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Wo genau liegt das Scheunenhofcenter?

Am neuen Pirnaer Einkaufszentrum irritieren derzeit zwei Straßenschilder. Und gab es an dieser Stelle jemals einen historischen Scheunenhof?

Schilder am historischen Teil des Scheunenhofcenters in Pirna: Ein Straße und plötzlich zwei Namen?
Schilder am historischen Teil des Scheunenhofcenters in Pirna: Ein Straße und plötzlich zwei Namen? © Daniel Förster

Es ist nicht mehr lange hin, dann geht in Pirna ein neues großes Einkaufszentrum an den Start. Bauherr Edeka will das Scheunenhofcenter in der Innenstadt am 2. September eröffnen. Der Schriftzug "Scheunenhof" prangt schon groß an der Fassade. 

Mit dem Komplex, der ein wenig der zerklüfteten Felsenwelt des Elbsandsteingebirges  nachempfunden ist, entstand in drei Jahren Bauzeit ein völlig neues Quartier. Zuvor war die Fläche Brachland, lediglich die Reste historischer Bausubstanz standen noch auf dem Areal. Das inzwischen sanierte Haus ist nun Bestandteil des Scheunenhofcenters. 

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Das Einkaufszentrum grenzt an drei Straßen: Robert-Koch-Straße, Bahnhofstraße und Hospitalstraße. Der historische Teil steht an der nordöstlichen Ecke, er grenzt mit seiner langen Seite an die Bahnhofstraße, mit der schmalen Seite an den sich anschließenden Kreisverkehr. Daran ist grundsätzlich nichts ungewöhnlich. 

Zweifel am Straßennamen

Ungewöhnlich indes ist die Debatte, die vor einigen Tagen entbrannt ist. Einige Pirnaer fragen sich, zu welcher Straße der historische Teil - vor allem dessen schmale Giebelseite - nun wirklich zeigt. Irritierend auf sie wirken zwei Namensschilder, und bei vielen kam die Vermutung auf: möglicherweise stimmt da etwas nicht. 

Handwerker hatten kürzlich an dem sanierten Haus zwei Straßennamen angebracht. Einmal den Namenszug "Bahnhofstraße", der auch zu dieser Trasse zeigt. Und einmal an der schmalen Seite das neue Schild mit der Aufschrift "Dohnaischer Platz". 

Einige Pirnaer halten die letztere Bezeichnung schlichtweg für falsch. Sie sind der Ansicht, die schmale Seite des historischen Objekts zeige vielmehr zur Robert-Koch-Straße, schräg gegenüber steht auch das Schild "Robert-Koch-Straße". Für sie steht fest, dass der Dohnaische Platz erst mit dem Haus vor dem ehemaligen Hotel "Schwarzer Adler" beginnt. Aber was stimmt jetzt?

Der Kreisel gehört zum Dohnaischen Platz

Aufschluss darüber gibt ein Blick ins städtische Straßenkataster. Das Areal, auf dem das historische Haus des Scheunenhofcenters steht, ist das Grundstück Bahnhofstraße 1, insofern ist die Bezeichnung an der Längsseite richtig. 

Nach Aussage des Rathauses stimme auch das Schild "Dohnaischer Platz" an der anderen Seite, was sich aus der Straßenkarte ergebe. 

Die Goethe-Oberschule hat die Adresse Dohnaischer Platz 1, das frühere Hotel "Schwarzer Adler" ist die Hausnummer 2, das Haus im Anschluss die Nummer 3, das unbebaute Eckgrundstück am Kreisverkehr ist das Grundstück Dohnaischer Platz 4.

Und entgegen vieler Meinungen gehöre der Kreisverkehr, an dem Kochstraße, Bahnhofstraße, Grohmannstraße und Dohnaischer Platz aufeinander stoßen, nach Auskunft der Stadt komplett zum Dohnaischen Platz. Die Grenze verlaufe direkt an der schmalen Seite des historischen Gebäudes. Demzufolge sei das Straßenschild an dieser Stelle für diesen kurzen Abschnitt richtig. Die Kochstraße beginne erst nach der Ein- und Ausfahrt zum Kreisel. 

Diese Karte der Stadt Pirna gibt Auskunft, wie weit die jeweiligen Straßenbereiche rund um das Scheunenhofcenter gehen.
Diese Karte der Stadt Pirna gibt Auskunft, wie weit die jeweiligen Straßenbereiche rund um das Scheunenhofcenter gehen. © Visualisierung: Stadt Pirna

Ein Geheimnis bleibt

Darüber hinaus stellen sich aber noch andere Fragen: Woher leitet sich der Name "Scheunenhofcenter" eigentlich ab? Gab es an dieser Stelle jemals einen historischen Scheunenhof?

Der Pirnaer Historiker Rainer Rippich hat dazu in alten Bauakten recherchiert. Er förderte einiges zutage, ein Geheimnis konnte er jedoch nicht lüften.

Das barocke Wohnhaus Bahnhofstraße 1, so ermittelte Rippich, erbaute sich 1770/85 der Rats- und Amtsmaurermeister Johann Daniel Kayser. Später stand das Gebäude im Besitz von Karl Dietze, ein Planen- und Säckefabrikant. Dietze hatte es von dem Kaufmann Gustav Krell übernommen.

An die Bahnhofstraße 1 schlossen sich einst bis zur Hospitalstraße verschiedene Kunst- und Handelsgärtner an. Die Häuser standen an der Bahnhofstraße, die Gärtnereien mit Gewächshäusern dehnten sich in Richtung der heutigen Siegfried-Rädel-Straße aus. 1895 gab es an der Bahnhofstraße mit Richard Gregor, Otto Hebold und Theodor Peppich drei von damals insgesamt 18 Pirnaer Gärtnereien. 

Gärtnereibesitzer Richard Gregor eröffnete 1890 eine Blumenhalle,  die einigen noch als Riedels Blumenhalle im Gedächtnis sein könnte. Später mietete sich dort ein Imbiss ein, der Flachbau stand lange als Ruine an der Bahnhofstraße, bis das Scheunenhofcenter errichtet wurde. 

Archiv-Akten kennen keinen Scheunenhof

Am 1. August 1941 kam es zu einem Eigentümerwechsel, als die Deutsche Reichspost das Grundstück Bahnhofstraße 1 von den Erben der Familie Dietze übernahm. Nach 1949 ging das Gebäude in den Besitz der Deutschen Post über und diente auch als Wohnhaus.

Oft, so recherchierte Rippich, beschwerten sich die Mieter über den miserablen Zustand des Hauses, sodass es Mitte der 1960e-Jahre saniert wurde. Mit Beginn der 1990er-Jahre stand das Gebäude weitgehend leer und wartete lange auf die nächste Sanierung, die erst mit dem Bau des Scheunenhofcenters kam. 

Ungeklärt bleibt aber, wie das Ensemble zu dem Namen kam, der heute das Einkaufszentrum prägt. "Den Begriff Scheunenhof", sagt Rippich, "kann man in keiner Archiv-Akte finden." 

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