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Wo Chefs zu Chefköchen werden

Wer als Chef zum leiblichen Wohl seiner Mitarbeiter oder Kollegen beitragen und sie für geleistete Arbeit belohnen möchte, kann sie in der Wachauer Gaststätte Erbgericht nach Strich und Faden und mit bis zu fünf Gängen verwöhnen.

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Von Thomas Staudt

Wer als Chef zum leiblichen Wohl seiner Mitarbeiter oder Kollegen beitragen und sie für geleistete Arbeit belohnen möchte, kann sie in der Wachauer Gaststätte Erbgericht nach Strich und Faden und mit bis zu fünf Gängen verwöhnen. Hier zahlt der Chef aber nicht nur, er steht selbst am Herd – wenn er will. Unter Anleitung von Koch Torsten Göpner wird jeder Chef zum Maître de la Cuisine, zum Küchenchef, auch ganz ohne Vorkenntnisse. „Aber das kommt ganz selten vor“, berichtet der. Normalerweise nehmen das Angebot fast ausschließlich Hobbyköche in Anspruch.

Das Drehbuch zum dem besonderen Ereignis darf selbstverständlich der Chef selbst schreiben. Die Bandbreite reicht von der Feuerzangenbowle zur Begrüßung über das Schlachtfestbüffet bis zum klassischen 5-Gang-Menü. Los geht es mit einer Küchenbesichtigung, bei der die Speisenfolge festgelegt wird. Frisée-Salat mit Schinkenstreifen beispielsweise, ein Fischgericht mit Kräutersoße, gefolgt von Wild und zum Abschluss ein Dessertbüffet mit Quark-Joghurt-Keulchen, Zimtcreme oder Obstsalaten. Die Möglichkeiten sind fast unerschöpflich. Als Entscheidungshilfe dienen Kochbücher und die Göpnerschen Tipps. Den Einkauf und den Service übernehmen er und das Erbgericht-Team. Aktiv Mitkochen muss der Chef am Tag des Ereignisses dann schon selbst, wobei er das Zwiebelschälen und das anschließende Großreinemachen abgenommen bekommt.

Keine Zeit zum Essen

Zum Essen bleibt für ihn normalerweise keine Zeit. Deshalb tritt er erst zum Dessert an die Tische seiner Mitarbeiter, genau wie die Profiköche im Fernsehen. „Vorher hat der Chef viel zu viel zu tun“, meint Göpner trocken, „dafür macht das Feiern hinterher um so mehr Spaß.“ Wer im Erbgericht zum Chefkoch auf Zeit werden will, sollte mindestens eine Woche Vorlauf einplanen.

Das Angebot gibt es schon seit rund fünf Jahren. Chefs von großen Firmen aus Radeberg und Dresden, aber auch Mitglieder der Landesregierung haben schon bei Torsten Göpner in der Küche geschwitzt. 2008 fand das Angebot keine Resonanz. „Die Chefs haben im Moment wohl andere Sorgen“, meint Torsten Göpner. Die Wirtschaftskrise. Aus Wachau hat beispielsweise Brauer Hagen Schiller schon im Erbgericht pochiert und gebraten. Damals kamen Gänse auf den Tisch und Hagen Schiller kam in den Genuss eines Geheimtipps aus der Erbgerichtküche. Um das Geflügel besonders knusprig zu bekommen, wird Wermut unter die Haut gespritzt. Beim Braten tritt der darin gelöste Zucker aus, karamellisiert und ergibt eine wunderbare Kruste. Zum Chefkoch wollen im Übrigen nur Männer werden. „Ich habe da meine eigene Theorie: Viele Männer haben im Haushalt einfach keinen Platz“, meint Torsten Göpner augenzwinkernd. Vielleicht haben Chefinnen einfach andere Ideen, ihre Mitarbeiter zu verwöhnen.

Anfragen über: www.erbgericht.de