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Wo der ganze Trödel landet

Schätze auf Böden und in Kellern haben wir ans Licht gebracht. Die größte Schatzsammlung ist aber Reiner Grunwalds Hof.

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Von Arkadius Guzy

Gesucht: eine gusseiserne Ofentür. Eine leichte Aufgabe für den Trödelhändler Reiner Grunwald. Er kann ohne lange Suche gleich ein Exemplar vorzeigen. Eine Ofenfront liegt auf einem Tisch im Hof bereit. Grunwald will sie gerade aufarbeiten. Rost hat sich auf dem Eisen festgesetzt.

Ein leichtes Relief und ovale Knäufe zieren die beiden Klappen. Der rötlich-braune Überzug kann nicht verdecken, dass es sich um ein Schmuckstück handelt. Es muss nur geputzt und sandgestrahlt werden.

Der Kunde gibt die Maße durch, Grunwald zückt einen Zollstock. Vielleicht doch etwas zu hoch für die genannten Abmessungen. In der Scheune nebenan lehnen aber noch mehr Ofenklappen. Grunwald blättert sie durch. Ein passendes Stück müsste wohl darunter sein. Ansonsten kann der Trödelhändler bei der einen oder anderen Person nachfragen. Mit den Jahren hat er sich so manche Quelle erschlossen. Der Kunde wünscht sich jedoch doch noch etwas Bedenkzeit.

Der „Trödelhof Max und Mary“ in Nieder Seifersdorf ist ein Sammelsurium. Alles, was Grunwald auf seinen Touren zu Haushaltsauflösungen und Wohungsberäumungen in seinen Wagen packt, lagert in den Gebäuden des Vierseithofes. In einem Umkreis von bis zu 200 Kilometer fährt der Trödelhändler die Region ab.

Wenn es etwas Besonderes zu holen gibt, nimmt Grunwald aber auch eine längere Strecke auf sich. So holte er schon mal Jagdbücher und -zubehör aus Bayern und transportierte einen alten gusseisernen Ofen aus Frankreich

Eine Inventarliste gibt es nicht. „Ich habe alles im Kopf“, sagt Grunwald. Dennoch entbehrt die Lagerung nicht einer gewissen Systematik. Im Haus links von der Toreinfahrt stapeln sich Bücher auf einem Tisch. Von dem Raum aus gelangt man in die Küche.

In der Ecke steht ein Ofen, an der Wand ein Buffetschrank. Das Zimmer quillt über vor Küchenutensilien. Fleischwölfe reihen sich an der Wand aneinander. Auch ein roter, leicht angerosteter Bohnenschnippler findet sich darunter. Porzellankannen, Steingutgefäße und Töpfe sind zu finden. Ein weiterer Nebenraum birgt eine Besonderheit. Unter einer Platte ist ein Brunnen versteckt. Er reicht sechs Meter tief, so Grunwald. Das Wasser stehe sogar noch.

Das Haus wurde laut Grunwald 1802 erbaut. Im zweiten Stockwerk zeigt sich die Fachwerkkonstruktion. Grunwald besitzt eine vergilbte Fotografie von dem Hof, wie er vor über hundert Jahren aussah.

Den Bau an der Stirnseite des Vierseithofes kann man als die Porzellanabteilung bezeichnen. Auf Tischen und Tischchen sowie in Schränken präsentieren sich Tassen, Teller und Kannen. Die einzelnen Stücke sind nur aus der Nähe auseinanderzuhalten, sie verschwimmen ansonsten zu einer großen Porzellanmasse. Blaue, rote und smaragdgrüne Glasschüsseln tupfen Farbe hinein.

Um all die Sachen unterzubringen, kaufte Grunwald den Hof. Bei ihm zu Hause war irgendwann einmal kein Platz mehr. Begonnen habe die Trödelei damit, dass er alte Kochbücher sammelte, erzählt Grunwald. Denn er kommt ursprünglich aus der Gastronomie. Die Stadthalle in Görlitz zählt er zu seinen Stationen. Vor nicht ganz zehn Jahren verlegte sich Grunwald dann komplett auf das Trödelgeschäft. Reingelesen habe er sich in die Materie und auf Trödelmärkten die ein oder andere Erfahrung gesammelt.

Die restlichen Scheunen in Grunwalds Trödelreich gehören Werkzeugen sowie Garten- und Landwirtschaftsgeräten. Damit ist die Ordnung im Sammelsurium komplett.