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Löbau

Wo das Coronavirus Ostsachsen trifft

Zwangspause bei Maschinenbauer ATN im China-Geschäft, rare Gesichtsmasken in Apotheken und Nachfragen in Reisebüros sind Folgen der neuen Lungenkrankheit.

Knappes Gut: Ein Mundschutz wie ihn Apothekerin Silke Förster aus der Kreuz-Apotheke Neugersdorf trägt, ist rar. Und das ist eine globale Folge des Coronavirus'.
Knappes Gut: Ein Mundschutz wie ihn Apothekerin Silke Förster aus der Kreuz-Apotheke Neugersdorf trägt, ist rar. Und das ist eine globale Folge des Coronavirus'. © Matthias Weber/photoweber.de

Apothekerin Silke Förster hat noch einen parat - einen Mundschutz. Weltweit ist dieses Utensil zum Sinnbild für das Coronavirus und die Panik vor der dazugehörigen Lungenkrankheit geworden. Auch bei Frau Förster in der Kreuz-Apotheke in Neugersdorf werden diese Utensilien knapp. Allerdings nicht, weil sich so viele Kunden aus Angst vor dem Coronavirus damit eindecken, betont sie.

Der wahre Grund ist simpel: "Weil es vor allem in Asien eine so große Nachfrage gibt und die Lieferungen zunächst dorthin gehen, ist es schwieriger für uns, sie wie gewöhnlich nachzubestellen", sagt sie. Einen gewissen Bedarf nach Mundschutz gibt es nämlich immer: "Junge Eltern, die erkältet sind und ihr Baby nicht anstecken wollen, Patienten mit schwachem Immunsystem, Hobby-Bastler oder Nagelstudios decken sich normalerweise damit ein", sagt Silke Förster. Vielleicht sei mittlerweile auch der ein oder andere dabei, der sich einen wegen des Coronavirus' zurücklegt, erwägt die Apothekerin. Aber von Panik oder Hamsterkäufen haben sie und ihre Kollegen in den anderen drei Standorten der Oberlausitzer Apotheken OHG in Herrnhut, Cunewalde und Leutersdorf nichts bemerkt.

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Auch Uwe Hoffmann, der in Löbau die Bahnhofs- und in Zittau die Herz-Apotheke betreibt, bestätigt das. Seine Kunden sind von der Coronavirus-Panik nicht infiziert, sagt er und betont: "Gegen das Virus hilft ein solcher Mundschutz allein am Ende nicht, da bräuchte man schon einen Ganzkörperanzug." Zudem seien die in dieser Zeit übliche Virusgrippe und die Magen-Darm-Erkrankungen weitaus größere und realere Bedrohungen als das Coronavirus.

Maschinenbauer ATN mit China-Zwangspause

Sehr real ist das Coronavirus-Thema hingegen beim Oppacher Maschinen- und Anlagenbauer ATN Hölzel. Das Unternehmen gehört zu denen, die vor Ort Standorte unterhalten - in Changchun, Shanghai und Peking. "Unsere Produktion ist geschlossen, die Kollegen sind zu Hause und arbeiten - soweit dies möglich ist - von dort", erklärt ATN-Sprecher Ronny Gutte. Seit etwa einem Monat sei das so, seit China diese strengen Regularien erlassen hat.

ATN hat derzeit rund 40 Mitarbeiter in China, ein Großteil Chinesen. "Zum Glück ist niemand erkrankt", betont Gutte. Allerdings sei das lange "Nichtstun" auf andere Weise eine Herausforderung. "Das Leben ist stark eingeschränkt und reguliert, man kann zwar vor die Tür gehen, um einzukaufen, aber auch dafür gibt es Bestimmungen", erklärt er.

Nach Deutschland holen kann das Unternehmen die deutschen Mitarbeiter des China-Stammpersonals derzeit nicht - bis Ende März hat die Lufthansa alle Flüge gestrichen. Dienstreisen sind derzeit ohnehin tabu. Man hoffe nach ersten Anzeichen, dass sich die Situation im Laufe des März normalisieren und die Produktion weitergehen könne. "Auf unsere aktuellen Verträge hat die Zwangspause keinen Einfluss, es steht ja in China derzeit alles still", sagt Gutte. Ob es nach der Zwangspause wirtschaftliche Nachteile geben werde, sei noch nicht absehbar. "Wir müssen jedenfalls erst einmal unsere Zeitpläne alle überarbeiten", sagt der Sprecher. Auswirkungen auf die Produktion in der Oberlausitz hat der Stillstand nicht, denn alles was in China produziert wird, ist auch für den dortigen Markt gedacht.

Kreuzfahrt-Lust trotzt Virus-Angst

Zu Hause bleiben und nicht zu einer Fernreise aufzubrechen, kann auch privat ein Schutz sein. Dennoch: Wirklich große Auswirkungen auf die Reiselust der Landkreisbewohner seien aber bislang nicht zu beobachten, heißt es in Reisebüros vor Ort. Ursula Popp, Inhaberin des Reise-Centers Zittau, hat von Angst und Panik noch nichts gespürt: "Sicher, wer eine Reise nach Vietnam und Thailand gebucht hat, erkundigt sich, ob es neue Hinweise gibt", sagt sie. Ängste beim Buchen von Kreuzfahrten, bei denen ja auch Personal und Mitreisende aus aller Herren Länder zusammenkommen, gebe es keine. "China wird ja derzeit nicht angefahren", erklärt Frau Popp. Dass sich die Kunden beim Buchen aber schon ein bisschen umorientieren, sei sichtbar: Kanaren, Spanien, Türkei stünden derzeit wieder höher im Kurs.

Diese Desinfektionsmittel wirken

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Coronavirus hin oder her, ob auf Reisen oder zu Hause: Desinfektionsmittel im Arzneischrank zu haben, sei generell zu empfehlen, betonen die Apotheker Förster und Hoffmann. Will man sich dabei auch gegen das neue Virus wappnen, sollte man beim Kauf darauf achten, dass das Produkt mindestens "begrenzt viruzid wirksam" ist, erklärt der Sprecher des Gesundheits- und Hygieneartikelherstellers Hartmann AG, Dominik Plonner auf Nachfrage. Das helfe im Fall des Falles auch gegen das Coronavirus. Noch wichtiger sei aber ein guter Impfschutz, ein gesundes Immunsystem - unterstützt mit Zink und Vitamin D - betonen Silke Förster und Uwe Hoffmann. Das ist bei jeder Infektion der beste Schutz.

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