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Wo aus Rostlauben Schmuckstücke werden

IIn Bischofswerda möbeln Spezialisten alte Autos auf. Das erfordert solides Handwerk, Organisationstalent und Liebe zur Friemelei.

Bis zu zwei Jahre dauert es, um so einen Mercedes von Grund auf neu aufzubauen. In einer Werkstatt in Bischofswerda arbeiten die Spezialisten dafür, wie Roberto, der das Schmuckstück auf Hochglanz poliert.
Bis zu zwei Jahre dauert es, um so einen Mercedes von Grund auf neu aufzubauen. In einer Werkstatt in Bischofswerda arbeiten die Spezialisten dafür, wie Roberto, der das Schmuckstück auf Hochglanz poliert. © Foto: SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Feuerwehrrot spiegelt sich der Mercedes in der Sonne. Ein Prachtstück. Weiches warmes Leder, glänzendes Chrom, funkelnder Lack. Eine gelungene Replik  des legendären  Rennsport-Mercedes , auch die Rote Sau genannt.

Kein Vergleich mit der Rostlaube, die der Besitzer seinerzeit nach Bischofswerda gab. Die Werkstatt von Kai Drowatzky macht schrottreife Oldtimer wieder fit. Die lassen sich nicht mithilfe des Computers reparieren. Dafür braucht es Handwerk und jede Menge Erfahrung.  

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Genügend Platz fürs Restaurieren

Seit sechs Jahren restauriert der Radeberger in einer 500 Quadratmeter großen Halle im Bischofswerdaer Max-Aicher-Gelände Autos. Vorher hatte Kai Drowatzky verschiedene Werkstätten in Dresden und Radeberg. In Bischofswerda wurde er mit seinem Betrieb schließlich sesshaft. Denn dort ist genügend Platz. 

Drowatzky und sein Team bauen in erster Linie Fahrzeuge aus den 1950er- bis 70er-Jahren wieder auf. Originalgetreu und mit ganz viel Liebe zum Detail. „Oldtimer aus der Vorkriegszeit kommen eher selten rein, haben wir aber auch schon gemacht“, erzählt der 49-jährige Unternehmer, der den Beruf des Kfz-Technikers von der Pike auf gelernt und auch einen Meisterbrief in der Tasche hat. 

Die zwei Handvoll Rostlauben, die in verschiedenen Stadien der Restauration in der Werkstatt stehen, lassen so manches Herz höher schlagen: Neben alten BMW warten historische Mercedes-Modelle auf ihre Verjüngungskur. Auch ein Aston Martin reiht sich ein. Geschraubt wird aber nicht nur an einem Auto. „Wir haben immer mehrere parallel in Arbeit.“

Liebe zur Friemelei

In seine Selbstständigkeit startete Kai Drowatzky vor reichlich 20 Jahren mit einer freien Autoreparaturwerkstatt. An Oldies bastelte er schon immer gern herum. Irgendwann reifte dann der Gedanke, das Hobby zum Beruf zu machen. Denn mit der Restauration habe er eine Nische gefunden, die „interessanter ist als das normale Werkstatt-Geschäft“, erklärt der Unternehmer.

Solcherart Spezialisten sind nicht reich gesät. Bei der Oldtimer-Restauration sei nicht nur solides Handwerk sondern vor allem Liebe zur Friemelei gefragt. Und man müsse organisieren können. Zum Beispiel Ersatzteile, die längst nicht mehr produziert werden. Wo er die herbekommt? „Internet“, lautet die lakonische Antwort des wortkargen Firmenchefs. Reden schwingen ist nicht sein Ding, er schraubt viel lieber. Allerdings kommt er nur noch dazu, wenn ihm der Papierkram dafür Luft lässt. Was nicht mehr zu beschaffen ist, fertigen die vier Spezialisten letztlich selbst an. Das sei aufwendig, aber auch faszinierend.  

Vergammelte Karossen landen oft auf dem Schrottplatz. Oder bei Kai Drowatzky. Er schlachtet sie in seiner Werkstatt in Bischofswerda aber nicht aus, sondern haucht ihnen neues Leben ein.
Vergammelte Karossen landen oft auf dem Schrottplatz. Oder bei Kai Drowatzky. Er schlachtet sie in seiner Werkstatt in Bischofswerda aber nicht aus, sondern haucht ihnen neues Leben ein. © Foto: SZ/Uwe Soeder

Die Bischofswerdaer Schrauber erfüllen auch individuelle Wünsche. Selbst sehr spezielle. So brachte ein Kunde einen schrottreifen BMW 2002 tii und dazu ein 1:18 Modellauto im Rennsport-Design. Genauso sollte sein Liebhaberstück am Ende aussehen. Und so sah es dann auch aus. 

Nicht immer wird komplett neu aufgebaut. „Jeder hat unterschiedliche Vorstellungen von seinem und für sein Auto.“ Und alle haben unterschiedliche Budgets. Denn natürlich habe das Ganze seinen Preis. "Aber unsere Kunden wissen es zu schätzen, dass wir in der Lage sind, ein Fahrzeug wieder so herzustellen, wie es zur Zeit seiner Erstzulassung war“, sagt der Unternehmer. Das habe letztlich nicht nur etwas mit Liebhaberei zu tun, sondern auch mit Bewahren. Denn Oldtimer sind ein Stück Zeitgeschichte und damit auch Kulturgut.

Komplettsanierung ist aufwendig

Ein Komplettaufbau sei ungemein aufwendig. Bis zu zwei Jahre können ins Land gehen, bevor eine Kfz-Ruine wieder wie neu aussieht. Da wird jedes Teil in die Hand genommen, bis zur letzten Schraube. All das dokumentieren die Restauratoren mit unzähligen Fotos. 

Würde man die historischen Autos, die durch die fachkundigen Hände von Kai Drowatzkys Team gingen, nebeneinander stellen, käme eine stattliche Reihe zusammen. Es sind über 500 Fahrzeuge, darunter etwa 30 Vollrestaurationen. 

Nicht nur Oldtimer-Liebhaber aus ganz Deutschland vertrauen dem Team ihre Fahrzeuge an, das blecherne Patienten, die nicht mehr fahrbereit sind, auch abholt. Selbst ausländische Fahrzeugbesitzer, beispielsweise aus der Schweiz, Holland oder Österreich, lassen ihre Schätzchen in Bischofswerda aufmöbeln. Kein Wunder: Drowatzys Händchen für Oldtimer hat sich längst herumgesprochen.

Einen eigenen Oldtimer besitzt der Radeberger allerdings nicht. Wozu auch. „Ich hab sie ja jeden Tag um mich herum.“

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