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Rückschlag für Görlitzer Einkaufsmeile

WMF schließt seine Filiale auf der Berliner Straße. Dort stehen immer mehr Geschäfte leer.

Bei WMF gehen 2021 die Lichter aus - ein weiterer leerer Laden in der Innenstadt droht.
Bei WMF gehen 2021 die Lichter aus - ein weiterer leerer Laden in der Innenstadt droht. © André Schulze

Die großen Prozent-Schilder an den Schaufensterscheiben sind nicht zu übersehen. "Wir schließen" steht darunter - die WMF-Filiale an der Berliner Straße macht dicht.  Seit 1993 gibt es das Geschäft der Württembergischen Metallwarenfabrik in Görlitz. Damals war das Haus, Berliner Straße 57, gerade frisch saniert worden. Neben WMF zog im selben Jahr McPaper ein.

Schließung war bereits 2013 Thema

Nun das Aus für die WMF-Filiale. Es ist nicht das erste Mal, dass  eine Schließung im Raum steht. Bereits 2013, als sich das Unternehmen von unrentablen Filialen trennen wollte, stand im Raum, ob auch die Görlitzer dazugehört. Offensichtlich nicht, bis jetzt.

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Denn am 31. Januar 2021 läuft der Mietvertrag in Görlitz aus und werde nicht verlängert, bestätigt die WMF-Unternehmenskommunikation. "Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass wir laufend jeden einzelnen Standort unseres umfangreichen Filialnetzwerks hinsichtlich der Kundennachfrage sowie der jeweiligen Wirtschaftlichkeit prüfen", teilt das Unternehmen mit. Nähere Details gibt es allerdings nicht. Gerüchteweise heißt es, dass die Filialleiterin in den Ruhestand geht, ein etwaiger Nachfolger aber von WMF eine Absage erhielt.

Kein weiteres Niedrigpreis-Angebot in der Innenstadt

WMF ist vor allem für hochwertige Besteck- und Kochgeschirrproduktionen bekannt. "Die Schließung ist ein herber Verlust", sagt Frank Reimann vom Aktionsring Görlitz. Das Sortiment in der Innenstadt werde damit wieder eingeschränkt. Er hoffe, dass das hochwertige nicht mit einem Niedrigpreis-Angebot  ersetzt werde. "Das sollte gerade in der Innenstadt nicht passieren", so Frank Reimann.

Inzwischen gibt es damit mehrere Geschäfte auf der Berliner Straße, die leer stehen beziehungsweise dieses Schicksal in absehbarer Zeit teilen werden. Frank Reimann sieht dafür mehrere Gründe. Die eher geringe Kaufkraft in der Region ist einer davon. Gerade Geschäfte mit hochwertigen und damit teuren Waren hätten es schwer. "Die Innenstadt bietet zudem nicht genügend Attraktivität", kritisiert Frank Reimann. Der Aktionsring habe seit Jahren gekämpft. Ja, es sei viel gemacht worden in den vergangenen Jahren, sagt er. "Aber nehmen Sie den Postplatz: Ja, im inneren Teil auf den Bänken sitzt es sich schön. Aber was ist mit dem äußeren Teil? Da fehlt das quirlige Leben, da fehlen Freisitze sagt Frank Reimann.

Kein gutes Zeichen für die Stadt

Kritik über er zudem an der Verkehrsführung. "Als Fußgänger muss man aufpassen, dass man nicht von einem Auto oder von der Straßenbahn beim Weg auf den Postplatz angefahren wird", so der Mann vom Aktionsring. Man hätte sich von vornherein etwas überlegen müssen, findet er. 

Von einem Verlust für die Innenstadt spricht auch Tobias Heid von der neuen City-Initiative und Manager der Straßburg-Passage. "Es ist für eine Stadt kein gutes Zeichen, wenn ein Geschäft an der Haupteinkaufsstraße schließt", sagt er.  "Es ist einfach schade", so Tobias Heid.

Dass nun mehrere Geschäfte vom Leerstand auf der unteren Berliner Straße betroffen sind, dafür sieht er unter anderem die "schwierige Größe" manches Ladens als Grund. "Filialisten kommen mit vorgefertigten Konzepten. Sie gehen dahin, wo es passt. Wenn Punkte daraus nicht passen, ist der Laden raus", schildert er. Fußläufig erreichbar, Fläche von bis, barrierefrei, Entfernung zum Parkplatz - Punkte, die Filialisten auf der Liste haben. "Aber natürlich muss ja nicht zwangsläufig eine Kette in ein Geschäft einziehen", sagt Tobias Heid. 

Leerstand darf nicht zu lange dauern

"Jeder Händler, der zu macht, ist einer zu viel", sagt die neue City-Managerin Ilona Markert. Als Stadt müsse man schauen, wie man sich so attraktiv gibt, damit neue Geschäfte einziehen. "In Innenstädten ist es aber häufig so, das es zwischenzeitlich zu Leerstand kommt. Er darf nur nicht zu lange dauern", sagt Ilona Markert. 

Andrea Behr, Geschäftsführerin der Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH sagt aber auch: "Es gibt sicherlich vielfältige Gründe für die Schließung von WMF." Möglicherweise sei ja auch Corona noch ein Stein des Anstoßes gewesen. Auch schließt sie weitere Schließungen als Folge der Pandemie nicht aus.  "Welche Auswirkungen die aktuelle Situation hat, wird sich wohl erst im Herbst zeigen", so Andra Behr.

Die EGZ bemühe sich jedenfalls, leer stehende Flächen, so sie von den Eigentümern gemeldet werden, wieder an den Mann oder die Frau zu bringen. "Es ist ja nicht so, dass wir keine Anfragen haben, es kommen immer wieder welche rein, von deutschlandweit agierenden Bioläden bis zu Physiotherapien", schildert Frau Behr.

WMF verweist auf Porta und Online-Shop

Bei WMF sieht man die Schließung in der Görlitzer Innenstadt derweil offensichtlich pragmatisch. Kunden könnten die Waren ja über den Online-Shop oder beim Möbelhaus Porta in Görlitz kaufen, heißt es  aus dem Stammsitz in Geislingen.

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