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Wo Freud und Leid zu Hause sind

Wir stellen „Gute Seelen“ vor, die eher im Hintergrund als im Vordergrund arbeiten. Heute: Sigrid Roeser.

Sigrid Roeser (rechts) verbindet mit der Laurentiuskirche sehr viel. Für die 69-Jährige ist der Andachtsort wie ein zweites Zuhause, das es zu ehren und zu pflegen gilt. Ihr hohes Engagement beeindruckt auch Pressesprecherin Katrin Klein (links).
Sigrid Roeser (rechts) verbindet mit der Laurentiuskirche sehr viel. Für die 69-Jährige ist der Andachtsort wie ein zweites Zuhause, das es zu ehren und zu pflegen gilt. Ihr hohes Engagement beeindruckt auch Pressesprecherin Katrin Klein (links). © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Lauta. Wenn Sigrid Roeser über „ihre“ Dorfkirche in Lauta Dorf spricht, schwingen Begeisterung und Faszination mit. Emotionen, die ein tiefes Gefühl der inneren Verbundenheit offenbaren. Das Gotteshaus begleitet und prägt seit vielen Jahrzehnten das Familienleben der 69-Jährigen. 

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Schon ihr Großvater hatte eine besondere Beziehung zur Laurentiuskirche. „Er hat es uns so vorgelebt. Das hat mich als Kind schon sehr beeindruckt. Mein Opa war mein Vorbild. Er sagte immer: «Unsere Kirche soll wie eine kleine gute Stube in einem Zuhause sein.».“ Und so hält sie es bis heute.

Getauft, konfirmiert und getraut

Sigrid Roeser wurde in der Laurentiuskirche nicht nur getauft und konfirmiert. Am Altar gab sie sich mit ihrem Ehemann auch das Ja-Wort. Die Seniorin kennt die Geschichte des Andachtsortes, der sich durch viele kleine Details von anderen Kirchgebäuden unterscheidet, in- und auswendig. Seit fast zwanzig Jahren engagiert sich Sigrid Roeser auch im Gemeindekirchenrat. Als deren Vorsitzende tut sie mehr, als es das Ehrenamt verlangt. Viel mehr. Aber das ist für die 69-Jährige, die nicht gern im Mittelpunkt steht, selbstverständlich. Die Dorfkirche ist wie ein zweites Zuhause für sie. Eine „gute Stube“, in der es wie in einer großen Familie zugeht, in dem Freud und Leid miteinander geteilt werden.

In unserem Gotteshaus soll sich jeder wohlfühlen. Es ist ein besonderer Ort der Begegnung und des Miteinanders, den unsere Einwohner sehr zu schätzen wissen. Unsere Kirche hat für mich und viele andere Menschen einen sehr hohen ideellen Wert, den es zu ehren, zu pflegen und zu schätzen gilt“, meint Sigrid Roeser. Nahezu täglich zieht es die Seniorin, die über ihr Engagement nicht gern viele Worte verliert, in die Dorfkirche. Sigrid Roesers Motto scheint zu lauten: „Tue Gutes – und rede nicht darüber.“ Schließlich gäbe es immer etwas zu tun, und sei es auch nur das gefühlte Erfordernis, nach dem Rechten zu schauen. Es sind die vielen Kleinigkeiten, die alles zu einem harmonischen Gesamtbild zusammenfügen.

Sigrid Roeser wird auch oftmals um Rat gefragt – gleicht die 69-Jährige doch einem wandelnden Lexikon. Als Vorsitzende des Gemeindekirchenrates kennt sie nicht nur die historische Entwicklung der Dorfkirche. Auch der Umgang mit Behörden und die sehr aufwendige Umsetzung von Anträgen und Gutachten, Organisationen und anderen bürokratischen Dingen sind bei ihr in sehr guten Händen. Auch wenn das Prozedere oftmals sehr nervenaufreibend ist: Sigrid Roeser gibt niemals auf. „Sie kann auch äußerst unbequem sein. Und das ist sehr positiv gemeint. Sie zerredet die Dinge nicht, sondern handelt. Sie ist eine gute Seele und unser Motor, der alles am Laufen hält“, meint die Pressesprecherin des Gemeindekirchenrates Katrin Klein über die 69-Jährige.

Durchhaltevermögen, Engagement und Durchsetzungskraft hat Sigrid Roeser auch bei den Vorbereitungen des jüngsten Bauprojektes bewiesen, für das die historisch wertvolle Laurentiusglocke und ein weiterer Klangkörper vorerst verstummen mussten. Das war ein sehr bewegender Moment für die Einwohner von Lauta Dorf, als die beiden 500 Jahre alten Glocken aus dem baufälligen Kirchenturm Anfang Juli abmontiert und zur Reparatur abtransportiert wurden.

Eigenkapital 50.000 Euro

Schließlich handelt es sich hierbei auch um die historische Laurentiusglocke, die seit 1934 Teil des Stadtwappens ist. Insgesamt kosten die Turmsanierung und die Glockenreparatur etwa 140.000 Euro. Der Gemeindekirchenrat und viele weitere Enthusiasten rühren deshalb seit längerer Zeit kräftig die Werbetrommel und stellen viele Veranstaltungen auf die Beine, um das notwendige Eigenkapital in Höhe von 50.000 Euro finanzieren zu können. Die Restsumme wird vom Landkreis Bautzen und Fördermitteln getragen.

Apropos „gemeinsam“ – eines ist Sigrid Roeser abschließend noch ganz wichtig: „Das was wir bis jetzt alles geschafft haben, konnten wir nur zusammen erreichen. Ohne die Hilfe der Mitglieder, Helfer und Unterstützer wären wir nicht so weit gekommen.“ Womit wir wieder beim eingangs bereits erwähnten Sprichwort wären: „Tue Gutes – und rede nicht darüber ...“

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