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Bautzen

Pokerspiel um den Sommerurlaub

Abwarten, stornieren oder umbuchen: Viele Menschen im Landkreis Bautzen stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Was raten die Reisebüros?

Azubi Tim Cellarius und Astrid Schütze beraten Kunden in der Bautzener Filiale des ATeams Reiseservice.
Azubi Tim Cellarius und Astrid Schütze beraten Kunden in der Bautzener Filiale des ATeams Reiseservice. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Baden im Mittelmeer, Wandern in Südtirol, Paddeln in den Masuren oder Bummeln in Kopenhagen: Astrid Schütze und Tim Cellarius vom ATeams Reiseservice in Bautzen könnten viele tolle Urlaubsziele vermitteln, aber momentan buchen sie Auslandsreisen eher um, nehmen Stornierungen entgegen oder beruhigen ihre Kunden. Für ihren Chef und ATeams-Inhaber Andreas Thomas sowie andere Reisebüros ist es eins der schwierigsten Geschäftsjahre seit Langem. „Was uns in der Branche verängstigt, ist die Unkalkulierbarkeit.“

Den neuen Bus für die eigenen Veranstaltungsreisen hat Andreas Thomas Anfang März angemeldet – für ganze sechs Tage. Seitdem ist das Fahrzeug abgemeldet. Wann der Bus wieder mit Gästen durch die Lande fahren kann, ist unklar. Eventuell mit der nächsten Lockerung der Corona-Beschränkungen ab dem 6. Juni. Offiziell ist das aber noch nicht. „Wir bräuchten auf jeden Fall etwas Vorlauf“, sagt Andreas Thomas.

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Etwa 250 seiner sächsischen Kollegen haben am Mittwoch in Dresden auf ihre schwierige Lage aufmerksam gemacht. Sie wollten damit einen Appell an die Politik richten. Doch die Politiker allein werden die Reisebranche nicht retten können. 

Auch wenn viele Kunden verunsichert sind, würde es den Reisebüros vor allem helfen, wenn sie nicht so viel stornierten, meint Sabine Pahlisch vom gleichnamigen Reisebüro in Bautzen. „Wenn keiner mehr irgendwas bucht, geht die Branche den Bach runter.“ Ewig durchhalten könne man jedenfalls nicht. Noch im vergangenen Herbst habe man sehr gute Umsätze gehabt. Die Leute seien reisefreudig gewesen und hätten für 2020 viele Urlaube gebucht. Diese Arbeit sei jetzt teilweise dahin.

Keine Planungssicherheit

Gemeinsam mit ihrem Mann öffne sie ihr Büro An den Steinbrüchen seit einiger Zeit verkürzt für vier Stunden am Tag. „Wir sind vor allem mit Stornierungen seitens der Veranstalter oder der Kunden beschäftigt." Wenn diese nach Flügen im Sommer fragen, könne sie auch nur darauf verweisen, dass die Lage unsicher sei. „Wir wissen nicht, was im Sommer in den jeweiligen Urlaubsländern los ist, welche Einschränkungen es dann gibt“, sagt Sabine Pahlisch. Sie rate den Kunden, die schon vor Monaten eine Sommerreise ins Ausland gebucht haben, abzuwarten. Und viele tun das auch. Einige hätten ihre Reisen auch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Doch ob und wann gereist werden kann, ist unklar, auch wenn sich Außenminister Heiko Maaß nach Beratungen mit Nachbar- und Urlaubsländern zuversichtlich zeigt. „Wir hoffen, dass wir die weltweite Reisewarnung zumindest für die Europäische Union nach dem 14. Juni wieder aufheben und durch abgestufte Reisehinweise ersetzen können", sagte er am Mittwoch.

Doch bis zu diesem Termin sind es erstens noch gut drei Wochen, und zweitens würde das keine Planungssicherheit bedeuten, sagt zumindest Michael Hummel, Referatsleiter Recht bei der Verbraucherzentrale Sachsen. „Es kommt darauf an, in welcher Form die Reisewarnung aufgehoben wird und vor allem, ob Urlauber auch in ihr gewünschtes Land einreisen dürfen.“ Ist das nicht der Fall, bekämen die Kunden bei Pauschalreisen auch ihr Geld zurück, unabhängig von einer Reisewarnung.

Lieber Harz statt Flugreise

Hummel rät Urlaubern aktuell davon ab, Auslandsreisen zu planen, zumindest für den Juni. „Selbst wenn die Reisewarnung aufgehoben wird, werden einige Einschränkungen noch eine Weile bleiben.“ Für diesen Sommer sieht er den Urlaub in Deutschland und die Übernachtung in Ferienwohnungen ganz vorn. Neue Buchungen für den Juni oder Juli gibt es laut den Reisebüros kaum, zumindest für Ziele außerhalb von Deutschland.

Andreas Thomas bestätigt das. Urlaub in Deutschland sei gefragt wie nie zuvor. „Ein Ehepaar hat bei uns vor Kurzem eine Flugreise in einen einwöchigen Urlaub im Harz umgebucht.“ Sind die Kunden zeitlich gebunden, etwa weil ihr Urlaub nicht mehr zu verschieben ist, seien Deutschland oder auch Österreich gute Optionen.

Das zeigt auch der Blick auf die Internetseiten verschiedener Reiseanbieter und -büros. Da gibt es Angebote in den Bayerischen Alpen, am Bodensee, an der Mecklenburgischen Seenplatte und natürlich entlang der Ostseeküste und -inseln. Doch ganz so einfach ist es mit dem Urlaub im Inland offenbar nicht. „Viele Unterkünfte sind schon ausgebucht". sagt Sabine Pahlisch.

Vielleicht schrecken manche Urlauber auch die gestiegenen Preise ab. Andreas Thomas hat die Preise an der Ostsee zwar nicht überprüft, findet aber, dass „die Preise ja überall steigen“. Das hänge eben von Nachfrage und Angebot ab.

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Er sieht im Moment zwei Gruppen von Kunden. Die erste Gruppe hat einen Sommerurlaub gebucht, will unbedingt verreisen und wartet noch ab. „Diese Geduld unterstützen wir auch und werden uns bei diesen Kunden umgehend melden, sobald es entscheidende Neuigkeiten gibt.“ Der zweiten Gruppe sei es egal, wie die Lage wo sei oder sich entwickle. „Diese Kunden stornieren und bezahlen auch mögliche Stornokosten anstandslos.“

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