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Wo der meiste Unterricht ausfällt

An den Schulen im Altkreis Sebnitz gibt es massig Freistunden. Die Probleme sind dabei oft hausgemacht.

Die siebente Klasse muss auf Biologie verzichten. In der Achten fällt Französisch aus. Den Neuntklässlern bleibt Mathematik erspart. Und für die Schüler der zehnten Klasse wird der Kunstunterricht gestrichen. In den Schulen im Altkreis Sebnitz ist das keine Seltenheit. In allen Einrichtungen sind im ersten Schulhalbjahr 2013/2014 fast 1 900 Unterrichtsstunden ausgefallen. Hinzu kommen weitere 2 200 Stunden, die durch Fremdfächer abgefangen wurden. Die SZ gibt einen Überblick und erklärt die Ursachen.

Grundschulen: Klassen werden

einfach zusammengelegt

Die meisten Ausfallzeiten aller Grundschulen weist die Grundschule in Dürrröhrsdorf-Dittersbach mit 229 Stunden auf. „Wir hatten im ersten Halbjahr mit mehreren Langzeitkranken zu kämpfen“, sagt Schulleiterin Ursula Thäder. Sie selbst fiel mehrere Wochen aus. Um die fehlenden Kollegen zu ersetzen, hätten einige Lehrer mehr Stunden gehalten. Im Sport konnten zum Beispiel Klassen zusammengelegt werden. „Wir können die Lehrer aber nicht unbegrenzt mit Mehrarbeit zuschütten“, sagt Ursula Thäder. Sie denkt dabei vor allem an die älteren Pädagogen. Denn sonst würden diese irgendwann ausfallen. Bis Weihnachten sei in Dürrröhrsdorf keine einzige Stunde gestrichen worden, dann seien mehrere der neun Lehrer erkrankt. „Heute sind wir zum Glück alle wieder fit“, erklärt Ursula Thäder.

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Die Julius-Mißbach-Grundschule in Neustadt hat derzeit mit einem Langzeitkranken zu kämpfen. „Wir sind sonst aber ein stabiles Team“, sagt Schulleiterin Steffi Milantzkis. Das zeigt auch die Statistik. Im ersten Halbjahr mussten hier nur 84 Unterrichtsstunden gestrichen werden. „Ausfall ist immer eine Herausforderung“, meint die Direktorin. Dann sei Organisationstalent gefragt. Je nachdem, welches Fach betroffen ist, müsse man Lösungen finden. „In der Regel springen die Schulleiter und Stellvertreter mit ein, um den Unterricht abzudecken“, sagt Steffi Milantzkis.

Die Grundschule Rosenstraße in Sebnitz liegt mit 0,9 Prozent ausgefallenen Stunden im Vergleich ganz weit vorn – im positiven Sinn. Die durchschnittliche Ausfallquote bei den Grundschulen liegt mehr als doppelt so hoch, bei 2,1 Prozent. An einer besonders dicken Personaldecke auf der Rosenstraße in Sebnitz liegt das aber nicht, im Gegenteil. Sie hat schon das ganze Schuljahr einen Lehrer zu wenig zur Verfügung, sagt Schulleiterin Ulrike Mitzscherlich. Für ein Vierteljahr war sie auch schon einmal Schulleiterin und Klassenleiterin in einer Person.

Dass letztlich so wenig Unterricht ausfällt, ist den kleinen Klassen zu verdanken. „Wir legen ganz oft Klassen zusammen, damit nichts ausfällt“, erklärt die Schulleiterin. Bei Klassen mit 15 oder 16 Kindern könnte auf diese Weise schon mal eine Woche überbrückt werden. Diese Mehrbelastung geht allerdings zulasten der Lehrer. „Irgendwann sind die Kollegen erschöpft“, sagt Frau Mitzscherlich. Im Moment seien alle am Limit.

Unterstützung gibt es im Notfall auch von anderen Schulen, die dann Lehrkräfte ausleihen. Die Grundschulen können ihre Schüler auch nicht einfach nach Hause schicken, wenn ein Lehrer ausfällt. Sie sind verpflichtet, die ersten vier Stunden abzudecken. Erst dann ist der Hort geöffnet und ein direkter Anschluss für die Betreuung der Kinder gewährleistet.

Genauso gering wie in Sebnitz ist der Ausfall an der Konrad-Hahnewald-Grundschule in Hohnstein. Er liegt ebenfalls bei 0,9 Prozent. Damit liegt auch diese Grundschule weit unter dem Durchschnitt. Ein Rezept hat Schulleiter Thomas Riedel dafür nicht. Er ist allerdings stolz darauf, dass sich bei ihm die Lehrer guter Gesundheit erfreuen. Ein Grund dafür könnte das gute Klima an der Schule sein, und dass die Lehrer Freude an der Arbeit mit den Schülern, den Eltern und auch dem Schulleiter hätten. Die wenigen Ausfallstunden sind unter anderem auf die Fortbildung der Lehrer zurückzuführen. Zu einem Großteil habe man den Ausfall aber kompensieren können, ohne dass die Lehrer Mehrstunden absolvieren müssen.

Oberschulen: Ausfall wird durch Mehrstunden kompensiert

Der tatsächliche Unterrichtsausfall an der Ludwig-Renn-Oberschule Stolpen liegt zwar weit unter dem sachsenweiten Durchschnitt. Dagegen ist der Anteil an Vertretungsstunden ziemlich hoch. Im Vergleich mit anderen Oberschulen sogar überdurchschnittlich hoch. Die Oberschule selbst ist froh, den Unterrichtsausfall so gut wie möglich kompensieren zu können. „Das geht aber eben zum Teil nur, weil die Lehrer Mehrstunden geben. Das geht aber nicht auf Dauer“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Katrin Lattig.

Nach einem ähnlichen Prinzip arbeitet auch die Friedrich-Schiller-Oberschule in Neustadt. „Fachfremd zu vertreten, ist immer besser, als Ausfall“, sagt Schulleiter Klaus Anders. An seiner Schule gab es in den letzten sechs Monaten langzeitkranke Lehrer, die zur Kur gefahren sind. Das hätte über drei oder vier Wochen reingehauen, wie der Schulleiter salopp formuliert. Doch die insgesamt 37 Lehrer könnten das im Normalfall gut auf vielen Schultern abfangen. „Bei vielen Lehrern können auch viele krank werden“, gibt Anders zu bedenken. In solchen Fällen werden Sonderpläne erstellt. Das sorge für eine gewisse Kontinuität – für Schüler und Lehrer. Mit 307 ausgefallenen Stunden stehe die Oberschule aber noch ganz gut da.

Förderschulen: Ausfall wird schon geplant, weil Lehrer fehlen

Der Unterrichtsausfall an den Förderschulen ist im Vergleich generell ziemlich hoch. Die Adolf-Tannert-Schule in Ehrenberg macht da keine Ausnahme. Schulleiterin Ina Reichelt musste bereits vor dem Start des neuen Schuljahres Stunden kürzen, weil zu wenig Lehrer da sind. So entsteht auch der hohe geplante Unterrichtsausfall. „In den ländlichen Raum zieht es kaum junge Lehrer. Die gehen lieber gleich in die Großstädte“, sagt Ina Reichelt. Die ländlichen Schulen bekommen das zu spüren. Dass der Ausfall dann doch noch relativ gering ist, sei einer guten Logistik in der Förderschule zu verdanken. Aufgrund der geringen Klassenstärke sei es möglich, auch einzelne Klassen zusammenzulegen, sagt Ina Reichelt. Aber auch das ist eben keine Lösung auf Dauer. (SZ/kal/aw/dis)