SZ +
Merken

Wo die Lehrer selbst das Lernen lernen

Lehre. Rund 12 000 Lehrer werden jedes Jahr an der Sächsischen Akademiefür Lehrerfortbildung auf Schloss Siebeneichenfortgebildet.

Teilen
Folgen

Von Petra-Alexandra Buhl

Sie kommen aus Sachsen oder aus aller Welt und lernen auf Schloss Siebeneichen: Lehrer aus den USA, aus Frankreich, Georgien, Ungarn oder Israel. Die Deutschlehrer aus dem Ausland erhalten länderkundlichen Unterricht, lernen, wie Politik, Kultur und Wirtschaft in Sachsen funktionieren und erfahren Wissenswertes über das Schul-, Sozial- und Bildungsystem. Seit der EU-Osterweiterung kommen laut der Direktorin Heidrun Heinke mehr Lehrer aus Osteuropa.

Managementwissen vermitteln

Viele davon wohnen im Schloss und essen in der Kantine. Wenn die Betten nicht ausreichen – wie zum Beispiel zur Sommerakademie Ende August, für die man sich bis zum 11. Juli noch anmelden kann – ziehen sie in die Hotels oder Pensionen in der Stadt. „Das sind vor allem Lehrer, die Deutsch unterrichten oder spezielles Wissen über Deutschland haben wollen“, sagt Christine Hohwald.

Erst vorige Woche war eine slowakische Delegation in Meißen, um eine Kooperation in der Lehrerfortbildung aufzubauen. Deutsche Lehrer sollen in der Slowakei lehren, Slowaken in Deutschland. „Das ist für beide Teile sehr befruchtend“, sagt die Direktorin. Das gleiche Modell will die Akademie auch im niederschlesischen Institut in Wroclaw installieren. Im Rahmen des deutsch-polnischen Jahres hat die Akademie dies geplant. Sie bildet polnische Schulleiter aus.

Der Blick nach Europa ist der Schule ins Stammbuch geschrieben, deshalb werden jedes Jahr die so genannten Europarats-Kurse abgehalten. Der Europarat vergibt in jedem Jahr Stipendien für Führungskräfte an Schulen, fünf davon kommen jeweils nach Meißen. Thema ist in diesem Jahr vor allem die Mehrsprachigkeit. Die Schulen sollen künftig den Spracherwerb vereinheitlichen und unter einheitliche Kriterien stellen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Akademie ist das europäische Sokrates-Projekt für Geschichtsbewusstsein. „Da geht es zum Beispiel um das Jahr 1945 und darum, wie die Erinnerungskultur gepflegt wird“, sagt Cordelia Hohwald. Der Umgang mit Denkmälern gehöre dazu, zum Beispiel auch die Entfernung des Ehrenmals für die sowjetischen Soldaten am Dresdner Albertplatz oder die Debatte um das Holocaust-Mahnmal in Berlin.

Neben inhaltlichen Fortbildungen geht es in der Akademie aber auch um Management-Qualifikationen, Personalführung etc. Seit in Sachsen immer mehr Schulen geschlossen werden, muss die Akademie häufiger Moderatoren ausbilden, die Schulschließungen begleiten oder Zusammenlegungen von Schulen. „Daneben stärken wir die Lehrer in Bezug auf ihre Profession und ihr Selbstbewusstsein“, sagt Heidrun Heinke. Viele Lehrer klagten über Erschöpfungszustände und bräuchten Unterstützung. Die Akademie hilft hier zum Beispiel auch beim Erwerb von Zeitmanagementfähigkeiten.