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Wo das Federvieh auch draußen scharrt

Der Großenhainer Geflügelhof ist der größte Legehennen-Betrieb im Kreis. Zu seinen bisherigen Standorten u. a. in Kleinraschütz, Skassa, Porschütz und Merschwitz wird bald ein weiterer hinzukommen. In Skassa entsteht die erste Neuanlage des Unternehmens. Sie soll aufs Modernste ausgestattet sein.

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Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Noch wird gehämmert und gebohrt an der Straße zwischen Skassa und Medessen. Eine neue industrielle Hühnerfarm wächst hier seit September auf ehemaligem Ackerboden empor. Anfang Dezember soll der Landrat den siebenten Standort des Großenhainer Geflügelhofes einweihen. „An diesem Termin gibt`s auch nichts mehr zu rütteln, denn die Hühner sind im Aufzuchtbetrieb bereits bestellt“, sagt Geschäftsführer Christian Riedel.

Maximal 14 999 Hennen dürfen, ab einem Alter von 18 Wochen, dann hier gehalten werden. „Bei einem Huhn mehr müsste neuerdings ein Bundesimissionsschutzverfahren (Bimsch) durchgeführt werden“, erklärt Riedel. Dabei geht es um die Auswirkungen auf die Umgebung. Diesen finanziellen Aufwand will sich der Geschäftsführer ersparen.

Doch an Kosten für die Ausstattung der Anlage spart Riedel nicht. Die 500 000 Euro, die in den Neubau fließen, sollen auf reichlich sechs Hektar eine moderne, ertragreiche und trotzdem alternative Tierhaltung hervorbringen.

Die neue Halle wird 20 Meter breit und 84 Meter lang und beherbergt zwei große Volieren für die Tiere. Unter diesen zweietagigen Metallgestellen läuft ein Kotförderband entlang, das für Sauberkeit und Hygiene sorgt. Auch Fütterung, Tränke und der Abtransport der Eier erfolgen automatisch. Das Lüftungssystem im Stall ist ausgeklügelt, die Beleuchtung wird dem normalen Sonnenlicht angepasst. Denn daran ist die Legeleistung geknüpft. „Morgens halb sechs fängt es an zu dämmern, dann ist es den ganzen Tag hell, und abends 18 Uhr wird die Beleuchtung wieder langsam zurückgefahren“, erklärt Riedel.

Düsen sprühen feinen Nebel in den Stall

Zusammen mit der holländischen Ausrüstungsfirma Big Dutchmen will Christian Riedel in Skassa einen weiteren Meilenstein moderner Tierhaltung setzen: Ausprobiert wird die automatische Befeuchtung der Stallluft, um den Staub zu binden. Aus Düsen wird in bestimmten Abständen ganz feiner Nebel ausgesprüht. Damit werde auch Krankheiten vorgebeugt, denn die Tiere dürfen möglichst nicht mit ihrem Kot in Berührung kommen.

Bei aller Technik wird aber auch der neue Skassaer Betriebsteil auf Freilandhaltung setzen. Schließlich ist gerade bei Eiern aus dieser Haltung der Bedarf stark angestiegen. Die Hühner bekommen einen überdachten Kaltscharrraum und eine Auslauffläche von sechs Hektar. Vier Quadratmeter Freifläche pro Huhn. Auch im Stall selbst können sich die Tiere auf gestreutem Boden frei bewegen und kommen über Luken nach draußen. Die Hühner „bedanken“ sich für diese artgerechten Bedingungen mit täglich etwa einem Ei pro Huhn. Durchschnittlich sollen also jeden Tag rund 14 000 Qualitätseier die neue Skassaer Hühnerfarm verlassen. Im Gesamtbetrieb sind es drei bis fünf Millionen pro Monat. Diese Eier werden in der Region direkt vermarktet, sind auch im Kadewe in Berlin, bei Karstadt in Dresden oder in den Plus- und Aldi-Märkten zu kaufen.

In der Regel reicht ein Mitarbeiter zur Betreuung einer Anlage. „Es muss nur ein Mal täglich kontrolliert werden, ansonsten läuft die Anlage selbstständig“, so Christian Riedel. Insgesamt beschäftigt er 30 bis 40 Mitarbeiter, darunter viele Teilzeitkräfte und Verkäuferinnen.

Die Produktionsweise des Großenhainer Geflügelhofes findet große Anerkennung. Erst kürzlich wurde der Betrieb zum vierten Mal als Preisträger im Landeswettbewerb für umweltverträgliche und tiergerechte Haltung geehrt.