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Wo Hunde ohne Leine laufen dürfen

Hundefreunde wollen ihrem Tier Auslauf gönnen, Spaziergänger fühlen sich bedrängt - was ist im Landkreis Bautzen wo erlaubt?

Hunde können sich an vielen Stellen in Bautzen ohne Leine bewegen. Darin sehen einige Menschen auch Gefahren.
Hunde können sich an vielen Stellen in Bautzen ohne Leine bewegen. Darin sehen einige Menschen auch Gefahren. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Leine ist los. Dieses Boxer-Weibchen kann sich zwischen der Neuschen Promenade und der Neustädter Straße in Bautzen frei bewegen, weil es mit seiner Halterin in einer der Hundeauslaufzonen der Stadt unterwegs ist. Auf einer Karte können Hundehalter nachschauen, wo in Bautzen Leinenpflicht besteht und wo nicht. In der Polizeiverordnung der Stadt Bautzen heißt es: „Hunde sind innerhalb der geschlossenen Ortslage an der Leine zu führen.“ In Bautzen betrifft das aktuell 1.153 Hunde. Wer mit denen ohne Leine etwa in Auritz, Stiebitz oder Oberkaina abseits der Wohnhäuser unterwegs ist, ist auf der sicheren Seite. 

Auch in Bischofswerda und Kamenz ist der Umgang mit Tieren in den jeweiligen Polizeiverordnungen geregelt. Ähnlich wie in Bautzen gilt in Bischofswerda die Leinenpflicht für Hunde „innerhalb der Ortslage“. Stadtsprecher Sascha Hache sagt, dass sich die meisten Halter vorbildlich verhalten würden. 432 Hunde sind derzeit hier angemeldet. Leinenlos treffe man sie bevorzugt im Stadtwald oder den Ortsrandlagen. In Kamenz gilt die Leinenpflicht in einem festgelegten Gebiet von 7 bis 20 Uhr. Auch hier sind das vor allem bebaute Straßen und Plätze.

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Alle drei Städte regeln in ihren Verordnungen aber nicht nur, wo die Leinenpflicht gilt. „Der Führer eines Hundes hat dafür Sorge zu tragen, dass der Hund Menschen nicht belästigt sowie weder Menschen, Tiere noch Sachen gefährdet“, heißt es in der Bautzener Polizeiverordnung. Die Kamenzer gehen noch konkreter auf die Halter ein. „Im Sinne dieser Vorschrift geeignet ist jede Person, der das Tier, insbesondere auf Zuruf, gehorcht und die zum Führen des Tieres körperlich in der Lage ist.“

Ermittlungen wegen Körperverletzung

Genau daran haben aber manche Menschen Zweifel. Christoph Mehnert ist Präsident des Bautzener Leichtathletik-Vereins „Rot-Weiß 90“ und Übungsleiter der dortigen Laufgruppe. Diese treffe sich meist an der Müllerwiese und laufe dann durchs Spreetal. „Ich bin da sicher sehr sensibel, weil ich beim Laufen zwei Mal von Hunden gebissen wurde, aber ich kann den Tieren nicht ansehen, wie sich verhalten“, sagt er. Manche seiner Lauffreunde sehen das ähnlich, andere seien da entspannter.

„Manche Halter nehmen ihre Hunde an die Seite, wenn sie unsere Laufgruppe kommen sehen. Andere sind weit von ihren Tieren entfernt“, so Mehnert und fügt an: „Wenn es nach mir ginge, gäbe es überall Leinenpflicht. Auf der anderen Seite könnte ich auch weniger empfindlich sein und will nicht alle Halter über einen Kamm scheren.“

Dass es etwa in Bautzen durchaus zu ernsten Zwischenfällen mit Hunden kommt, bestätigt die Polizeidirektion Görlitz. Demnach habe es seit dem 1. Januar 2019 bis heute fünf Straftaten gegeben. „In allen Fällen wurden Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung aufgenommen“, so Sprecher Kai Siebenäuger. So haben Hunde Menschen gebissen, gezwickt oder sie angesprungen. Dabei seien die Tiere in drei Fällen sogar angeleint gewesen.

Die Stadt Bautzen verzeichnet pro Jahr etwa zehn Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit Hunden. Dazu gehören Verstöße gegen die Leinenpflicht oder Hundekot, der nicht beseitigt wurde. In Kamenz gab es 2019 ebenfalls zehn solcher Verstöße, wie Stadtsprecher Thomas Käppler mitteilt, in diesem Jahr bisher noch keinen. Manche Bürger würden aber die geltenden Regeln gar nicht kennen. Die Stadt überlege nun, mit den neuen 727 Hundemarken auch die wichtigsten Informationen aus der Polizeiverordnung an die Halter zu schicken.

Jungtiere sind leichte Beute

Das Problem mit den Haltern sieht auch Volker Kurz, Leiter der Regionalgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland für die Landkreise Bautzen, Görlitz und Sächsische Schweiz: „Natürlich machen schlecht sozialisierte Hunde Probleme. Deswegen bin ich auch für den Hundeführerschein an zertifizierten Hundeschulen.“ Der ist aktuell nur für sogenannte Listenhunde erforderlich, die als gefährlich angesehen werden. Volker Kurz, selbst Halter von mehreren Hunden, macht sich gerade jetzt im Frühjahr Sorgen: „Es ist Brutzeit und Jungtiere sind relativ leichte Beute.“ Jagdhunde oder Hunde mit starkem Jagdtrieb würden laut Kurz „auch mal einfach loslaufen und wildern“.

Nicht nur für solche Fälle gibt es Hundeschulen wie die „Pfotentrainer“ von Susan Schulze und ihrer Mutter im Großharthauer Ortsteil Bühlau. Auch Susan Schulze wäre dafür, den Sachkundenachweis, wie der „Hundeführerschein“ offiziell heißt, verpflichtend zu machen. Und sie rät potenziellen Haltern, sich vor dem Kauf mit dem Thema zu beschäftigen.

„Viele Familien schaffen sich einen Hund an, wissen aber gar nicht, ob er zu ihrem Leben passt, und haben oft auch zu wenig Zeit. Einen Hund in die Familie zu integrieren, ist harte Arbeit.“ Über die Leinenpflicht könne man sicher streiten. Sie weiß, dass Hunde Bewegung brauchen, kann die Bedenken von Volker Kurz und Christoph Mehnert aber auch verstehen. „Wenn ich meinen Hund nicht kontrollieren kann, gehört er an die Leine.“

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