merken
PLUS Döbeln

Wo leben Döbelns Fledermäuse?

Auch in Mittelsachsen gibt es Quartiere der Tiere. Doch viele Hausbesitzer halten sich mit Informationen darüber zurück.

In Mittelsachsen siedeln sich immer mehr Fledermausarten an. |
In Mittelsachsen siedeln sich immer mehr Fledermausarten an. | © Klaus Bogon/Landkreis Fulda

Region Döbeln. Wer dieser Tage abends in der Dämmerung in seinem Garten oder auf dem Balkon sitzt, der kann sie manchmal vorbeihuschen sehen. Die Rede ist von Fledermäusen, die auch in Mittelsachsen heimisch sind. Aber wo genau, dazu liegen aktuell nur unvollständige Informationen vor, sagt Esther Pašalić. Sie leitet die Koordinierungsstelle Fledermausschutz am Landratsamt in Mittelsachsen.

Doch warum liegen so wenige Angaben über die Quartiere der Tiere vor? Als Ursache benennt Pašalić hier die Scheu der Mittelsachsen, zuzugeben, dass Fledermäuse in einem ihrer Gebäude Quartier bezogen haben. Meist lebten die Tiere auf dem Dachboden oder hinter einer Verkleidung, sagt die 40-Jährige, die seit September 2019 für die Fledermäuse in Mittelsachsen zuständig ist. „Es gibt auch waldbewohnende Arten, die ihre Quartiere in Bäumen haben, zum Beispiel in alten Spechthöhlen“, ergänzt Pašalić.

StadtApotheken Dresden
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da

Die Stadt Apotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

18 verschiedene Arten im Landkreis

Knapp 18 verschiedene Arten soll es im Landkreis geben, 22 in Sachsen, um die 25 in ganz Deutschland. „Bei einigen Arten haben sich die Bestände reduziert, weil zum Beispiel Quartiere unbeabsichtigt zerstört worden sind“, sagt Pašalić. Andere Arten, so zum Beispiel auch die Kleine Hufeisennase, würden sich im Zuge des Klimawandels mehr und mehr in der Region ansiedeln. Allgemein gingen die Bestände allerdings zurück. Eine weitere Ursache dafür sei neben den Verlusten der Quartiere die Verwendung von Insektiziden sowie die zunehmende Monokultur in der Landwirtschaft. Denn dadurch fehle es an Insekten, von denen sich die Fledermäuse ernähren.

Tiere stehen unter Naturschutz

Umso wichtiger sei es, die Bestände zu schützen. Doch dafür sei es notwendig, die Quartiere zu kennen. Daher hat das Landratsamt nun dazu aufgerufen, bekannte Quartiere zu melden. „Aber viele Leute wollen nicht sagen, dass bei ihnen Fledermäuse leben, weil sie Angst vor den Folgen haben“, meint die Expertin.

Dabei ginge es zum Beispiel um die Frage, was mit den Quartieren passiere, wenn eine Sanierung geplant sei. Denn ein solches einfach so zu entfernen, sei nach aktueller Gesetzeslage verboten. „Die Tiere und ihre Quartiere stehen unter Naturschutz“, macht Esther Pašalić deutlich. Alternative für die Bauherren sei zum einen, die Sanierung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Schließlich gebe es Sommer- wie Winterquartiere. Im Zuge der Baumaßnahme könnte für die Tiere ein Zugang zum bisherigen Quartier geschaffen werden. Denn die Fledermäuse sind quartiertreu und kommen oft über mehrere Jahre hinweg an die Standorte zurück. „Es gibt viele Möglichkeiten, die ein Vorhaben auch nicht teurer werden lassen“, betont Esther Pašalić.

Keine Gefahr für den Menschen

Angst vor einer Übertragung des Coronavirus durch die Tiere auf den Menschen brauchen die Mittelsachsen übrigens nicht haben. Obwohl eine Fledermaus als Ausgangspunkt von Covid-19 im chinesischen Wuhan gilt. Nach aktuellem Kenntnisstand seien einheimische Fledermäuse nicht mit Sars-Cov-2 infiziert, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes. Zudem könnten sich Menschen nicht direkt bei den Tieren anstecken. „Eiweiße auf der Oberfläche der Fledermausviren, die für ein Eindringen in die Zellen nötig sind, passen nicht an menschliche Zellen.

Viren brauchen Zwischenwirte

Das heißt, bei SARS-ähnlichen Coronaviren sind immer Zwischenwirte nötig, um einen Erreger entstehen zu lassen, welcher bei Menschen Krankheiten auslöst“, so das Landratsamt. Die Voraussetzungen dafür seien zum Beispiel die Haltung gestresster und immungeschwächter Tiere unter schlechten hygienischen Bedingungen auf engstem Raum. Diese Zustände gebe es unter anderem bei Massentierhaltungen sowie auf Wildtiermärkten.

„Fledermäuse stellen für uns keine unmittelbare Gefahr dar“, erklärt Esther Pašalić. Die Tiere seien im Gegenteil sogar nützlich. „Sie erbeuten zum Beispiel Schadinsekten und helfen so, land- und forstwirtschaftliche Verluste zu begrenzen.“

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln