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Wo ist das Bauland am günstigsten?

Auf dem Land. Aktuelle Zahlen für den Kreis belegen das.

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© SZ-Grafik/ Gernot Grunwald

Von Reiner Hanke

In Großröhrsdorf brummt der Häuslebau. Das ist schon von der Staatsstraße aus im Niederdorf zu sehen. Drei hübsche Eigenheime wachsen dort auf dem Gelände der früheren Tischfabrik. Zwei sind schon fast fertig. Bürgermeisterin Kerstin Ternes bestätigt den Trend. Nach Jahren der Flaute könnte fast von einem Boom die Rede sein, schätzt sie ein und zählt auf: auf dem Tischfabrikgelände, an der Adolfstraße, an der Bachstraße, an der Freiheitsstraße. Schnell kommen zehn Baustellen zusammen. Die Nachfrage nach Bauland sei so groß, dass erst jüngst Bauplätze für 35 neue Häuser auf den Weg gebracht wurden. Die derzeit günstigen Baukredite fördern den Trend zum Eigenheim. Für die Suche nach dem passenden Bauland gibt es viele Kriterien: die Lage und die Infrastruktur zum Beispiel. Aber auch der Bodenpreis kann eine Entscheidungshilfe sein. Im Landratsamt beschäftigt sich damit ein Gutachterausschuss und ermittelt Bodenrichtwerte, so der Fachbegriff. Den für ausgewählte Regionen zu erfahren, soll jetzt leichter werden. Derzeit füttern die Fachleute das Geoweb Bautzen mit den aktuellen Daten. „Es ist ein laufender Prozess“, so Kreissprecherin Sabine Rötschke. Das Geoweb ist ein Internet-Service des Landratsamtes.

Warum ist Kamenz noch ein leerer Fleck auf der Bauland-Karte?

Das System ist noch im Aufbau. Es werden kontinuierlich weitere der aktuell von den Gutachtern ermittelten Daten eingespeist und mit Hintergrundinformationen zum Standort verknüpft. In Kamenz bewegen sich die Quadratmeterpreise zwischen 10 Euro/m² in Hennersdorf am Stadtrand und 60 im Bereich Hutberg bis Lessingplatz. Wie in allen Städten der Region wurden die Stadtkernsanierungsgebiete vorerst ausgeklammert. Oder die Richtwerte sind derzeit noch nicht repräsentativ. Das hängt mit dem Sanierungsstand in den Sondergebieten zusammen. Auskünfte dazu gebe der Gutachterausschuss in Kamenz, so der Vorsitzende Heinrich v. Roux.

In welchen Regionen des Kreises

ist das Bauen günstig?

Im ländlichen Raum. Dort sind zum Beispiel im Umland der Kreisstadt Bautzen Preise um fünf bis zehn Euro/m² möglich. In Zentrumsnähen steigen sie bis auf 119 Euro/m² zwischen Karl- Marx- und Tuchmacherstraße. Richtung Kamenz/Rödertal/Dresden ziehen die Preise im ländlichen Raum etwas an. Im einstelligen Bereich ist da seltener ein Richtwert auszumachen, mal abgesehen von Flächen an der Autobahn, zum Beispiel in Ohorn. Aber es gibt auch kaum Spitzenwerte wie in Bautzen. Schauen wir in die Städte. In Großröhrsdorf schwankt der Quadratmeterpreis zwischen 23 und 45 Euro, je nach Lage. Im benachbarten Radeberg geht es bis 100 Euro/m² hoch zum Beispiel am Silberberg. In Pulsnitz an der Großröhrsdorfer Straße springt der Preis auf 60, in Teilen der Waldschlösschensiedlung sogar auf 65 Euro/m² und bezeichnet damit auch Spitzenlagen in der Region. Aber auch in kleineren Dörfern gibt es solche Ausreißer, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Am Keulenbergblick in Großnaundorf liegt der Richtwert für den Baulandpreis bei 45, im Ort liegt er bei 15 Euro/m². In Reichenbach am Lindenberg bei 40 Euro/m². Bemerkenswert groß ist auch die Preisspanne. Die reicht zum Beispiel in Königsbrück von 8 Euro/m² im Ortsteil Glauschnitz bis 48 in der Eigenheimsiedlung am Kunathsberg.

Wie werden die Richtwerte für Bodenpreise ermittelt?

Um die Durchschnittswerte zu ermitteln, werden über zwei Jahre tatsächliche Kaufpreise für erschlossene Baugrundstücke gesammelt und ausgewertet. Zugleich wird die Qualität der Erschließung einbezogen. Mit modernen Anlagen erschlossenes Bauland in Eigenheimgebieten ist erfahrungsgemäß teurer. Ein Grund für die großen Preisschwankungen zwischen Land und Stadt. Hinzu kommt: Je mehr Infrastruktur vom Lande verschwindet, vom Einkaufsladen bis zur Schule, umso schwerer sei es junge Leute für den Bau dort zu begeistern.

Sind diese Richtwerte bindend

für Grundstücksgeschäfte?

Nein. Es ist so ähnlich wie mit der Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn. Die Bodenpreise für Bauland dienen ausschließlich der Orientierung. Letztlich würden Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, so Silvia Kahden vom Gutachterausschuss.

Wie haben sich die Preise in den letzten Jahren entwickelt?

Es sind laut Gutachter kaum Schwankungen zu beobachten. Sie liegen meist im Bereich weniger Euro – nach oben oder unten. Bei den Grundstücksverkäufen im Kreis registrierte aber auch Gutachter Heinrich v. Roux „einen leichten Anstieg“. Zwischen 2009 und 2012 etwa 7 Prozent in Großröhrsdorf sogar knapp 20.

Zugriff auf die Daten im Geoweb Bautzen erhält man über die Internetadresse: http://cardomap.idu.de/lrabz; Gutachterausschuss: [email protected]