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Wo es im Landkreis am meisten regnet

Der Westen und der Süden bekommen besonders viel ab. Aber insgesamt wird es in der Region trockener und wärmer.

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© Uwe Soeder

Von Jana Ulbrich

Landkreis Bautzen. Am Donnerstagmorgen gibt Uwe Höhne Entwarnung. Es wird nicht so schlimm kommen wie vorhergesagt. Obwohl es seit dem Vorabend ununterbrochen schüttet, ist der Chef des Landeshochwasserzentrums sich sicher, dass die Flüsse und Bäche diesmal in ihren Betten bleiben.

Auf seinen Monitoren sieht Uwe Höhne es regnen. In Ostsachsen regnet es an diesem Donnerstag besonders hartnäckig. Rund 30 Milliliter sind hier schon bis zum Morgen gefallen, noch einmal so viel wird bis zum Abend zusammenkommen. Dann wird sich der Himmel wieder beruhigen. Die Flusspegel bleiben im grünen Bereich. Der Boden kann den gleichmäßigen Regen gut aufnehmen. Es besteht an diesem Donnerstag keine Hochwassergefahr.

Es hätte auch anders kommen können. Uwe Höhne weiß das nur zu gut. Extreme Starkregen-Ereignisse nehmen zu in der Lausitz. Vor allem auch örtlich begrenzte. In Schönbrunn bei Bischofswerda werden bei einem einzigen kurzen Regenguss Keller geflutet – ein paar Kilometer weiter fällt kein Tropfen. „In Zukunft werden wir häufiger mit so etwas rechnen müssen“, sagt Höhne. Obwohl es in der Region insgesamt trockener und heißer werden wird.

Häufigere Starkregenfälle

Noch genauer kann das Andrea Hausmann erklären, die beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie das Klima-Referat leitet. Egal, auf welche Berechnungsmodelle sich die Klimaforscher stützen, die Trends, sagt sie, sind inzwischen eindeutig. Es wird in Sachsen insgesamt trockener und wärmer werden. „Wir zählen bereits heute schon mehr Sommertage über 25 und mehr heiße Tage über 30 Grad als in den vergangenen Jahrzehnten“, sagt sie. „Ihre Anzahl steigt von Dekade zu Dekade kontinuierlich.“ Im Gegenzug sinkt im Winter – ebenso kontinuierlich – die Zahl der Frost- und Eistage mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.

Insgesamt ist die Jahrsdurchschnittstemperatur in den letzten 30 Jahren gegenüber dem Vergleichszeitraum davor in der Region um mehr als ein Grad gestiegen. „Wir erwarten, dass sich der Trend fortsetzt“, sagt die Klima-Expertin.

Starke Schwankungen möglich

Für die Niederschläge lässt sich eine Entwicklung nicht ganz so eindeutig nachweisen. „Es gibt da sehr starke Schwankungen“, erklärt Andrea Hausmann. So wurden im Vergleichszeitraum der letzten 30 Jahre 2003 als das trockenste und 2010 als das nasseste Jahr im Kreis Bautzen verzeichnet. Dabei ist 2010 insgesamt mehr als doppelt so viel Niederschlag gefallen als 2003. Trotz solcher Extrem-Jahre aber lässt sich auch für die Niederschläge bereits ein Trend ableiten, sagt Andrea Hausmann. Demnach wird es in den Monaten April bis Juni durchweg trockener in der Region. Besonders für die Landwirtschaft ist das problematisch. Im Hoch- und Spätsommer dagegen, zwischen Juli und September, werden zwar die Regensummen insgesamt wieder ausgeglichen, die Niederschläge fallen aber an viel weniger Tagen. Das wiederum bedeutet: Wir müssen häufiger mit Starkregen rechnen – und damit auch öfter mit Hochwasser. Das große Problem dabei: Die örtlichen Schauer und Gewitter sind nur sehr schwer vorherzusagen.

„Sie brauen sich in den Gebieten ganz unterschiedlich zusammen“, erklärt Heidrun Böttcher vom Deutschen Wetterdienst. Das hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab. In der Summe machen die örtlichen Regenfälle am Ende auch die unterschiedlichen Niederschlagsmengen aus, die der DWD an neun Stationen im Landkreis Bautzen misst. Die Frage, wo es im Landkreis am meisten regnet, lässt sich demnach nicht beantworten, sagt Heidrun Böttcher. Erkennbar ist höchstens, dass die Niederschlagsmengen vom höher gelegenen, eher hügeligen Süden des Landkreises zum flacheren Norden hin abnehmen. Aber selbst diese Beobachtung sei noch nicht so signifikant, als dass schon eine Tendenz abzulesen wäre, so Böttcher.

Bisher keine Hochwassergefahr

Für Uwe Höhne im Landeshochwasserzentrum sind solche Überlegungen ohnehin zweitrangig. Für ihn zählt die aktuelle Wetterlage. An diesem Dauerregen-Donnerstag hat übrigens Kleinröhrsdorf bei Radeberg den meisten Niederschlag abbekommen, den wenigsten Schönteichen bei Kamenz. Uwe Höhne kann das auf seinen Monitoren verfolgen, neben den Niederschlagsmengen auch die aktuellen Pegel der Bäche und Flüsse: Am späten Nachmittag sind sie immer noch alle im Grünen Bereich. Bei Burgneudorf führt die Kleine Spree sogar noch Niedrigwasser.

Auch wenn es sich so anfühlt: Es hat in diesem Jahr noch nicht überdurchschnittlich viel geregnet – bisher übrigens am wenigsten in Halbendorf/Spree (240 Millilier), am meisten in Schönteichen (450 Millilitern). Und 2015 war es überall zu trocken.

Stündlich aktualisierte Niederschlagsmengen, Pegelstände und Hochwasserwarnungen im Internet unter

www.umwelt.sachsen.de