiet entstehen soll und andere konkrete Details wollte Buchholz aber in der Gesprächsrunde noch nicht verraten. Er ließ wissen, dass die Stadt anderthalb Jahre gebraucht habe, um Land dafür anzukaufen.

Großschönau: Grußschinner Betriebsjechn erlebt eine Neuauflage

Ähnlich wie in Zittau gibt es auch in Großschönau eine Plattform, wo sich Unternehmen präsentieren können: das „Grußschinner Betriebsjechn“. Erstmals fand es im März statt. Das Interesse, sich über die Branchenvielfalt im Ort zu informieren, ist so groß gewesen, dass es 2019 eine Neuauflage geben soll, erklären die Organisatoren.

Bernstadt: Unternehmerstammtisch zum engeren Austausch

Die Stadt Bernstadt versucht über den Unternehmerstammtisch in engeren Austausch mit Firmen zu kommen. Hierzu sind laut Bürgermeister Markus Weise (Kemnitzer Liste) alle Branchen eingeladen – vom Handwerk und Handel, über Landwirtschaft bis hin zur Dienstleistungsbranche. Der nächste Stammtisch wird voraussichtlich im September stattfinden. Gleichzeitig bietet die Stadt auf dem Eigen den ortsansässigen Unternehmen die Möglichkeit, sich gemeinsam mit der Stadt auf der Konventa in Löbau zu präsentieren. Die Standgebühr übernimmt dabei die Stadt. Der Rückkehrertag von Zittau und Ebersbach-Neugersdorf könnte, wünscht sich Weise, auf umliegende Orte erweitert oder gar vom Landkreis übernommen werden. Unterstützung auch von überörtlichen Stellen sei immer wichtig, sagt Weise. Sie müsse aber für die Unternehmen wie die Stadt unkompliziert, unbürokratisch und effektiv sein.

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