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Wo auch Männer gern gesehen sind

Das Bündnis „Hoyerswerda hilft mit Herz“ bietet jetzt Runden an, bei denen die deutsche Sprache im Mittelpunkt steht.

Am Mittwoch im King-Haus ins
Gespräch kamen unter anderem
Petra Heine (re.) und Hanifa Kunes.
Am Mittwoch im King-Haus ins Gespräch kamen unter anderem Petra Heine (re.) und Hanifa Kunes. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Was ist typisch deutsch? Miriam Mohammad hat erst einmal Schwierigkeiten mit dem Wort „typisch“. Sie sitzt am Mittwochabend dieser Woche in Hoyerswerdas Martin-Luther-King-Haus und lässt es sich erklären. „Deutsche sind fast immer pünktlich“, stellt Hanifa Kunes fest und Khabat Ibo sagt: „Sie sind sehr ehrlich, was oft gut ist, manchmal aber auch etwas verletzend sein kann.“ Walid Zouaoui bezweifelt dagegen, dass es irgendeine Sache gibt, die ausschließlich einer einzigen Ethnie zugeordnet werden kann. Die Runde im King-Haus ist ein Angebot des Bürgerbündnisses „Hoyerswerda hilft mit Herz“.

Im Juni gab es den Auftakt zu „Miteinander reden“. Die Resonanz, sagt Bündnis-Koordinatorin Birgit Radeck, sei recht gut gewesen. Die Idee ist, das Gespräch in deutscher Sprache in den Mittelpunkt zu stellen. Migranten sitzen also mit Bündnis-Mitgliedern und anderen Interessenten zusammen und tun, was das Motto der Reihe sagt: Sie reden. Birgit Radeck gibt dafür grob die Themen vor. Hanifa Kunes, die aus dem syrischen Aleppo stammt, freut sich über das Angebot: „Im Alltag sprechen wir ja miteinander doch eher arabisch oder kurdisch.“ Zwar gibt es nun schon seit fünf Jahren die „Begegnungscafés“. Doch das sind eher kleine Familienfeste – zwar mit Möglichkeiten für Kontakte, aber begrenzten Gelegenheiten zu intensiverer Konversation. Bei „Miteinander reden“ dagegen, sagt Birgit Radeck, müssen Kinder zu Hause bleiben. Sie gehen ohnehin in Kindergarten oder Schule selbstverständlicher mit der deutschen Sprache um.

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Neben den „Begegnungscafés“, die alle sechs bis acht Wochen an unterschiedlichen Orten stattfinden und im Durchschnitt um die 120 Menschen zusammenführen, gibt es zudem einmal im Monat für Migrantinnen im Jugendclubhaus Ossi den Frauenbrunch – mit entsprechenden Themen von der Mode bis hin zu Traditionen der Ehe-Anbahnung. Auch Susanne Kirsch vom Gesundheitsamt der Kreisverwaltung war schon zu Gast, um über Verhütungsmethoden zu sprechen. Aber: Männer sind dabei eben nicht zugelassen. Willkommen dagegen sind sie bei „Miteinander reden“, dessen zweite Auflage es am Mittwoch im King-Haus gab. Birgit Radeck wollte dabei nicht nur wissen, was die anderen Gäste des Abends für typisch deutsch halten. Es ging auch um die bisher schönsten Erlebnisse des Jahres 2019 oder um Wünsche für die Zukunft. Miriam Mohammad zum Beispiel will unbedingt ihre Deutsch-Prüfung auf B-2-Sprachniveau schaffen, nachdem sie ein Jahr auf den entsprechenden Kurs gewartet hat. Und Khabat Ibo hofft, dass er seine Ausbildung zum Büro-Kaufmann erfolgreich absolvieren kann, die er dieser Tage bei der Arbeiterwohlfahrt beginnt.

Geradezu lebhaft war die Diskussion aber zu einem anderen Thema: „Was ist Ihr Lieblingsessen?“. Die Antwort der aus Indien stammenden Priyanka Patel: „Scharf, scharf, scharf!“ Und dann musste sie den anderen erklären, wie sie Hühnchen-Chili zubereitet. Walid Zouaoui schloss sich mit einem Rezept für tunesischen Couscous an. Er mag allerdings auch Spaghetti sehr gern. Und schließlich beschrieb Petra Heine, was genau die Ungarn unter Letscho verstehen. Manche Leute halten das Paprika-Gericht ja angeblich für typisch ostdeutsch.

Zum nächsten „Begegnungscafé“ wird für Mittwoch, den 14. August ins Bürgerzentrum Braugasse 1 eingeladen. Beginn ist um 15 Uhr.

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