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Wo bleibt das Pflegeheim?

Im März sollte das Haus mit 66 Plätzen im Ortszentrum von Großpostwitz fertig sein. Doch ein Baubeginn ist immer noch nicht in Sicht.

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© Robert Michalk

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Großpostwitz. Die Bautafel steht seit über einem Jahr im Ortszentrum von Großpostwitz – doch ringsrum wächst nach wie vor nur Gras. Das große Schild an der Kreuzung nahe der Kirche kündigt den Bau einer Senioren-Residenz mit 66 Ein-Zimmer-Appartements an. Doch ob es je dazu kommt, ist fraglich. Bürgermeister Frank Lehmann (parteilos) mag schon gar nicht mehr darauf angesprochen werden. Denn der Wunsch nach einem Pflegeheim an dieser Stelle ist viel älter als das Schild. Eine Verwirklichung scheint aber in weiter Ferne.

Dabei gab es 2007, als das marode Forsthaus abgerissen wurde, große Hoffnungen, dass auf dem Areal bald wieder etwas Neues entstehen kann. Doch Bemühungen, einen Betreiber für ein Altenpflegeheim zu finden, endeten immer wieder erfolglos. In Bezug auf Errichtung und Finanzierung des Millionen-Projektes war die Gemeinde schon seit Längerem mit dem Verein Kommunalinvest KI im Gespräch. Dieser bietet bundesweit Städten und Gemeinden an, sie bei der Finanzierung und Realisierung von Bauprojekten zu unterstützen und bedient sich dazu einer Aktiengesellschaft namens Kommunalinvest AG. Mit dem Verkauf des Grundstückes legte die Gemeinde das Vorhaben 2014 schließlich in deren Hände. Doch seit der Errichtung der Bautafel hat sich nichts mehr getan. Auf jede Anfrage nach dem aktuellen Stand antwortet KI-Vorsitzender Joseph Moissl: „Wir verhandeln noch mit einem Betreiber.“ Aktuell sind es angeblich zwei große bundesweit tätige Betreiber, die immer noch prüfen würden, ob sie sich auf den Standort Großpostwitz einlassen. Andere haben bereits abgewunken. Trotz der Tatsache, dass die Bevölkerung immer älter wird und damit auch die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, glauben sie nicht daran, dass sich ein Heim an diesem Standort und in der vorgesehenen Größe wirtschaftlich betreiben lässt.

Optimismus weicht Ernüchterung

Deshalb ist in Großpostwitz der anfängliche Optimismus längst der Ernüchterung gewichen. So findet mancher Gemeinderat die vollmundige Ankündigung der Senioren-Residenz auf der Bautafel inzwischen „peinlich“. Deshalb „haben wir darauf gedrungen, dass das Schild wegkommt“, sagt Norbert Gloß (CDU). „Wir werden ja auch immer wieder von Bürgern darauf angesprochen“, ergänzt Uwe Klaus (Freie Wähler). Doch die Gemeinde kann das Schild nicht einfach wegnehmen, denn es gehört ihr nicht. Damit’s trotzdem nicht mehr gar so peinlich ist, ließ der Bürgermeister kurzerhand den geplanten Fertigstellungstermin März 2016 überkleben, ebenso die Aussage, dass der Bau „in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Großpostwitz“ entsteht.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer wird, einen Betreiber zu finden“, sagt derweil Joseph Moissl. Der betagte Vorsitzende von Kommunalinvest bringt daher eine andere Idee ins Spiel: „Wenn es mit dem Heim wirklich nichts wird, dann bauen wir eben altenbetreutes Wohnen.“ Bis Ende 2017 – so sei es mit der Gemeinde vereinbart – müsse das Grundstück bebaut sein. Da müsste also bald etwas passieren.