SZ +
Merken

Wo Frauen den Ton angeben

Am Mittwoch ist Stabwechsel im Gottfried- Silbermann-Museum in Frauenstein. Juliane Herber wird die neue Chefin.

Teilen
Folgen

Von Brigitte Pfüller

Giesela Müller und Juliane Herber lieben Orgeln und kennen sich mit Gottfried Silbermann bestens aus. In den vergangenen Monaten haben beide das Silbermann-Museum in Frauenstein gemeinsam betreut und den Besuchern vieles erklärt, was es über den berühmten sächsischen Orgelbauer und seine Zeit zu wissen gibt. Doch jetzt steht ein Wechsel an: Am Mittwoch wird Juliane Herber ihren Job als neue Chefin übernehmen. Giesela Müller, die das Museum fast 21 Jahre leitete, wird zuvor mit einer Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet.

„Ich habe das Museum 1973 das erste Mal gesehen“, erzählt sie. In jenem Jahr hatte die damalige Leipzigerin gerade ihre Diplomarbeit als Diplom-Wirtschaftsingenieur geschrieben und ihre Mutter meinte, sie hätte sich einen Erholungsurlaub verdient. „Eigentlich wollte ich gar nicht nach Frauenstein, aber es war kein anderer Platz frei.“ Wie das Leben so spielt, am letzten Urlaubstag ging sie noch zum Tanz –und lernte dort ihren späteren Ehemann Harry kennen. Ein Jahr später zog sie nach Frauenstein und arbeitete im Museum mit, das zu jener Zeit als Heimatmuseum von ihrem Schwiegervater geführt wurde.

„Werner Müller machte das ganz faszinierend. Ihm ist es vor allem zu verdanken, dass diese Einrichtung so interessant ist. Er war ein begabter Erklärer und zugleich ein hartnäckiger Forscher. Er hat es 1984 zum 300. Geburtstag des Orgelbauers geschafft, das Stadtmuseum in ein Gottfried-Silbermann-Museum umzuwandeln.“

1991 ging der Staffelstab dann weiter an Giesela Müller. Auch sie hat es geschafft, in ihrer Zeit dem Museum ihren Stempel aufzudrücken. So hat sie unter anderem eine neue Abteilung über den Bruder Andreas Silbermann mit Originaldokumenten eingerichtet, der als Orgelbauer im französischen Elsass bekannt wurde.

Die „Krönung“ ihrer Laufbahn war aber die Orgel. Damit konnte zugleich ein Traum erfüllt werden, den die Stadt Frauenstein schon lange hatte: Denn 1994 wurde die Kopie einer Silbermann-Orgel im Museum eingeweiht, das dadurch an internationaler Bedeutung gewann. „Es war wie ein Wunder“, erinnert sich Giesela Müller. Denn kaum jemand hatte geahnt, dass jemals eine spielbare Orgel in Form einer Kopie für das Frauensteiner Museum nachgebaut werden könnte. „Das Instrument stand ursprünglich 1794 in der alten Etzdorfer Kirche bei Roßwein und es wurde nach dem Bau eines größeren Gotteshauses verkauft. Aktuell steht es im St. Petri Dom in Bremen.“

Die Hansestädter beauftragten 1993 den Dresdner Orgelbaumeister Kristian Wegscheider mit der Restaurierung des wertvollen Instrumentes und er fertigte in dieser Zeit eine Kopie für die Heimatstadt des sächsischen Orgelbauers Gottfried Silbermann. Als diese zur Weihe erklang, mussten viele Fachleute anerkennen, dass das Instrument meisterhaft gelungen war. Seitdem lädt Frauenstein zu seiner jährlichen Orgelkonzertreihe ein. Dieses Jahr wurde sie von Giesela Müller organisiert. „Künftig werde ich dann als Gast zuhören.“

Im kommenden Jahr wird Juliane Herber zu den Silbermann-Konzerten nach Frauenstein einladen. Die 27-Jährige stammt aus der Oberlausitz und sie hat Kulturmanagement studiert und zuvor in Görlitz, Dresden und Sheffield gearbeitet. Sie wohnt im benachbarten Hennersdorf und ist von Frauenstein und dem Museum begeistert. „Deshalb möchte ich unsere Einrichtung gern noch intensiver für Kinder und Jugendliche öffnen“, umreißt sie ihre Pläne. Dazu soll möglicherweise die Internetseite erneuert werden. Die Unterstützung der Stadtverwaltung hat die Nachfolgerin offensichtlich schon errungen. Denn durch eine interne kostenneutrale Personalumstrukturierung erhält das Museum ab 1. Februar 2012 ganzjährig drei feste Mitarbeiter. Bisher waren es nur zwei. „Das sind als meine Assistentin Anke Hähnel aus Bannewitz sowie die Museologin und im Besucherservice Cornelia Ferguson aus Frauenstein“, freut sich Juliane Herber.

Das nächste Konzert der 19. Frauensteiner Orgeltage wird am 19. Februar veranstaltet. Es spielt der Freiberger Domkantor KMD Albrecht Koch.