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Schleichender Tod bei der Magro?

Schon länger geht das Gerücht, die traditionsreiche Maschinenfabrik in Großschönau könnte vor dem Aus stehen. Der Fall liest sich wie ein Wirtschaftskrimi.

In der Großschönauer Maschinenfabrik arbeiten nur noch wenige Mitarbeiter an bestehenden Aufträgen. Ob und wie es weitergeht, wissen sie nicht.
In der Großschönauer Maschinenfabrik arbeiten nur noch wenige Mitarbeiter an bestehenden Aufträgen. Ob und wie es weitergeht, wissen sie nicht. © Matthias Weber/photoweber.de

Manfred Grützmacher kann seine Enttäuschung nur schwer zurückhalten. Der langjährige Geschäftsführer der traditionsreichen Großschönauer Maschinenfabrik, kurz Magro, fühlt sich um sein Lebenswerk gebracht. 

Vor reichlich anderhalb Jahren, im Sommer 2018, hat er seine Firma aus Altersgründen verkauft. "Seitdem geht es dort bergab", sagt der 76-Jährige, der in Großschönau lebt und noch gute Kontakte zu seinen ehemaligen Mitarbeitern hat. Von der seinerzeit noch 34-köpfigen Belegschaft, für deren sichere Zukunft er sorgen wollte, ist inzwischen weit mehr als die Hälfte gekündigt worden oder hat von sich aus gekündigt. So bestätigen es verbliebene Mitarbeiter. "Das meiste Fachpersonal ist weg", sagt Grützmacher.

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Dabei habe er beim Verkauf ein gutes Gefühl gehabt. "Ich war glücklich, dass ich so eine gute Nachfolge organisieren konnte", sagt er. "Es war ja auch die Sächsische Beteiligungsgesellschaft mit im Boot. Da muss man doch annehmen, dass alles verlässlich ist." Doch da hat sich Manfred Grützmacher wohl getäuscht.

Der Unternehmer, der ihm sein Lebenswerk abkauft, heißt Rudolf Keller und kommt aus Unterfranken. Er kauft, gründet eine neue Gesellschaft, streicht den Ortsnamen Großschönau aus der Firmenbezeichnung, nimmt das Logo "Magro" mit ins fränkische Thiersheim, gründet dort zwei neue Gesellschaften mit beschränkter Haftung: die Magro Maschinenfabrik Thiersheim und die Magro Maschinenfabrik Bayern. Zu Manfred Grützmacher bricht er nach dem Kauf den Kontakt ab. "Ich habe für das Großschönauer Werksgelände sogar Zutrittsverbot", sagt Grützmacher. 

"Hier weiß keiner, wie es weitergeht"

Nicht nur der Firmenname, auch Arbeit aus Großschönau geht nach Thiersheim, so bestätigen es Mitarbeiter. Im Moment würde noch ein Auftrag abgearbeitet - Montageteile für Textilmaschinen. Weitere Aufträge gebe es bisher nicht. "Hier weiß keiner, wie es weitergeht", sagt einer der Kollegen. Von Rudolf Keller hätten sie schon seit Mitte Dezember nichts mehr gehört.

Auch für die SZ ist der Geschäftsführer nicht zu erreichen. Er sei gegenwärtig nicht zu sprechen, heißt es vom Standort in Thiersheim. Auch auf eine schriftliche Anfrage antwortet er nicht. Noch Anfang Januar hatte er die Schließungsgerüchte dementiert und per E-Mail mitgeteilt, dass eine Betriebsstilllegung in Großschönau nicht geplant sei.  

In Thiersheim ermittelt die Staatsanwaltschaft

Auch in Thiersheim gibt es eine Vorgeschichte. Hier kauft Rudolf Keller am 31. Dezember 2016 die Günzel Maschinenbau GmbH mit 27 Mitarbeitern. Und auch Geschäftsführer Markus Günzel hat beim Verkauf ein gutes Gefühl. Aber das, sagt der 47-Jährige, sei ziemlich schnell verflogen.

Markus Günzel hat Rudolf Keller mittlerweile wegen Betrugs verklagt. Es geht um eine Summe von 1,5 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Und Günzel ist nicht der einzige, der noch eine Rechnung mit Keller offen hat. Am 17. März verhandelt das Landgericht in Hof in einer Zivilsache gegen Kellers Magro Maschinenfabrik Bayern GmbH. Es geht um Ansprüche in Höhe von 875.000 Euro, so bestätigt es ein Gerichtssprecher. 

Auch in Thiersheim, wo die beiden neuen Magro-Gesellschaften unter derselben Adresse firmieren, scheinen die Geschäfte nicht gut zu laufen. Hinter vorgehaltener Hand ist auch hier von Zahlungsrückständen und Kündigungen die Rede. Auch deshalb befürchten die  Großschönauer, dass sich die Gerüchte vom baldigen Aus ihrer traditionsreichen Maschinenfabrik bewahrheiten könnten.

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Das schmerzt auch Bürgermeister Frank Peuker (SPD). "Die Firma hatte bisher immer einen ausgezeichneten Ruf", sagt er. Rudolf Keller habe aber nie Kontakt zur Gemeinde gesucht, weder vor noch nach dem Kauf. Schon das, sagt Peuker, sei ungewöhnlich für einen Unternehmer, der in einem Dorf einen mittelständischen Dorf einen Betrieb übernimmt.  

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