merken
PLUS

Pirna

So reinigt die Wismut das Uranwasser

Die neue Wasseraufbereitungsanlage in Königstein ist fertig. In Pandemie-Zeiten erfordert ihr Betrieb besondere Maßnahmen.

Die neue Aufbereitungsanlage des Flutungswassers bei der Wismut in Königstein. Im Hintergrund ist die Festung zu sehen.
Die neue Aufbereitungsanlage des Flutungswassers bei der Wismut in Königstein. Im Hintergrund ist die Festung zu sehen. © Wismut Königstein

Die Wismut in Königstein hat den Schalter umgelegt. Ab sofort fließt das zu reinigende Wasser aus der gefluteten ehemaligen Uran-Bergbaugrube durch die neue Aufbereitungsanlage. Über Tage werden dann durch Zugabe spezieller Chemikalien Schadstoffe aus dem Wasser als schwer lösliche Verbindungen ausgesondert. Nur danach darf es über ein Rohrsystem Richtung Elbe entlassen werden.

Fast geräuschlos plätschert das Wasser durch die Neutralisationslinie und den neuen Hochleistungseindicker. Dabei werden Schwermetalle aus dem Wasser getrennt, insbesondere Mangan und Uran. In der alten Anlage wurde das Uran noch so isoliert, dass es extra entsorgt wurde. Inzwischen ist die Konzentration aber so gering, dass das nicht mehr nötig ist. Der Schlamm, der in der neuen Anlage anfällt, wird auf der Schüsselgrundhalde direkt am Betriebsgelände in Leupoldishain für immer deponiert, erklärt Carsten Wedekind, Bereichsleiter Sanierung bei der Wismut GmbH. Das erfolge alles nach modernstem Standard.

Anzeige
Der perfekte Ort für (D)eine Ausbildung!

Das Autohaus Dresden bildet sowohl kaufmännisch als auch handwerklich aus - und kümmert sich im besonderen Maße um seine Schützlinge.

Warum wird überhaupt das Wasser heraufgepumpt?

Die Bergbaugrube ist längst beräumt und geschlossen. Gern würde die Wismut sie komplett fluten. Darf es aber nicht. Zu ungewiss ist, wie sich das mit Schwermetallen belastete Grubenwasser unterirdisch verteilt, beziehungsweise weiter Richtung Elbe sickert. Deshalb muss die Flutung auf einem Stand von einer Wasserhöhe von maximal 140 Metern über Normalnull gehalten werden. Ein Vollstau wäre bei 200 Metern erreicht. Zum Vergleich: Die Stadt Königstein liegt auf 212 Metern und Leupoldishain auf 292 Metern.

Bevor das Wasser in der Grube zum Fließen kommen würde, wird es aus dem Berg gepumpt. Die Grenze von 140 Metern haben die Behörden übrigens deshalb festgelegt, weil so ein besonders gefährdeter Bereich der Grube trocken bleibt, in dem eine größere Menge an gefährlichen Stoffen vermutet wird.

Weshalb ist eine neue Aufbereitungsanlage nötig?

Das Wasser wird aus 300 Metern Tiefe heraufgepumpt. Bisher wurde bei der Aufbereitung Uran gesondert abgetrennt. Das machte eine sehr große Anlage nötig. Die hat höhere Kosten als die neue verursacht und kommt nach 20 Jahren ans Ende ihrer Lebensdauer.

Ob die Behandlung des Flutungswassers bis in alle Ewigkeit fortgeführt werden muss, ist inzwischen fast eine philosophische Frage. Denn schon vor der Öffnung der Grube war es ja der natürliche Lauf der Dinge, dass Wasser durch das Gestein Richtung Elbe geflossen ist. Wie hoch der Uran-Gehalt zu jener Zeit im Grundwasser war, ist aber nicht belegt.

Einen entscheidenden Unterschied gibt es jedoch. Das Gestein ist nicht mehr in dem Zustand wie vor der Öffnung der Grube. Das Uran wurde in Königstein zum Teil durch chemische Laugung gewonnen. So kamen 55 Millionen Tonnen Gestein mit schwefelsäurehaltiger Lösung in Kontakt. Bei einer ungesteuerten Flutung des Bergwerkes gelangen diese Hinterlassenschaften unkontrolliert in die Grundwasserleiter, heißt es.

