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Woher Trump seine Verschwörungstheorien hat

In einem Fox-News-Interview verbreitete US-Präsident Trump drei Verschwörungstheorien. Diese sind so bizarr wie gefährlich.

Die Verschwörungstheorien von Us-Präsident Donald Trump haben ihren Ursprung vor Monaten.
Die Verschwörungstheorien von Us-Präsident Donald Trump haben ihren Ursprung vor Monaten. © Andrew Harnik/AP/dpa

Von Christopher Stolz

Die Kräfte, die ihn von der Wiederwahl zum US-Präsidenten hindern sollen, sind nach Auffassung von Donald Trump immens. In einem 40-minütigen Interview mit dem US-TV-Sender Fox News stellte Trump diese Verschwörungstheorien auf – zu den landesweiten „Black Lives Matter“-Protesten, aber vor allem seinen Herausforderer um das Amt des Präsidenten, Joe Biden, betreffend. Den griff er offensiv an.

Dass Trump sich diese Theorien nicht alle selbst ausgedacht hat, war zumindest zu vermuten. Nun berichtet die „Washington Post“, dass die Theorien ihren Ursprung aber bereits vor Monaten haben.

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Konkret handelt es sich um diese drei Verschwörungstheorien: 

  • Ein Flugzeug voller Gangster war auf dem Weg zum republikanischen Parteitag
  • Einige „sehr dumme reiche Leute“ finanzieren die Proteste in US-Städten
  • „Dunkle Mächte“ kontrollieren Präsidentschaftskandidat Joe Biden

Bereits vor wenigen Wochen hatte Trump in einem HBO-Interview mit kruden Aussagen zur Corona-Situation in den USA Aufsehen ausgelöst. Damals ließ sich nachvollziehen, dass Trump die Informationen von seinen gesundheitspolitischen Beratern bekommen hatte. Das war vor allem dadurch ersichtlich, weil er drei Zettel mit Grafiken hervorholte, um seinen umstrittenen Standpunkt zu untermauern.

Im Fall der Verschwörungstheorien wird nicht deutlich, wie diese in den Kopf oder die Hände des US-Präsidenten gelangt sind. Lediglich der Ursprung der Gerüchte lässt sich klar festmachen.

1. Ein Flugzeug voller Gangster auf dem Weg zum republikanischen Parteitag

Ein Teilnehmer seiner Partei habe Trump erzählt, dass in dem Flugzeug, in dem er angereist sei, zahlreiche Gangster in dunklen Uniformen nach Washington zum Parteitag unterwegs gewesen seien. „Das waren viele Leute im Flugzeug, die großen Schaden anrichten wollten“, sagte Trump im Fox-News-Interview zu Reporterin Laura Ingraham. Auf die Frage, wer ihm das erzählt habe, antwortete Trump: „Das erzähle ich ein anderes Mal, es wird noch untersucht.“

Tatsächlich gibt es der „Washington Post“ zufolge derzeit keinen Anhaltspunkt dafür, dass etwas in der Art auf einem Flug nach Washington passiert ist. Allerdings ähnelt diese Theorie einem Gerücht, das im Juni durchs Netz geisterte. Damals waren sich einige Leute sicher, dass Antifa-Mitglieder in ihre Städte geschickt werden, um den Frieden zu stören.

Ein Mann aus Boise in Idaho hatte am 1. Juni auf Facebook geschrieben: „Macht euch bereit für Attacken in der Stadt und in bewohnten Gebieten. Mindestens ein Dutzend Männer sind Boise aus einem Flugzeug, das aus Seattle kam, gestiegen, von oben bis unten in schwarz gekleidet. Einer hatte ein Tattoo auf dem Arm, auf dem 'Antifa America' steht.“ Mehr als 4000-mal soll der Post geteilt worden sein.

Am gleichen Tag teilte das örtliche Sheriff-Büro mit, dass es für dieses Gerücht keine Beweise gäbe. Dieser Beitrag wurden in den sozialen Netzwerken lediglich 718-mal geteilt.

Ein Gerücht dieser Art wurde dann in der vergangenen Woche abermals prominent gestreut, von Kentuckys republikanischen Senator Rand Paul. Dieser sprach davon, dass ihn Demonstranten auf dem Parteitag der Republikaner gegenübergetreten sind. „Ich verspreche Ihnen, dass zumindest einige dieser Leute nicht aus Washington kamen“, zitiert ihn die US-Zeitung „Politico“.

„Die kamen mit dem Flugzeug. Sie hatten alle frische, neue Klamotten“, sagte Paul, ohne stichhaltigere Beweise zu nennen als seine angeblichen Beobachtungen.

2. Einige „sehr dumme reiche Leute“ finanzieren die Proteste in US-Städten

Trump sagte im Interview mit Fox News auch, dass „Black Lives Matter“ eine „marxistische Organisation“ sei. Das Geld für die Proteste kommt nach seiner Darstellung „von einigen sehr dummen reichen Leuten“. Diese hätten keine Ahnung, dass sie „vor die Hunde gehen würden, wie niemand zuvor“, falls ihr Vorhaben erfolgreich sein würde – was nach Trumps Ansicht natürlich nicht passieren wird.

Bereits seit Monaten halten sich im Netz unter Trump-Anhängern Gerüchte, dass der Milliarden-Investor George Soros, der die Demokraten finanziell unterstützt, für Proteste gegen Polizeigewalt bezahlt. An ihm arbeiten sich rechte Gruppen bereits seit Jahren ab und werfen ihm vor, die Antifa und „Black Lives Matter“-Gruppierungen „zu besitzen“, wie es die „Washington Post“ schreibt.

Tatsächlich hat eine Organisation, die Soros gegründet hat, „Black Lives Matter“ in der Vergangenheit finanziell geholfen haben. Das gibt er auch offen zu.

Allerdings ist die finanzielle Unterstützung des Kampfs gegen Polizeigewalt in den USA nicht sein Alleinstellungsmerkmal. Denn auch Musikgrößen wie Jay-Z oder Beyoncé taten genau das.

Letztlich lässt sich sagen, dass die unbegründete Annahme, Soros würde die Strippen im Hintergrund ziehen und die Welt mit seinem Geld kontrollieren, eine der Haupt-Verschwörungstheorien der rechtsextremen Gruppe „QAnon“ ist.

3. „Dunkle Mächte“ kontrollieren Joe Biden

Trump warf im Interview außerdem ganz konkret Biden vor, „wie eine Puppe“ von „dunklen Mächten“ kontrolliert zu werden. Auf die Nachfrage, wer diese Leute sein sollen, antwortete Trump: „Leute, von denen man noch nie gehört hat. Leute in einer dunklen Schattenwelt. Leute, die die Straßen kontrollieren.“

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Und auch diese Verschwörungstheorie ist eine, die „QAnon“ häufig verwendet, um Stimmung gegen Biden zu machen. Sie geht sogar noch weiter: Diese „dunklen Mächte“ seien den Satan verehrende Pädophile, die die Welt regieren – zu diesen Leuten sollen der rechtsextremen Gruppe zufolge nicht nur George Soros gehören, sondern auch Hillary Clinton und Barack Obama. Diese „Leute, von denen man noch nie gehört hat“, dieser Ring von Pädophilen, sollen demnach Biden kontrollieren. Beweise liefert „QAnon“ nicht.

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