merken
PLUS Pirna

Wismut will weniger pumpen und mehr fluten

Der ehemalige Uran-Standort bei Königstein wird umgebaut. Alte Gebäude werden abgerissen und eine Halde abgedichtet.

Das Gelände der Wismut in Königstein wird sich in den nächsten Jahren weiter verändern – durch Abriss.
Das Gelände der Wismut in Königstein wird sich in den nächsten Jahren weiter verändern – durch Abriss. © Daniel Schäfer

Der Rückbau des Industriestandortes der Wismut im Königsteiner Ortsteil Leupoldishain geht weiter. Das geht es aus dem Umweltbericht für 2018 hervor, der kürzlich vorgelegt wurde. Darin zieht die Wismut GmbH eine Jahresbilanz und sagt, was auf dem Gelände in den nächsten Jahren geplant ist.

Aufbereitungsanlage für Flutungswasser wird umgebaut

Seit Mitte 2018 wird die Aufbereitungsanlage für das Flutungswasser umgebaut. Weil die Konzentration von Uran und anderen Schadstoffen im Wasser in den vergangene zwei Jahrzehnten deutlich abgenommen hat, ist nur noch eine kleinere Anlage notwendig. Die überdimensionierte Alt-Anlage für die Wasseraufbereitung soll perspektivisch beseitigt werden. Im vergangenen Jahr wurden bereits nicht mehr benötigte Rohrleitungen abgerissen. Die neue Anlage kostet rund 9,3 Millionen Euro und soll im nächsten Jahr in Betrieb gehen.

Der Umbau findet bei laufendem Betrieb statt. Das Wasser aus der zu zwei Dritteln gefluteten Grube wird über zwei 300 Meter tiefe Förderbohrlöcher zu Tage gebracht. Hier wird es in einer Aufbereitungsanlage gereinigt und dann in die Elbe abgegeben. Mit Kalk wird der pH-Wert angehoben und mit Zugabe spezieller Chemikalien werden Schadstoffe aus dem Wasser als schwer lösliche Verbindungen ausgesondert. Im vergangenen Jahr wurden laut Umweltbericht 2,9 Millionen Kubikmeter Flutungswasser gefördert und behandelt. Da 2018 außergewöhnlich trocken war, musste in der Anlage weniger Wasser aufbereitet werden, als im Vorjahr.

In Leupoldishain soll nicht ewig Wasser aus der Grube gepumpt werden. Der Wasserstand soll nach und nach angehoben werden. Im vergangenen Jahr wurde getestet, was bei einem Anstieg von zehn Metern passiert. Auch dieses Jahr sind weitere Tests und Untersuchungen dazu geplant. Laut Umweltbericht gab es bisher keine negativen Auffälligkeiten. Viele Daten müssen aber noch ausgewertet werden. Die Wismut verfolgt das Ziel, die Grube bis zum natürlichen Einstauniveau zu fluten. Im Moment wird der Wasserpegel bei unter 140 Meter über Normalnull (NN) gehalten. Ohne Pumpen würde das kontaminierte Wasser auf 190 Meter über NN steigen.

Schlüsselgrundhalde wird abgedichtet

Wichtige Bauarbeiten betreffen auch die Schlüsselgrundhalde. Hier werden radioaktives Material, das bei der Sanierung anfällt, sowie der mit Schadstoffen belastete Schlamm von der Aufbereitungsanlage des Flutungswassers deponiert. Das Deponieren ist ein komplexes technisches Verfahren. Der Schlamm wird zum Beispiel in einem bestimmten Verhältnis mit Zuschlagstoffen zu einer stabilen Masse vermischt. Regelmäßig werden extra Schichten mit Mineralstoffen aufgebracht, um eine Verstaubung zu vermeiden. Derzeit wird an der Halde gebaut. Die Zufahrt wurde saniert. Die Halde hat zudem eine Abdeckung bekommen. Über einer Art Folie wurde eine ein Meter hohe Schicht aufgetragen. Dabei handelt es sich um Material aus dem Steinbruch Friedrichswalde/Ottendorf. An der Zufahrt zur Halde wird außerdem ein Waschplatz für Lkw entstehen. Dieser soll verhindern, dass radioaktives Material im Schmutz verschleppt wird.

Neues Funktionalgebäude wurde eingeweiht

Nach reichlich einem Jahr Bauzeit wurde im Juni letzten Jahres ein neues Funktionalgebäude eingeweiht. In dem Trakt sind neben Büros ein Labor und die Leitstelle der Aufbereitungsanlage für das Flutungswasser untergebracht. Die Wismut hat damit alle wichtigen Funktionen an einem Standort vereint.

Lager mit Bohrkernen wird aufgelöst und abgerissen

In Leupoldishain lagerten rund 8 000 Kirsten mit Bohrkernen, die aus den 1960er und 1990er-Jahren stammen. In drei Hallen wurden die Gesteinsproben aufbewahrt. Das ist jedoch keine Dauerlösung. Es wurde eine wirtschaftlichere Lösung gesucht. Der Bestand wurde 2018 aufgeteilt. Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie übernahm den Großteil der Bohrkerne. Ein kleiner Teil ging an die TU in Freiberg, zu den Senckenberg naturhistorischen Sammlungen nach Dresden und den städtischen Sammlungen Freital. Etwa 1400 Kisten bleiben in Leupoldishain. Sie werden hier archiviert. Knapp drei Viertel des Bestandes konnten dadurch für wissenschaftliche Zwecke gesichert werden. Wo einst die Kernlagerhalle und Baracken standen, ist inzwischen eine freie Fläche entstanden.

1 / 4
Anzeige
Gut vorbereitet in die Ausbildung
Gut vorbereitet in die Ausbildung

Mit einem dreitägigen Kurs bereitet njumii – das Bildungszentrum des Handwerks branchenübergreifend Azubis auf den Ausbildungsbeginn vor.

Mehr zum Thema Pirna