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Wo es beim Hochwasserschutz noch klemmt

Über zehn Meter könnte die Elbe im schlimmsten Fall steigen. Dresdens Wohngebiete sollen aber erhalten bleiben.

© Steffen Füssel

Von Jana Mundus

Dresdens Umweltamtsleiter Christian Korndörfer ist demütig geworden. Nach der Flut im Jahr 2002 kennt er die Kraft des Wassers, weiß, welche Schäden ein Hochwasser verursachen kann. Als am Dienstag heftige Niederschläge über Dresden hereinbrechen, werden auch bei ihm Erinnerungen wach. „So etwas können Sie allerdings schlecht vorhersagen“, erklärt er. Eine Luftmassengrenze habe direkt über der Stadt gehangen und sich durch fehlenden Wind nicht bewegt. Der gesamte Regen traf Dresden. Im Westen der Landeshauptstadt kamen innerhalb einer halben Stunde 90 Liter herunter. Dass da bei vielen Bürgern die Angst vor dem nächsten Hochwasser wächst, ist auch Korndörfer klar. Die bisher letzte Flut jährt sich an diesem Wochenende zum ersten Mal.

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Ohne Schutz: Der Lockwitzbach bleibt ein Risikofaktor.
Ohne Schutz: Der Lockwitzbach bleibt ein Risikofaktor. © Marco Klinger
Die Bootstour durch Laubegast droht auch bei der nächsten Flut.
Die Bootstour durch Laubegast droht auch bei der nächsten Flut. © Steffen Füssel

Anfang Juni 2013 versanken Teile der Stadt wieder im Wasser. Bereits einige Tage vorher hatte es ergiebig geregnet. Die Bilanz nach über einer Woche: 170 Millionen Euro Schaden, 120 Millionen Euro davon an öffentlichen Einrichtungen. Knapp 51.600 Dresdner waren in den Katastrophengebieten direkt betroffen, für 13.300 gab es eine Evakuierungsempfehlung. In der gesamten Stadt wurden fast 1,6 Millionen Sandsäcke verbaut.

Stadt kennt Schwachstellen

„Auf solche Hochwasserereignisse müssen wir uns leider auch in Zukunft einstellen“, erklärt Korndörfer. Schäden würden sich deshalb nicht vermeiden lassen. Doch im Vergleich zu 2002 wäre die Stadt im vergangenen Jahr noch glimpflich davongekommen. Vor zwölf Jahren lag die Summe kommunaler Schäden noch bei 1,35 Milliarden Euro. „Das bedeutet, dass sich die seit damals ergriffenen Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes bereits bezahlt gemacht haben.“ Rund 162 Millionen Euro wurden investiert. Unter anderem in die Errichtung mobiler Hochwasserschutzwände, zweier Hochwasserpumpwerke und den Ausbau der Grundwasserüberwachung. Auch die Rückhaltekapazitäten des Kaitzbaches wurden erweitert und der Abfluss der Elbe verbessert. Doch die Stadt plant noch mehr.

Christian Korndörfer neigt nicht zur Schönmalerei. Er weiß, dass es in Dresden noch einige Schwachpunkte in Sachen Hochwasserschutz gibt: Neben Laubegast, der Leipziger Vorstadt und Pieschen sind das auch die Überschwemmungsgebiete am Lockwitzbach und am Niedersedlitzer Flutgraben. „An diesen Problemen arbeiten wir aber“, so der Leiter des Umweltamts. Lösungen gibt es aber noch nicht für alle Fälle. Doch nicht allein die Stadt wäre hier gefragt, der Freistaat Sachsen ist in der Pflicht – vor allem auch in finanzieller Hinsicht. „Hier müssen wir den Druck auf das Land eindeutig erhöhen“, ist er ehrlich. Einiges laufe momentan einfach zu langsam.

Schutz nicht überall möglich

Geplant wären unter anderem der Ausbau und die Erhöhung der Salzburger Straße, um im Hochwasserfall eine bessere Erreichbarkeit des Dresdner Ostens zu erreichen. Auch der Bereich an der Hermann-Conradi-Straße, der immer wieder von der Lockwitz überspült wird, müsse höher gelegt werden. Bereits Ende des Jahres soll indessen der Bau der Hochwasserschutzlinie entlang des alten Elbarms in Laubegast beginnen. Der Ausbau der Weißeritz geht bis 2020 ebenfalls weiter. Als nächstes an der Reihe ist der Abschnitt zwischen Löbtauer Straße bis nach Cotta. Die Stadt komplett vor dem Wasser zu sichern, wäre aber utopisch. Einige Bereiche könnten nur schwer geschützt werden. So reicht beispielsweise Zschieren weit in die Elbaue hinein. Hier hätte die Stadt aber auch mit den Anwohnern über die schwierige Lage gesprochen.

„Wir müssen uns außerdem darüber im Klaren sein, dass 9,24 Meter Elbpegel aus dem Jahr 2002 nicht der Höchststand war“, fügt der Leiter des Umweltamts hinzu. Rein rechnerisch könnten es in Zukunft auch weit über zehn Meter werden. Dass in bestimmten Bereichen allerdings Wohngebiete aufgegeben und geräumt werden, schließt Korndörfer aus. Die Stadt hat jedoch in den vergangenen Jahren bereits Überflutungsgebiete ausgewiesen, in denen nicht mehr gebaut werden darf, um dem Wasser Platz zu machen. „Wir erwerben aus diesem Grund auch regelmäßig Gebäude in gefährdeten Lagen, die zum Verkauf stehen, um sie abzureißen.

Weiterer Knackpunkt sind die Rechenmodelle für den Verlauf der Flut. Da gibt es Defizite. So stand das Wasser in Gohlis vor einem Jahr gut 30 Zentimeter höher als vorher prognostiziert. Zusätzlich werden weitere Online-Messstellen eingerichtet. „Die Vorbereitungen für diese Projekte laufen“, so Christian Korndörfer.