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Wo Azubis verzweifelt gesucht werden

Im Landkreis Görlitz suchen Unternehmen nach Lehrlingen. Es werden weniger Ausbildungsverträge unterzeichnet.

Traumjob gefunden: Claudia Müller (Mitte) – mit ihrer Ausbilderin Claudia Hofrath (rechts)– geht ins dritte Lehrjahr bei der Volksbank-Raiffeisenbank Niederschlesien in Görlitz.
Traumjob gefunden: Claudia Müller (Mitte) – mit ihrer Ausbilderin Claudia Hofrath (rechts)– geht ins dritte Lehrjahr bei der Volksbank-Raiffeisenbank Niederschlesien in Görlitz. © privat

Dass seine Lehrstellen offen bleiben, ist für Mike Schulze von Bürgel und Schulze aus Markersdorf längst nichts Neues mehr. Stets auf der Suche nach neuen Auszubildenden, bietet das Unternehmen Ferienjobs und Praktika an, um junge Leute vom Beruf des Anlagenmechatronikers zu begeistern. Dennoch: Es wird immer schwieriger, neue Lehrlinge zu finden. Die zurückgehendende Bewerberzahl und die letztlich unbesetzten Lehrstellen begründet Mike Schulze zum Teil damit, dass Anlagenmechatroniker weniger attraktiv sei als etwa Kfz-Mechatroniker.

Die Industrie- und Handelskammer in Dresden (IHK) bestätigt das, was Unternehmer wie Mike Schulze beobachten: Es werden weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen. Zum Start ins neue Ausbildungsjahr am 1. August waren es im Landkreis Görlitz 390 Verträge. Das sind acht Prozent oder aber 35 Verträge weniger als im Vorjahr, berichtet Lars Fiehler von der IHK. 64 Ausbildungsplätze in 62 Unternehmen sind aktuell offen. Man findet sie in der Lehrstellenbörse der IHK. Zum Vergleich: Die drei sächsischen Industrie- und Handelskammern Chemnitz, Dresden und Leipzig konnten mit insgesamt 8 854 abgeschlossenen Berufsausbildungsverträgen leicht zulegen.

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Besonders dringend werden Auszubildende in Unternehmen im Dreiländereck und im Raum Zittau gesucht. Dabei reichen die Angebote von der Metall- über die Elektrobranche, Stellen in Verwaltung, Hotels und Handel bis hin zur Textil- und Baubranche. Obwohl es auch hier noch freie Stellen gibt, standen Handelsberufe dieses Jahr ganz oben in der Gunst der Schulabgänger. 87 Jugendliche entschieden sich für eine Ausbildung in diesem Bereich. Darauf folgen kaufmännischen Berufe (50) sowie Berufe der Hotellerie und Gastronomie (21).

Auch Claudia Hofrath von der Volksbank Raiffeisenbank in Görlitz bestätigt, dass es schwer geworden ist, gute Auszubildende zu finden. Zum einen gibt es inzwischen deutlich weniger Bewerber für freie Stellen als noch vor fünf bis zehn Jahren und zum andern sei zusätzlich die Qualität der Bewerber gesunken. Das liege nicht unbedingt an schlechteren schulischen Leistungen, sondern an der Einstellung der zukünftigen Lehrlinge.

Sechs Azubis bei Porta

Eine von aktuell neun Auszubildenden bei der Volksbank ist Claudia Müller. Dass sie einen Beruf im Bankwesen ergreifen will, wusste sie schon ganz zeitig. So besuchte sie seit der siebenten Klasse regelmäßig den Stand der Volksbank Raiffeisenbank auf der Ausbildungsmesse Insidertreff. Heute absolviert sie ihr drittes Lehrjahr und ist nun nicht mehr vor, sondern hinter dem Messestand zu finden. Jetzt kann sie weitergeben, was sie vor ein paar Jahren selbst sehr zu schätzen gewusst hat - die Mühe des Unternehmens, den Einstieg für die Lehrlinge so einfach wie möglich zu gestalten. Vor Beginn ihrer Lehre erhielt sie zahlreiche Infobroschüren und sogenannte Knigge-Hefte, die ihr einen ersten Blick ins Berufsleben geben sollten.

Etwa 150 regionale Unternehmen stellen sich den Schülern jedes Jahr auf der Ausbildungsmesse Insidertreff in Löbau vor. Beliebt ist die Messe auf beiden Seiten, der Andrang immer groß. Schließlich können sich beide Seiten beschnuppern und einen ersten Eindruck davon gewinnen, was passen könnte.

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SZ-Redakteurin Daniela Pfeiffer schreibt über die Lehrstellen- Situation im Landkreis Görlitz.

Über zu wenig Bewerbungen kann sich Torsten Zieschank, Verwaltungsleiter und Lehrlingsausbilder vom Görlitzer Einrichtungshaus Porta, nicht beschweren. Die sechs Auszubildenden zum Kaufmann beziehungsweise zur Kauffrau im Einzelhandel haben auch die Fahrt zu Porta organisieren können. Torsten Zieschank nennt das ein Problem für viele minderjährige Lehrlinge: Wie sollen sie in die Ausbildungsstätte kommen, wenn sie noch keinen Führerschein haben oder die Busverbindungen schlecht sind. 

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