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Wo der meiste Unterricht ausfällt

Im Altkreis Dippoldiswalde gibt es zu oft schulfrei. Die Ursachen sind oft dieselben.

Von Regine Schlesinger

Die siebente Klasse muss auf Bio verzichten. In der Achten fällt Französisch aus. Der Neunten bleibt Mathematik erspart. Und für die Schüler der zehnten Klasse fällt der Kunstunterricht weg. In den Schulen im Altkreis Dippoldiswalde ist das keine Seltenheit. In allen Einrichtungen zusammen sind im ersten Schulhalbjahr 2013/2014 rund 5 550 Unterrichtsstunden ausgefallen. Hinzu kommen weitere rund 2 500 Stunden, die durch Fremdfächer abgefangen wurden. Die SZ gibt einen Überblick und erklärt die Ursachen.

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Grundschulen: Langzeitkranke sind schwer ersetzbar

Die meisten Ausfallstunden bei den Grundschülern weist mit 204 die Dippser Schule auf. Das sind 3,6 Prozent aller Stunden, der Durchschnitt im Landkreis liegt bei 1,8 Prozent. Längere Krankheit und ein Unfall haben zu den Ausfallstunden geführt, erklärt der stellvertretende Schulleiter Dieter Lehnert. Allerdings hat die Grundschule durch ihr spezielles Angebot der Sprachförderung eine Besonderheit. Im Anfangsunterricht stehen oft zwei Lehrer vor der Klasse. Fällt einer aus, taucht seine Stunde zwar als ausgefallen in der Statistik auf. Unterricht erhielten die Kinder aber trotzdem. Die Schmiedeberger Schule liegt mit 1,8 Prozent Ausfallstunden trotz einer schon seit längerer Zeit erkrankten Lehrerin noch im Durchschnitt. „Wir tun unser Bestes, um den Ausfall erträglich zu halten“, versichert Schulleiterin Angelika Fiedler. Aber das Umschichten von Stunden sei schwierig, da kaum noch Reserven da sind.

Oberschulen: Im Moment ist die Situation ziemlich stabile

Besonders mit Ausfallstunden zu kämpfen hatte die Dippser Oberschule. Ursachen waren ein Unfall zu Schuljahresbeginn, dem etliche Englischstunden zum Opfer fielen, und zum Jahresende hin gab es gleich mehrere Erkrankte. Wie Schulleiter Klaus Walter erklärte, konnte die Bildungsagentur mit Ersatz helfen. Im Moment sei die Situation aber einigermaßen stabil. Ähnlich sieht es an der Schmiedeberger Schule aus. Es gebe zwar einige Reservestunden, sagt Schulleiterin Katrin Jungnickel. Aber den richtigen Lehrer immer parat zu haben, sei schwierig.

Gymnasium: Reserven sind zusammengeschmolzen

Das Glückauf-Gymnasium startete mit einer personellen Ausstattung ins neue Schuljahr, die Schulleiter Volker Hegewald als komfortabel bezeichnet. Doch längere Krankheit und Schwangerschaft haben diese Reserven schmelzen lassen. An beiden Schulstandorten fiel Unterricht aus, vor allem in Englisch, Biologie und Chemie, aber auch in Französisch. Im Rahmen des Programms „Unterrichtsgarantie“ erhielt die Schule immerhin einen Vertretungslehrer. „Da wurde schnell reagiert. Innerhalb einer Woche war er da“, sagt Hegewald. Es sei jedoch nicht möglich, jeden Stundenausfall auf diese Weise zu kompensieren.

Förderschulen: Es fehlt an geeigneten Lehrern

Der Unterrichtsausfall an den Förderschulen im Landkreis ist generell hoch. Da macht auch das Förderschulzentrum Osterzgebirge keine Ausnahme. Obwohl sich die Situation schon gebessert hat. Es gab auch schon Schuljahre, in denen über zehn Prozent der Stunden ausgefallen sind, heißt es seitens der Schule. Trotzdem bleibt der akuten Mangel an geeigneten Lehrern ein Problem.

Berufsschule: Unterricht kann gerade so abgedeckt werden

Über 2 000 Ausfallstunden – das klingt nach einer Menge, sind aber doch nur 5,7 Prozent aller Stunden, die am Beruflichen Schulzentrum Freital-Dippoldiswalde gehalten werden. Geschuldet ist der Ausfall den mangelnden Reserven, sagt Schulleiter Bernd Mätzler. Angesicht des Arbeitsumfangs, den jeder Lehrer zu bewältigen hat, gebe es wenig Spielraum, die Kollegen aufzufordern, noch zusätzlich Stunden abzuhalten. Hinzukommt die Bandbreite der Fächer, die an der Schule unterrichtet werden. Der Fachkundeunterricht erfordert bestimmte Spezialisierungen und sei daher schwierig zu vertreten. Da aber gerade geburtenschwache Jahrgänge an die Schule kommen, könne der Unterricht besser abgesichert werden als Vorjahren.