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Wie die Wismut ihre Nachbarn schützt

Bei der Sanierung des Betriebsgeländes in Königstein wird radioaktives Material abgetragen. Wie groß ist dabei die Umweltbelastung?

Auf dem Betriebsgelände der Wismut in Leupoldishain hat sich viel verändert.
Auf dem Betriebsgelände der Wismut in Leupoldishain hat sich viel verändert. © Daniel Schäfer

Auf dem Wismut-Gelände bei Leupoldishain werden tonnenweise Erdmassen bewegt. Das war schon früher mal so. Doch da kamen sie vom Bergbau aus der Tiefe. Jetzt sind es kontaminierte Böden an der Oberfläche, die saniert werden.

"Etwa die Hälfte des früheren Betriebsgeländes haben wir geschafft", sagt Carsten Wedekind, der Leiter der Sanierung in Königstein. Die Flächen können danach als Grünfläche genutzt werden.

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Die genauen Daten und Mengen, die im Jahr 2019 bewegt, behandelt und saniert wurden, sind im nun veröffentlichten Umweltbericht der Wismut nachzulesen. Dabei spielt auch die Belastung in der unmittelbaren Nachbarschaft eine Rolle.

Wie stark ist die Luft belastet?

Klar ist, dass der zu sanierende Boden des Betriebsgeländes vom ehemaligen Uran-Abbau kontaminiert ist. Das radioaktive Material wird abgetragen und in der Schüsselgrundhalde in unmittelbarer Nähe eingelagert. Die Angleichung des Geländes und damit eine Abdeckung erfolgt mit Boden, der aus Pirna-Pratzschwitz stammt. 

Beim Transport und nach Ablagerung auf der Halde könnten sich radioaktive Staubpartikel mit dem Wind verbreiten. Dem wird entgegengewirkt, indem mit Wasser der Boden feucht gehalten wird. "Auf der Halde ziehen wir auch regelmäßig dünne Abdeckschichten aus unbelasteter Erde auf", erklärt Wedekind.

Messstationen überwachen die Radon-Belastung der Luft. Die gemessenen Jahresmittelwerte lagen 2019 zwischen 12 und 16 Becquerel je Kubikmeter. Direkt im Sanierungsbereich gingen sie auf 25 Becquerel hoch. Das ist die Einheit, in der der radioaktive Zerfall gemessen wird.

Die Werte liegen unter denen, die erlaubt sind. "Auch wenn das Durchschnittswerte sind: Wir haben zu keinem Zeitpunkt Grenzwerte überschritten", sagt Wedekind. Zum Vergleich: Wo es Uran-Vorkommen im Boden gibt, liegt die natürliche Radon-Konzentration zwischen 10 und 15 Becquerel.

Ist das Grundwasser geschützt?

Auch unterirdisch gibt es ein vielschichtiges Monitoring der Wasserqualität in den Grundwasser führenden Schichten in Richtung Elbe. Besonders interessant ist der dritte Grundwasserleiter, also der dritttiefste unter dem Betriebsgelände. Der ist deshalb besonders zu schützen, weil andernorts Wirtschaftsbetriebe über Brunnen daraus Wasser ziehen. 

Die darin gemessene Uran-Konzentration liegt bei 1 bis 30 Mikrogramm je Liter. Das sei die charakteristische Belastung bei Böden rund um Uran-Vorkommen. Damit seien zum einen die Grenzwerte eingehalten. Zum anderen wurden keine Übertritte von Schadstoffen aus dem gefluteten Bergwerk beobachtet, heißt es im Umweltbericht.

Bis Mitte 2019 lief ein Dauerpumptest. Es wurde so viel Wasser abgepumpt, dass sich unterirdisch ein Trichter gebildet hat. Mit Messungen wurde analysiert, ob sich damit Strömungen veränderten. Es konnte keine hydrochemische Beeinflussung des 3. Grundwasserleiters festgestellt werden. "Damit ist klar, dass die Selbstheilungskräfte im Boden stärker sind als wir in unseren Modellen angenommen hatten. Wir planen also sehr konservativ", sagt Wedekind.

Die entstandenen Freiflächen werden begrünt.
Die entstandenen Freiflächen werden begrünt. © Daniel Schäfer

Welche Gebäude wurden abgerissen?

Zwar wird an dem Standort seit 1990 kein Uran mehr abgebaut und die Schächte sind verschlossen und geflutet. Doch mindestens bis 2050 wird dort weiter gearbeitet. Zum einen wird die Sanierung fortgeführt. Zudem muss Flutungswasser aus dem Bergwerk gereinigt werden, bevor es Richtung Elbe fließen darf. Dazu wurden neue, kleinere Aufbereitungsanlagen errichtet. 

Nicht mehr benötigte Bergwerksanlagen werden abgerissen. So fielen im vergangenen Jahr die drei Kernlagerhallen, die Plastewerkstatt und das ehemalige Betonlabor. Dieses Jahr wurden bereits die Werksküche mit großem Speisesaal, das alte Eingangs- und Feuerwehrgebäude, das MED- und Laborgebäude und einige Garagen abgerissen. 

Was passiert mit restlichem Uran?

In der alten Aufbereitungsanlage des Flutungswassers wurde Uran extra abgeschieden. Aus den Millionen Kubikmetern abgepumpten Wassers kamen im Jahr 2019 immerhin 32 Tonnen Uran zusammen. Die wurden "zu einem externen Verwerter geliefert", wie es im Umweltbericht heißt. Dabei handelte es sich um eine tschechische Firma, die das Material aufbereitet. Zum Vergleich: Rund 18.000 Tonnen Uran wurden in 33 Jahren Bergbau gewonnen. 

Inzwischen ist der Uran-Gehalt im Flutungswasser so gering, dass eine Abscheidung nicht mehr nötig ist und sich auch nicht lohnt. Der anfallende Schlamm wird entwässert und auf der Halde eingelagert. 

Die liegt zwar mitten im Landschaftsschutzgebiet Sächsische Schweiz. Die Ablagerung dort nach aktuellem Stand der Technik sei aber besser, als ein Transport der Massen an andere Orte. Die Sondernutzung wurde in einem aufwendigen Planverfahren genehmigt.

Zahlen zur Wismut Königstein

Seit 1990 wurden 6,5 Milliarden Euro für die Sanierung der Wismut-Standorte ausgegeben, 3,1 Milliarden in Sachsen, 3,4 Milliarden in Thüringen.

In Königstein wurden vergangenes Jahr 35.000 Kubikmeter radioaktives Material abgetragen und in der nahe gelegenen Schüsselgrundhalde abgelagert.

Etwa die Hälfte des früheren Betriebsgeländes ist saniert und steht wie geplant als Grünfläche zur Verfügung.

Im Jahr 2019 wurden 2,8 Millionen Kubikmeter Flutungswasser aus dem früheren Bergwerk gefördert und behandelt, sowie 300.000 Kubikmeter Oberflächenwasser.

2,5 Millionen Kubikmeter behandeltes Wasser wurde zur Elbe abgeleitet. Rund 600.000 Kubikmeter wurden in die frühere Bergbau-Grube abgeleitet.

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