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Wo Dresdner Obstbäume zu Tischen werden

In der ehemaligen Saxonia-Mühle bauen zwei Designer außergewöhnliche Unikate.

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Von Kathrin Kupka-Hahn

Tisch ist nicht gleich Tisch – zumindest nicht für Andreas Torke und Arvid Piasek. Die beiden Dresdner haben da ihre ganz eigenen Ansprüche: Das Möbelstück muss selbst gefertigt und aus einheimischem Holz sein. Am besten aus Birne, Kirsche, Aprikose oder Pflaume. Dann darf der Tisch auch ihr Label „Esscultur“ tragen.

Anfangs war es nur eine Liebhaberei, Tische aus Obst- und auch Edelhölzern anzufertigen. Inzwischen haben der Künstler Torke und der Tischler Piasek eine Geschäftsidee daraus entwickelt – die Esscultur. Seit zwei Jahren stellen sie unter dieser Marke ihre Kreationen auf Messen aus, wie etwa der Dresdner Room & Style. Der Erfolg lässt allerdings noch etwas auf sich warten. Deshalb haben die beiden in ihrer Werkstatt in der ehemaligen Saxonia Mühle in der Kötzschenbroder Straße 9 einen Showroom eingerichtet. „Interessenten können wir gleich unsere Tische und die verschiedenen Holzarten zeigen“, so Piasek. Weil jedoch Obst- und Edelhölzer in kleinen Mengen nur schwierig zu bekommen sind, haben die beiden eine neue Quelle gesucht, und gefunden. „Wir versuchen jetzt, die Bäume von Kleingartenvereinen zu verarbeiten“, erzählt Torke. In den Sparten müssen nämlich immer wieder alte Obstbäume gefällt werden, weil sie zu groß oder zu alt sind. Die beiden Tischdesigner rücken dann mit Säge und Werkzeug an und erledigen das Fällen des Baumes. Doch bis ein Tisch daraus werden kann, vergehen Wochen und Monate.

Zunächst wird der gefällte Baum in ein Schönfelder Sägewerk transportiert. Hier werden Bretter daraus gesägt. Anschließend werden diese getrocknet. „Wir arbeiten dabei mit einem Werk in Bischofswerda zusammen“, sagt Torke. Je nach Trocknungsart dauert das zwischen vier Wochen und drei Monaten. Danach ist konventionelle Tischlerarbeit angesagt: Die Bretter werden gehobelt, von der Rinde befreit und verleimt. Schließlich kommen noch die Beine dran, und fertig ist der Tisch. Behandelt wird er mit Ölen und Wachsen, manche werden auch geräuchert. „So wird aus dem Bäumchen, das früher vor der Laube stand, ein Tisch“, sagt Piasek.

Wer einen Tisch von „Esscultur“ haben möchte, muss zwischen 250 und 2500 Euro einplanen. „Dafür bekommt man garantiert ein Möbelstück, das wirklich einzigartig ist“, sagt Torke.