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Hoyerswerda

Wittichenauer feiern ihr Wittichenauer

Mit der Einweihung des neuen Sudhauses wurde die größte Investition der Stadtbrauerei der letzten 30 Jahre beendet.

Nach den feierlichen Worten zur Einweihung der neuen Brauereitechnik weihte Pfarrer Roland Elsner das neue Sudhaus. Rechts neben ihm Brauerei-Geschäftsführer Stefan Glaab.
Nach den feierlichen Worten zur Einweihung der neuen Brauereitechnik weihte Pfarrer Roland Elsner das neue Sudhaus. Rechts neben ihm Brauerei-Geschäftsführer Stefan Glaab. © Foto: Gernot Menzel

Wittichenau. Der Stolz war Stefan Glaab anzusehen. Nicht jeder Brauereigeneration ist es vergönnt, ein neues Sudhaus einzuweihen. Gestern war es in Wittichenau so weit. Nach mehrmonatigem Umbau konnte die aufwendigste Investition der vergangenen 30 Jahre gefeiert werden. Und zahlreiche Gäste kamen. Ein langgehegter Traum ist Wirklichkeit geworden, sagte der Chef des Familienunternehmens. „Das Herz unserer Brauerei wurde verjüngt und strahlt in neuem Glanz.“

Ein Sudhaus ist der entscheidende Teil einer jeden Brauerei. Hier wird die Würze gemacht. Das alte Sudhaus, zuletzt erneuert 1957 und 1990 dem technologischen Stand angepasst, war in die Jahre gekommen. Mit der Förderung durch die Sächsische Aufbaubank konnte im Winter 2017 der erste Bauabschnitt der 1,2-Millionen-Investition angegangen werden. Das Malzlager wurde innerhalb von acht Wochen erneuert. In dieser Zeit konnte nicht gebraut werden – ein Test, was in diesem Frühjahr bevorstand.

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Einbau war Filigranarbeit

Anfang Februar wurde das alte Sudhaus entkernt, und innerhalb von vier Wochen von der Grundplatte bis zur Decke saniert. Der Großteil der neuen Technik wurde Anfang April durch die Firma Kasper Schulz aus Bamberg angeliefert – der ältesten Brauereimaschinenfabrik der Welt. Der Einbau der Kessel, Gestänge und des sonstigen Zubehörs auf engstem Raum war eine Filigranarbeit. Bis zu 15 Handwerker waren täglich vier Wochen beschäftigt. Das Sudhaus misst nur 60 Quadratmeter. „Das bekommt man nicht serienmäßig von der Stange“, sagte gestern Dieter Pollok, Vertriebsleiter der Firma Schulz. Zuvor war die Anlage komplett in Bamberg aufgebaut gewesen, um zu sehen, ob alles passt. Stefan Glaab räumte gestern ein, manch schlaflose Nacht gehabt zu haben. „Ein großer Dank geht an meinen Bruder Johannes und alle unsere Mitarbeiter, die während der Bauarbeiten für einen reibungslosen Produktionsablauf sorgten, damit unsere Kunden von einer Durststrecke verschont blieben.“ War Wittichenau in den letzten 663 Jahren (mit Braurecht) schon einmal so lange ohne funktionierendes Sudhaus? „Ich glaube nicht“, sagte Stefan Glaab. Die Bierbrauer haben nun drei kleinere Kessel und damit mehr als vorher. So kann schon ein neuer Sud angesetzt werden, obwohl der alte noch nicht fertig ist. So kann man flexibler reagieren und auch über neue Sorten bzw. Spezialbiere nachdenken. Zudem werden rund 40 Prozent Wärmeenergie eingespart. Der Betrieb kann mit einer der modernsten Sudanlagen der Welt brauen, freute sich der Geschäftsführer – technologisch, energetisch als auch wirtschaftlich.

Auch Bürgermeister Markus Posch gratulierte gestern. „Ich möchte Euch beglückwünschen für den Mut, eine solche Investition vorzunehmen.“ Die Brauerei sei ein Aushängeschild für Wittichenau, auch als Sponsor und Unterstützer für zahlreiche Vereine in der Stadt. Der Bürgermeister startete gestern offiziell den ersten offiziellen Sud – natürlich per Computertechnik. Zuvor hatte Pfarrer Roland Elsner die Kessel mit dem Weihwasser eingesegnet.

2020 stehen Jubiläen an

So wurde gestern lange im Brauereihof gefeiert. Im Hof war ein Teil des alten Kupferkessels zu sehen, der Jahrzehnte ihren Dienst verrichtet hat. Eine Idee wäre, es als Dach für einen Biertisch einzusetzen.

Gefeiert wird in Wittichenau bald wieder. Im September steht das traditionelle Brauereifest an. Nächstes Jahr ist die Brauerei wieder genau 30 Jahre im Besitz der Familie, der sie 1972 enteignet worden war. Eduard Glaab hatte sie einst 1940 gekauft. Das ist nächstes Jahr 80 Jahre her.

Das Bier aus dem neuen Sudhaus schmeckt übrigens genauso wie bisher. Das ist Sache der erfahrenen Braumeister. An den Zutaten und dem Mischungsverhältnis hat sich nichts geändert.

Über modernste Steuerungs- und Überwachungstechnik verfügt das Sudhaus. Die komplette Neugestaltung wird sicher künftig bei den traditionellen Führungen zu Festen für großen Besucherzuspruch sorgen.
Über modernste Steuerungs- und Überwachungstechnik verfügt das Sudhaus. Die komplette Neugestaltung wird sicher künftig bei den traditionellen Führungen zu Festen für großen Besucherzuspruch sorgen. © Foto: Gernot Menzel

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