Wann wird die alte Anlage abgebaut?

Zwei Jahre lang wurde an der neuen Behandlungsanlage gebaut und ist erst einmal für eine Betriebsdauer von 30 Jahren konzipiert. Die Kosten belaufen sich auf rund zehn Millionen Euro. "Die besondere Herausforderung bestand darin, die erforderlichen Maßnahmen parallel zum laufenden Betrieb der alten Anlage umzusetzen", heißt es von der Wismut. 

Die neue Anlage läuft erst mal bis Ende des Jahres im Probebetrieb. Im Regelbetrieb sollen 250 Kubikmeter Wasser durch die neue Anlage geschickt werden. Der Wismut zufolge entspricht das etwa der Wassermenge, die auf natürlichem Wege unterirdisch in die Grube fließt zuzüglich der Menge des Oberflächenwassers, das etwa bei Regen auf dem Betriebsgelände anfällt.

In der Probephase wird aber auch eine Erhöhung der Wassermenge auf 500 Kubikmeter pro Stunde simuliert. Die Alt-Anlage bleibt in der Zeit in Bereitschaft. Läuft alles planmäßig und liegen sämtliche Genehmigungen vor, geht die neue Anlage Ende dieses Jahres in den regulären Betrieb. Erst dann kann laut Wismut die alte Prozessstufe Uran-Entsorgung abgeschaltet und zurückgebaut werden. Weiter geflutet wird in der Grube aber dennoch nicht. Für die komplette Flutung liegt derzeit noch keine Genehmigung der Behörden vor. 

Was passiert, wenn Bedienpersonal in Quarantäne müsste?

Die Aufbereitungsanlage muss ununterbrochen in Betrieb bleiben. Anders können die Auflagen nach Wasserrecht, Strahlenschutz und Bundesbergrecht nicht erfüllt werden. Deshalb gehört der Betrieb für die Abwasserentsorgung zur kritischen Infrastruktur. Deren Mitarbeiter haben besondere Rechte. 

Beispielsweise können sie, wenn beide Elternteile in einem solchen Betrieb arbeiten - oder bei Alleinerziehenden -, eine Notbetreuung ihrer Kinder in der bisherigen Kita oder Grundschule in Anspruch nehmen. Für sie gelten auch Ausnahmen, sollte es zu allgemeinen Ausgangsbeschränkungen kommen.

Am Standort Königstein beschäftigt die Wismut noch 114 Mitarbeiter. Personal aus der Verwaltung arbeitet zum Teil von zu Hause aus. Betriebsfremde werden nur noch in ganz engem Rahmen aufs Betriebsgelände gelassen, um die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus so gering wie möglich zu halten. Erhöhte Hygiene-Maßnahmen wurden sowieso eingeführt. In der Kaue, in der sich die Mitarbeiter umziehen, wurden die Plätze auseinandergerückt. 

Bei Ehepaaren, die im Betrieb arbeiten, wurde auf Wunsch organisiert, dass sie in verschiedene Schichten eingeteilt werden, um sich zu Hause um die Kinderbetreuung kümmern zu können, erklärte Wedekind. Er könne nur hoffen, dass so immer genügend Mitarbeiter gesund sind.

Uran-Förderung seit 1967

Die geologische Erkundung des Gebietes begann 1961.

Ab 1967 begann die Förderung. 

Auf einem etwas mehr als sieben Quadratkilometer großen Grubenfeld wurden bis 1990 etwa 18.000 Tonnen Uran gewonnen.

In den vergangenen 30 Jahren wurden beispielsweise über die Wasseraufbereitung weitere rund 2.000 Tonnen Uran aus der Grube geholt.

Zum Ende des Bergbaubetriebs 1990 waren bei der Wismut in Königstein etwa 2.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Seit 1990 wurden für die Sanierung der Standorte Königstein und Gittersee mehr als eine Milliarde Euro ausgegeben.

1 / 6

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Sebnitz lesen Sie hier. 

Täglichen kostenlosen Newsletter bestellen.