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Wo ist Petra?

Seit Dienstag sucht die Polizei mit Beamten, Hubschrauber und Hunden nach einer aus dem Klinikum verschwundenen Frau.

Von Ralph Schermann

Seit Dienstag ist Petra Bein unauffindbar. Die 54-jährige Frau verließ irgendwann am frühen Vormittag das Görlitzer Klinikum an der Girbigsdorfer Straße. Dort war sie wegen psychischer Probleme als Patientin stationär aufgenommen worden.

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Demenzsensibles Krankenhaus St. Carolus
Demenzsensibles Krankenhaus St. Carolus

Jeder dritte bis vierte Patient bringt die Nebendiagnose Demenz mit ins Krankenhaus. Das St. Carolus in Görlitz geht einen besonderen Weg und hilft damit allen Beteiligten.

Die Klinikleitung verständigte nach Bekanntwerden dieser Situation um 9.52 Uhr die Polizei. Denn „eine akute Gefahr für Leib und Leben ist nicht auszuschließen“, bestätigt der Sprecher der Görlitzer Polizeidirektion, Thomas Knaup. Zwar bestehe keine Sorge wegen fehlender Medikamente, wohl aber durch mögliche Wahnvorstellungen der Gesuchten. Die Vermisste wird den Einsatzkräften als psychisch labil beschrieben und macht die Suche nach ihr noch aus einem anderen Grund sehr schwer: „Die Frau neigt dazu, sich zu verstecken“, berichtet Thomas Knaup nach einem Hinweis der Mediziner.

Das Görlitzer Polizeirevier setzte zuerst in der Umgebung des Klinikums alle verfügbaren Streifen zur Suche ein. Auch aus anderen Orten wurden Suchgruppen herangeholt, Bundespolizei und Zoll mit informiert. Eine Nachforschung bei allen Bekannten und möglichen Zielorten blieb ergebnislos. Im Patientenzimmer sicherten Revierbeamte persönliche Sachen der Vermissten, nach denen Suchhunde möglicherweise die Spur aufnehmen könnten. Spürhunde des Polizeidirektion witterten zwar einen kurzen Weg bis auf Höhe der Königshufener Aral-Tankstelle, brachen dann aber ab. „Bei über 30 Grad Celsius ist so eine Spurensuche auch sehr schwer für die Tiere“, sagte ein Hundeführer. Ein später nach Görlitz geholter Spezialhund, ein sogenannter Mantrailer, verlor gegen 19 Uhr im wildwachsenden Dickicht des Dreiecks zwischen Schlesischer-, Scultetus- und Nieskyer Straße die Spur.

Die Suche mit allen verfügbaren Kräften wurde bis Mitternacht fortgesetzt. Dazu wurde auch ein Hubschrauber der Landespolizei aus Dresden eingesetzt. Zahlreiche Görlitzer bekamen es mit, denn bei der schwülwarmen Nacht zum Mittwoch hatten viele Bürger Wohnungsfenster geöffnet. So war das laute Geräusch des Hubschraubermotors von 23 Uhr an knapp eine Stunde nicht nur in Königshufen zu hören. Passanten erkannten den fast regungslos am Himmel stehenden Helikopter an den grünen und roten Positionslichtern, während sich in den weißen Lichtblitzen des Fluggerätes die Rotorblätter spiegelten. Vom Hubschrauber aus wurden Schritt für Schritt das Kidrontal und weitere Grünflächen über den Friedhof bis hin nach Klingewalde mit einer Wärmebildkamera abgescannt – ebenso erfolglos wie die weitere Suche gestern. Angehörige und Polizei wenden sich daher an die Bevölkerung und fragen: Wer hat Petra Bein gesehen oder kann sagen, wo sie sich aufhält?

Die Vermisste ist 172 cm groß und etwa 90 Kilogramm schwer. Sie läuft leicht vornüber gebeugt. Vermutlich ist sie mit einem türkisblauen T-Shirt, schwarzen Leggins und blauen Gummischuhen bekleidet. Ihr blond gefärbtes Haar trägt Petra Bein meist mit einer Spange zu einem Zopf zusammengebunden. Sachdienliche Hinweise nimmt das Polizeirevier Görlitz auf der Gobbinstraße 5/6 ebenso entgegen wie jede andere Polizeidienststelle. Telefonische Hinweise werden unter 03581 650224 erbeten. „Unabhängig davon setzen wir natürlich auch am Donnerstag die Suche nach der Vermissten fort“, bekräftigt der Leiter der Görlitzer Reviers, Raik Schulze.