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Wo eine Frau ihren Mann steht

Ab Januar hat die WBV eine neue Geschäftsführerin.Zu ihrem Erbe gehören viele sanierte, aber auch viele leere Wohnungen.

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Von Cathrin Reichelt

Ausnahmsweise darf Ina Pugell schon einmal im Chefsessel Platz nehmen. Bis Ende des Jahres ist das offiziell aber noch der Platz von Siegfried Lohse. Seit 21 Jahren ist er der Geschäftsführer der Waldheimer Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (WBV). Ab 1. Januar übernimmt diese Funktion die 46-jährige Waldheimerin.

In der Branche bewandert

Sie weiß, womit sie es zu tun hat. Nach der Wende hat sie bei einem Steuer- und Wirtschaftsprüfer gearbeitet. „1997 bin ich dann zur Hainichener Wohnungs GmbH gewechselt“, erzählt die Mutter eines Kindes. Dadurch kenne sie die Branche recht gut. Zuletzt war sie die Kämmerin der Stadt Hainichen.

Dass Siegfried Lohse sie noch einarbeitet, dafür ist sie dankbar. Zwar wohnt sie in Waldheim und kennt die Gegend, aber welche Häuser zur WBV gehören und welche Sanierungspläne es gibt, wusste sie bisher nicht.

Die beiden kennen sich und können miteinander. Siegfried Lohse beschreibt ihr Verhältnis als kollegial, freundlich und hilfsbereit. Eine bessere Nachfolgerin habe er sich nicht wünschen können.

Siegfried Lohse hat die WBV in ihrer heutigen Form aufgebaut. „Die erste Zeit war für mich, wie eine Fahrt durch Nebel“, sagt der heute 63-Jährige. Durch die neuen Gesetze nach der Wende habe es in allen Richtungen Unsicherheiten gegeben. „Aber ich habe mich noch nie davor gescheut, Verantwortung zu übernehmen“, meint der ehemalige Elektroingenieur.

Um die Firma damals auf gesunde Füße zu stellen, musste er sich mit vielen Rückforderungen auseinandersetzen, die WBV für ein bestimmtes Mieterklientel interessant machen und den Anschluss an die Mitbewerber nicht verlieren, aber auch Mitarbeiter entlassen.

Hoher Leerstand

Von den 2000 Wohnungen zur Wende sind heute noch 700 übrig geblieben. Rund 140 Häuser wurden an ihre früheren Besitzer zurückgegeben, 200 unsanierte Wohnungen verkauft, für einige kam der Abrissbagger.

65 Prozent der bestehenden Wohnungen sind saniert. Seit 1998 hat die WBV für solche Projekte keine Kredite mehr aufgenommen, sondern alles aus Eigenmitteln finanziert. „Ich habe die Firma so geführt, als ob es meine eigene wäre. Man kann nur das ausgeben, was übrig ist“, so Lohse.

Der Niedermarkt 37/38 waren die ersten Häuser, die mit Fördergeld saniert werden konnten, die Bahnhofstraße 59 ist das bisher letzte. Dazwischen entstand 1996 an der Hainichener-/Hangstraße der einzige Neubau der WBV. Seitdem sind die 19 Wohnungen immer vermietet gewesen. Auch von den Garagen ist keine leer. Für sie gibt es sogar eine Warteliste. „Ich wäre froh, wenn es eine solche Liste auch für die Wohnungen gäbe“, meint der WBV-Chef.

Denn inzwischen hat sich die Situation umgekehrt. Aus dem Wohnungszuweiser ist ein Wohnungsanbieter geworden. Rund 20 Prozent der WBV-Wohnungen stehen leer. Sie sind nicht saniert. Solche Wohnungen lassen sich nicht mehr vermieten. Deshalb hat die WBV auch schon einige Häuser abgerissen, zum Beispiel an der Klostergasse, am Niedermarkt, an der Härtel-, Tal- und Feldstraße.

Sowohl mit dem Abriss, aber vor allem auch mit der Sanierung habe die WBV in Waldheim Zeichen gesetzt. Auch in Zukunft werde das Unternehmen für die Waldheimer Wohnraum sanieren, der bezahlbar ist. Denn Ina Pugell will Bewährtes fortführen. Und was fängt Siegfried Lohse mit seiner neu gewonnen Freizeit an? „Die ist durch meine Frau verplant“, meint er schmunzelnd.