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Wo geht Fahrrad fahren im Nationalpark?

Waldweg ist nicht gleich Waldweg. Für Radfahrer gelten im Nationalpark Sächsische Schweiz strenge Regeln. Sächsische.de sagt, wo was möglich ist.

Eingang zum Wenzelweg in Ostrau: Hier ist Radfahren erlaubt. Entscheidend ist das Schild "Radroute" in gelber Schrift.
Eingang zum Wenzelweg in Ostrau: Hier ist Radfahren erlaubt. Entscheidend ist das Schild "Radroute" in gelber Schrift. © Daniel Schäfer

Das Naturerlebnis im Elbsandsteingebirge zieht längst nicht Wanderer und Kletterer an. Auf dem Gebiet des Nationalparks Sächsische Schweiz, wo schon Fußgänger die Wege nicht verlassen dürfen, sind die Regeln für Radfahrer noch restriktiver. Erst kürzlich sorgte die Meldung "Radler attackiert Nationalpark-Mitarbeiter" für Irritationen. Ein Ranger wollte einen Radfahrer stoppen, dieser wurde daraufhin handgreiflich. Auf dem Nicolaiweg in Lohmen, wo der Vorfall spielte, hätte der Unbekannte mit seinem Rad nicht fahren dürfen. Sächsische.de beantwortet vier wichtige Fragen rund ums Radfahren im Nationalpark.

Wo ist das Fahrradfahren im Nationalpark erlaubt?

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Generell ist das Radfahren im Nationalparkgebiet nur auf speziell ausgewiesenen Wegen gestattet. Sie sind mit den Schildern "Radroute im Nationalpark" und einem gelben Fahrradsymbol markiert. Es handelt sich dabei meist um breite Schottertrassen, vornehmlich in den Randlagen des Schutzgebiets, die auch von Forst-Lkws befahren werden. Der unter Teil des Polenztals gehört dazu, Kleiner Zschand und Großer Zschand bis zum Zeughaus oder der Untere Affensteinweg. Karten gibt es auf der Website des Nationalparks oder in Papierform im Nationalparkzentrum und den Toruistinformationen. 

Selbst auf den ausgewiesenen Routen haben Fußgänger gemäß Besucherordnung immer Vorrang. Das Radfahren sollte sich zudem auf die Zeit tagsüber beschränken,  damit die Tiere nachts ihre Ruhe haben.  

Warum ist das Radfahren auf den meisten Wegen verboten?

Der Nationalpark versteht sich - nach dem Ziel des Naturschutzes, dem alles untergeordnet ist - vor allem als Wandergebiet. "Das Gebiet des Nationalparks hat eine extreme Topographie, die sich für das Radfahren in der Regel kaum eignet", sagt Sprecher Hanspeter Mayr. Auf den schmaleren Waldwegen könnten sich Wanderer und Radfahrer schnell ins Gehege kommen, so die Befürchtung. 

Die freigegebenen Wege wurden 1997 zwischen Nationalparkverwaltung, ADFC, Bergsteigerbund, Wandervereinen und Tourismusverband ausgehandelt. 2004 kamen noch einmal vier Routen hinzu, damit ist das Potenzial an Radrouten laut damaliger Einschätzung der AG Wegekonzeption erschöpft. 

Eine Öffnung weiterer Wege ist nicht in Sicht. Dies würde den Zugang in die ruhigeren Bereiche weiter erleichtern, sagt Nationalparksprecher Mayr: "Immer mehr Menschen wären immer schneller in den letzten Rückzugsgebieten der Tiere."  Schon jetzt sehen Naturschützer die hohen Besucherzahlen in der Sächsischen Schweiz kritisch.

Der derzeitige E-Bike-Boom weckt da neue Befürchtungen. Auch wenn das Phänomen hierzulande noch nicht so akut ist wie in Österreich - die motorisierten E-Bikes würden es noch mehr Menschen ermöglichen, mühelos in abgelegenste Ecken vorzudringen.

Welche Strafen drohen Mountainbikern?  

Das Argument, die Topografie des Elbsandsteingebirges sei fürs Radfahren nicht geeignet, dürfte bei Mountainbikern nur für ein müdes Lächeln hervorrufen. Der Ritt durchs Gelände macht gerade den Reiz dieser Sportart aus. Mit dem entsprechenden Können und dem richtigen Bike ist beinahe jede Stiege befahrbar. Das weiß auch der Nationalpark. Erlaubt ist es aus Naturschutzgründen trotzdem nicht. 

In einem Schutzgebiet mit dem höchstem Schutzstatus könne dies nicht das Ziel der Entwicklung sein, erklärt Nationalparksprecher Hanspeter Mayr: "Die plötzlich über ein Gebiet hereinbrechende Störung bei einer rasanten Abfahrt mit einem vollgefederten Mountainbike ist für alle Tierarten kaum zu kalkulieren und entwertet die betroffenen Gebiete als Lebensraum." Nicht weniger schreckhaft sei eine solche Begegnung für Wanderer. 

Wer also mit seinem Fahrrad abseits der markierten Wege erwischt wird, der muss zahlen. Ob mit dem E-Bike auf einem breiten Schotterweg oder mit dem Fully im schmalen Trail, ist dabei egal. Die Spanne der Verwarngelder reicht laut Auskunft der Landesdirektion Sachsen von fünf bis 55 Euro. Bei gröberen Verstößen droht ein Bußgeld, das theoretisch bis zu 50.000 Euro betragen kann. Entscheidend ist, wie sehr Tiere gestört oder Pflanzen zerstört werden. 

Warum ist die Straße auf den Großen Winterberg gesperrt? 

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Für Radfahrer gesperrt ist auch die Straße von Schmilka hinauf auf den Großen Winterberg, obwohl sie teilweise sogar asphaltiert ist. Für Rennradfahrer wären die Serpentinen zum zweithöchsten Berg der Sächsischen Schweiz ein interessantes Ziel. Die Erklärung: Anders als die freigegebenen Straßen zur Brandaussicht oder zum Kuhstall, wo es jeweils nicht weitergeht, ist der Große Winterberg keine Sackgasse. Die Nationalparkverwaltung befürchtet, dass Radfahrer über die Wanderwege auf der Nordseite des Großen Winterbergs wieder abfahren. Auf der steilen Fahrstraße selbst könne es zudem für die Radfahrer sowie entgegenkommende Fußgänger gefährlich werden, erklärt Sprecher Hanspeter Mayr. 

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